Vom Verschwinden der Hemmschwelle

Max und Henri Goldberg
Erinnerung an sie
nur in “abgetrennten Räumen”:
Max und Henri Goldberg –
mit der Reichsbahn in den Tod deportiert

.
Die Deutsche Bahn AG hat sich gegen Kölner AntifaschistInnen durchgesetzt: eine Eisenbahnschwelle, die im Kölner Bahnhofsvorplatz eingelassen worden war und dort durch ihre Gestaltung an die unverzichtbare Holocaust-Beihilfe der DB AG – Vorgängerin Deutsche Reichsbahn erinnern sollte, muß nun verschwinden.

Dazu heißt es in einer Presseerklärung der „Initiative 11.000 jüdische Kinder – mit der Reichsbahn in den Tod“:

Zu physischer Obstruktion greift die Bahn AG in Köln, um dem Reisepublikum die Ansicht eines Deportations-Mahnmals vorzuenthalten. Das Mahnmal zeigt eine Bahnschwelle, auf der mehrere Plaketten an die Mordbeihilfe der „Reichsbahn“ erinnern. Nachdem die Bahnschwelle an einer sichtbaren Stelle des Kölner Bahnhofsvorplatzes angebracht worden war, verlangte die DB AG von der Stadt die Entfernung – und setzte sich jetzt durch. „Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass der Bahnvorstand das gesellschaftliche Gedenken unverändert und mit allen Mitteln bekämpft, wo es seinen Börsenzielen schaden könnte; eine Zusammenarbeit ist unmöglich„.

– das sagt die Sprecherin des bundesweiten Zusammenschlusses von etwa 20 lokalen Initiativen, Tatjana Engel.

Mit der Bemerkung am Schluß iherer Erklärung spielte sie dabei auf den aktuellen Stand der Auseinandersetzung zwischen DB AG und den Initiativen um eine Ausstellung an, die sich dem Schicksal von 11.000 während des Faschismus aus dem besetzten Frankreich über das Schienennetz der Reichsbahn in die Vernichtungslager deportierten Kinder widmet. Die Bahn AG verweigert weiterhin kategorisch jede Zusammenarbeit mit den Initiativen vor Ort und besteht auf einer Ausstellung in abgeschlossenen Räumen außerhalb der Bahnhöfe. Offenbar befürchtet DB AG – Chef Hartmut Mehdorn, gedeckt von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), daß eine publikumsoffenere Form der Präsentation der Ausstellung zu „Imageschäden“ im Umfeld des zu erwartenden und sowieso heftig umstrittenen Börsengangs des ehemaligen Staatskonzerns führen könnte. An die überdeutlichen personellen, strukturellen und strategischen Kontinuitäten Reichsbahn – Bundesbahn – DB AG soll nicht erinnert werden dürfen.

Demzufolge wird auch das Konzept der von der Führung der Bahn AG angekündigten Ausstellung hinter verschlossenen Türen gemacht. Es wird befürchtet, daß dabei nicht, wie von den Initiativen gefordert, die Perspektive der europaweit etwa 3 Millionen mit der Reichsbahn in den Tod deportierten Opfer im Mittelpunkt stehen könnte, sondern die Technik der Deportation. Die Hemmschwelle sinkt.

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