Ulfkotte, Giordano, Ahadi in trauter Kooperation – die Neue Rechte applaudiert

Foto: Seltener Schnappschuß – sind das Ahadi, Weißmann, Schröter und Giordano (Hintergrund: Hartmut Krauss) im Gespräch über den Islam?

Am 1. Oktober hatte auf einer von BFF und der Moscheebaugegner-Initiative aus Frankfurt-Hausen  ausgerichteten Veranstaltung die nach eigenem Bekunden bekennende Atheistin und Kommunistin Mina Ahadi gemeinsam mit Wolfgang Hübner und Hiltrud Schröter nicht gegen den Islamismus, sondern gegen “den Islam” gehetzt. Ahadi und Schröter waren sich dabei einig, den Islam insgesamt und von seinen historischen Grundlagen her, also nicht etwa den Islamismus, als “Faschismus” zu bezeichnen. “Belegt” wurde das von Frau Schröter in der Form von Koranzitaten.
Soviel zur “Islamexpertin”. Wie weit es mit dem “Kommunismus” Frau Ahadis her ist, sieht man an ihren BündnispartnerInnen, die weit ins Lager der Neuen Rechten reichen. Derzeit wird sie auf dem Blog “Blaue Narzisse” bejubelt, der dem Institut für Staatspolitik nahesteht. Mina Ahadi hat jetzt ausdrücklich im Kontext der Frage, ob und wie rechtsextrem dieser sei, ihre Zusammenarbeit mit einer der Zentralfiguren der Neuen Rechten, Udo Ulfkotte, bei der sog. Islamkritischen Konferenz in Köln bestätigt.  Dort war, neben dem eher zur Antideutschen Fraktion gehörenden, dann aber wegen seiner Querfrontaktivitäten von der Kölner Antifa-Konferenz ausgeladenen Hartmut Krauss, auch Ralph Giordano dabei, der zuvor mit dem glänzenden Satz hervorgetreten war: „Ich (!) will auf deutschen Straßen (!) keine Burka-Trägerinnen und Shado (sic!) – Verhüllten sehen“.

Toll! So haben wir uns die Verteidigung der universalen Frauenrechte immer vorgestellt: ein Mann sagt, was er auf deutschen Straßen sehen will und was nicht! Man(n) sollte Herrn Giordano, der ja auch mit Burka gekleidete Frauen schon mal als “Pinguin” bezeichnet, fragen, auf welche Art gekleidete Frauen sich nach seiner Ansicht denn auf deutschen Straßen zeigen dürfen, damit sie sein empfindsames Auge nicht beleidigen und er zufrieden ist. Sonst wird er nämlich böse und schickt am Ende noch die NATO zur Verteidigung seiner ästhetischen Empfindungen sowie zur Zwangsbefreiung und -säkularisierung!

Denkt man Schröters und Ahadis historisch und religionswissenschaftlich unhaltbare Konstruktionen im Gedankenexperiment nur einen Schritt weiter – und auf der Veranstaltung am 1. Oktober geschah das ganz ausdrücklich unter anderem in Form von Diskussionsbeiträgen – dann folgt logisch aus ihrer Position, dem Islam den Status einer Religion abzuerkennen und ihn als totalitäre oder faschistische politische Ideologie und Praxis zu klassifizieren, der mit den Menschenrechten und dem Grundgesetz unvereinbar ist.
Was aber dann?
Was soll mit denjenigen geschehen, die, wie Frau Ahadi, nicht öffentlich dem Islam “abschwören” wollen?
Wie mit ihnen umgehen? “Zwangsbefreiung” in der BRD?
Ist das die sogenannte westliche Alternative zur Steinigung in Iran?
Abschiebung, oder, wie die NPD gerne höhnt: “Gute Heimreise!” ?

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7 Responses to “Ulfkotte, Giordano, Ahadi in trauter Kooperation – die Neue Rechte applaudiert”


  1. 1 mrs adornix 10. Oktober 2008 um 15:23

    So haben wir uns die Verteidigung der universalen Frauenrechte immer vorgestellt: ein Mann sagt, was er auf deutschen Straßen sehen will und was nicht!

    Nun mögen Burka und Tschador (nicht zu unrecht auf Farsi wortwörtlich Zelt) als Ausdrucksformen eines überposititiven Rechts gedacht werden, aber dieses Recht begründet sich – soweit ich im entsprechenden Aberglauben bewandert bin – nun auch im Ukas eines Mannes (Mohammed)?!
    Ich kann/will die Widersprüche von Naturrecht vs Konstruktion von Geschlechterverhältnissen diskutiert auch garnicht rausnehmen, aber stehen wir nicht schlicht immer vor dem praktischen Problem, letztlich mit einer verbindlichen Form allgemein-garantierter Rechte operieren zu müssen (die wir dann – sofern uns, siehe “Aberglaube” – keine religiösen Letztbegründungen zur Verfügung stehen) – diese müssen wir dann eben normativ absichern.
    Und vor diesem Hintergrund erscheinen mir Tschador/Körperzelt und Emanzipation (soziale) als ausgesprochen unvereinbar.

  2. 2 Hausener Bub 10. Oktober 2008 um 16:03

    Das Problem der Linksrassisten und selbstgerechten Kulturrelativisten ist, daß sie die Wahrheit nicht mehr sehen wollen bzw. schlicht unfähig dazu geworden sind. Wahrheitsverdrehung ist nunmehr ihr Lebenszweck und zugleich Fluch geworden:

    http://www.n-tv.de/Aelteste_Gemeinde_der_Welt_Christen_fliehen_im_Irak/101020084515/1036155.html

    Älteste Gemeinde der Welt
    Christen fliehen im Irak

    Nach den jüngsten Morden an Christen im nordirakischen Mossul haben innerhalb von zwei Tagen 50 christliche Familien die Stadt verlassen.

  3. 3 hans christoph stoodt 10. Oktober 2008 um 19:34

    Nö, Mrs. Adornix, die einschlägigen Koranpassagen, die man für ihre Ansicht heranziehen könnte, geben nach Ansicht der je unterschiedlichen islamischen Gelehrten, je nach kultureller, historisch überaus wandlungsfähiger Konvention derjenigen Gesellschaft, in der Burka und Tschador üblich oder nicht üblich sind, eben nicht Eindeutiges her. War etwa im Iran in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Tragen des Tschador staatlich unerwünscht und galt als “unmodern”, weil für Frauen bei der Fabrikarbeit hinderlich, wogegen die islamischen Autoritäten nicht oder nicht erfolgreich protestierten, so wurde er gerade darum beim Sturz des eben diese “Modernität” propagierenden Pahlevi-Regimes für eine Zeitlang geradezu Symbol des Aufstands gegen den vom “Westen” (in Wahrheit: vom Imperialismus un der mit ihm kooperierenden Teile der “basari”, also der nationalen Borgeoisie Irans) dekretierten Moderne-Typ, bevor er dann, nach einer längeren Phase der nach Ausradierung der radikalen Linken des Iran leider zu erwartenden Stagnation des revolutionären Prozesses im Iran wieder zu einem Zeichen der Unterdrückung wurde. So kann dasselbe “Zelt” sehr unterschiedliche gesellschaftliche Bedeutungen haben, die eben keineswegs im von Mohammed noch nicht einmal eindeutig so und nicht anders verordentetn Ding an sich irgendwie gespeichert sind. Denn was was hat das alles nun mit Mohammed, also der arabischen Gesellschaft des 7.Jahrhunderts zu tun? Glauben Sie etwa, der Prophet habe all dies bewirkt? Das wäre ja nun wirklich Aberglaube!

  4. 4 mrs adornix 10. Oktober 2008 um 20:45

    Der Schwerpunkt der These sollte auf:als Ausdrucksformen eines überposititiven Rechts gedacht werden liegen, dieses Denken ist selbstverständlich ein Aktuelles. Das Argument ging um einen (so werte ich ihn) Ünterdrückungszustand, unabhängig ob dieser in der Imagination auf Mohammed, Jesus oder Ramakrisha verlängert wird. Insofern lese ich Deine Rekontextualisierung mit der Iranischen Revolution mit Interesse, würde aber die “semantische Offenheit” des Körperzelts doch stark hinterfragen wollen, weil ihm konstruktionsbedingt die Einsperrung eingeschrieben ist.
    Will heissen: Wo ist das Problem? In der Bündnispolitik Giordanos? Bezüglich Ulfkotte (Akte Islam?) geschenkt, ebenso bezüglich seiner (Giordanos) Rhetorik, der allerdings einige mE respektabler Interventionen gegenüberstehen.
    Kurzum: In der Konsequenz endet mir die Spielerei mit der Kritik der “universalen Rechtsfigur”, die letztlich nur wieder den “white male oppressor” (re-)etabliere (Mann sagt, was er auf deutschen Straßen sehen will) angesichts des Gegenstands Körperzelt zu sehr in der Beliebigkeit, denn dieses bewerte ich als Ausdruck eines (brutalen) Unterdrückszustands.

  5. 5 hans christoph stoodt 10. Oktober 2008 um 21:47

    denn dieses bewerte ich als Ausdruck eines (brutalen) Unterdrückszustands” – und das ist natürlich bezogen auf Dich unhinterfragbar.
    Tatsache ist aber, daß das Tragen des Tschador, so wurde mir aus mir unverdächtiger Quelle berichtet, sozusagen “gesellschaftlich duchschnittlich” zu unterschiedlichen Zeiten Unterschiedliches zum Ausdruck bringen wollte (zugestanden: für abweichende individuelle Fälle ein weniger als schwacher Trost). Das hat einerseits mit Offenheit (von mir aus auch semantischer), vielleicht aber doch auch etwas damit zu tun, daß, wer eingeschlossen ist, eben dadurch andere ausschließt / ausschließen will. Und darum ging es historisch konkret nach 1978 für eine kurze Phase auch. Ich habe damals mit iranischen Genossinnen gesprochen, die zwar nie selber ein solches “Zelt” getragen, erst Recht nie den staatlich-religiösen Zwang dazu befürwortet hätten, aber doch mit Respekt und Zustimmung für diejenigen revolutionären Frauen der Mostazafin sprachen, die als Zeichen ihrer Ablehnung der vorrevolutionären Zwangsverwestlichung und Ablehnung des Islam (samt staatlicher Repristinierung der vorislamischen avestischen Religionsfragmente) den Tschador trugen. Das zeigt überdeutlich zB. eine längere Sequenz des iranischen Dokumentationsfilms der Revolution 1978f “Land der Rosen und Nachtigallen” Das hatte selbstredend mit irgendeiner Zustimmung für die später folgende patriarchale Frauenunterdrückung, Steinigung oder öffentlichen Hinrichtung politischer oder sonstiger AbweichlerInnen, Homophobie, reaktionären Hass gegen Linke nichts zu tun. Die einzige Möglichkeit, diese Entwicklung zu verhindern hätte im entschlossenen Vorantreiben des revolutionären Prozesses bestanden. Eine Vielzahl von Gründen, nicht zuletzt der starke Verfall der Attraktivität des sozialistischen Weltsystems aber auch die zu späten Erfolge bei der Herausbildung einer linken Einheitsfont (Volksfedayin/Mehrheit, Kommunisten, Teile der Volksmodschaheddin, Teile der Pasdaran-Bewegung, des Militärs) machte das unmöglich. Das Ergebis war die Implosion des revolutionären Prozesses, beschleunigt durch den von den USA und Europa mitgeführten Ersten Golfkrieg. In diesem Kontext veränderte sich auch die gesellschaftliche Bedeutung des Tschador radikal und wurde zum Symbol brutalen Einschlusses. Die, die es als solches heute in verdinglichender Weise als “an sich” böse, unterdrückerisch, antiemanzipatorisch, unabendländisch, antizivilisatorisch etc.pp, also im Rassistenjargon: als besonders “islamisch” bekämpfen, wie zB. Hiltrud Schröter, aber eben auch Mina Ahadi, müssen darum von dem mehrfachen historischen Funktionswandel dieses “Zeltes” abstrahieren.

  6. 6 hans christoph stoodt 10. Oktober 2008 um 22:01

    @ “Hausener Bub”

    Ja meine Güte, Hausener Bub, wer hat denn da derzeit die Macht?? Doch nicht “der Islam”! Im Übrigen: nicht lange reden! Heuern Sie noch heute zB. bei Blackwater an und sorgen Sie höchstselbst für Ordnung! Die Welt wartet auf Sie!


  1. 1 Frankfurt-Ginnheim: keinen Meter für Kulturalisten und Rassisten! | Die Wurfbude. Würfe und Entwürfe. Trackback zu 23. Juni 2012 um 10:01

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