Archiv für November 2010

Thilo Sarrazin im Römer

Vor kurzem erst durften Burschis aus der gesamten Republik im Frankfurter Kaisersaal ihre Schmisse vorführen.
Nun kam die Steigerung: Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin (SPD) durfte auf Einladung des Deutschen Unternehmensverbands Vermögensberatung (DUV) und seines Vorsitzenden, des Ex-Kanzleramtsministers Friedrich Bohl (CDU) am vergangenen Mittwoch im Römer gastieren. Als ihn ein menschliches Bedürfnis ankam, stellte er seine Frage nach dem nächsten Klo ausgerechnet einem Fraktionsmitarbeiter der LINKEN, der, wie die gesamte Öffentlichkeit, von Sarrazins Aufenthalt im Römer zuvor nichts wusste. Eine spontane Kundgebung gegen Sarrazin im Römer war die Folge (Bericht FNP).
Aus welchem Grund und mit welchem Ziel ein Unternehmerverband im Frankfurter Römer nach den sattsam bekannten Skandalen um Thilo Sarrazin und seine biologistischen Thesen gegen Juden und Basken, nach seinen Äußerungen über „Kopftuchmädchen“ sowie die „Nützlichkeit“ von Menschen für die deutsche Volkswirschaft und nach seinen zynischen Ratschlägen an die Adresse von Hartz IV-BezieherInnen („dicken Pullover anziehen, Eintopf kochen„) besagten Herrn einlädt und hören will – das alles wissen wir nicht, aber wir ahnen es. Zweifellos ist diese Einladung der eigentlich Skandal.
Das liberale, weltoffene und so weiter Image der Stadt Frankfurt und ihrer OB zeigt ein weiteres Mal, wie es mit den diesbezüglichen Realitäten in Wahrheit bestellt ist.
Schwarz-Grün ist offfenbar mit allem und jedem vereinbar.
Auch mit Sarrazin im Römer und der Geheimhaltungspolitik um seinen Aufenthalt dort.
Die nächste Kommunalwahl kommt bestimmt.

Tote Helden braucht das Land

Die deutsche Regierung sieht in Zukunft mehr tote Soldaten auf sich zukommen. Nichts liegt da näher, als die Bereitschaft zum Getötetwerden zu erhöhen, das Heldentum als Ideal wieder aufleben zu lassen.

Dazu diente in Frankfurt zuletzt die Ehrung von – im euphemistischen Sprachgebrauch – „gefallenen“ Soldaten des 1. Weltkrieges zum 9. Nov. durch Vertreter von Verteidigungsministerium, deutscher, amerikanischer und israelischer Armee.

Auch an der Brust jüdischer Kämpfer prangte das Eiserne Kreuz“ zitiert die Frankfurter Rundschau den Staatssekretär Christian Schmidt, der sonst im Auftrag des Kriegsministeriums auch gerne mal die „Helden“ der faschistischen Edelweiss-Division ehrt, am 7. November. „Sie kämpften tapfer und zumeist mit nationaler Überzeugung und einem Stück Pathos“ so Schmidt weiter.
Unerträglich, wie hier jüdischen Deutschen posthum durch das Tor von Auschwitz die wieder kriegserprobte Hand gereicht wird.
Aber mit diesem Trugbild eines heldenhaften Soldatenseins lässt sich auch in Zukunft trefflich Rekruten unter Jugendlichen und Arbeitslosen werben gehen.

Die zweite Qualität eines Soldaten, die Bereitschaft zu töten, muss anders hergestellt werden. Wesentlich notwendig wird in der Praxis die Entmenschlichung des militärischen Gegenübers. Der Gegner wird aus Angst oder Überlegenheitsgefühl getötet. Die Zuschreibung VietCong, Republikanische Garde, Terrorist, Taliban kann hier ebenso schnell ein extralegales Todesurteil besiegeln wie die rassistische Abwertung für Menschen aus Asien, Schwarzafrika oder arabischen Ländern.
Die Tatsache, dass die Ermordung von fünf deutschen Staatsbürgern in Pakistan durch eine amerikanische Drohne keine öffentliche Reaktion, etwa den Ruf nach einer Untersuchung‚ ausgelöst hat, zeigt, wie weit schon rechtstaatliches Bewusstsein im blinden Vertrauen auf die Entscheidung von Geheimdiensten und Militärs abgebaut wurde, wenn man die Ziele nur als Islamisten etikettiert.


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no nazi in frankfurt

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