Mittenwald: Treffen der Mörder unterm Edelweiß gestört

Zum fünfzigsten Mal fand in diesem Jahr zu Pfingsten das Traditionspflegetreffen der 1. Gebirgsjägerdivision der Wehrmacht in Mittenwald statt. Erneut beteiligten sich an diesem Treffen Soldaten der Bundeswehr sowie mit Staatssekretär Christian Schmidt (CSU) ein ofizieller Abgesandter des schwarz-roten Bundeskabinetts, Mitglied im „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“. Die Kommandeure und Soldaten der sogenannten Edelweißdivision werden zahlreicher Kriegsverbrechen aus der Zeit des 2. Weltkriegs bezichtigt. In diesem Jahr gelang es antifaschistischen AktivistInnen, die Feierstunde kurzfristig zu stören.

Die deutsche Justiz ist ihnen gegenüber weitestgehend untätig geblieben. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bezeichnete die Traditionspflegeveranstaltung, Jahr für Jahr die größte der Bundeswehr überhaupt, als „unangreifbar“ – nicht zuletzt auch „abgesegnet“ von der katholischen wie evangelischen Militärseelsorge, die sich regelmäßig an einer gottesdienstähnlichen Zeremonie am „Hohen Brendten“ beteiligt, gemeinsam u.a. mit den Altnazis der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ sowie bewaffneten Gebirgsschützen und Soldaten in unmittelbarer Nähe einer Kanzel, die mit dem Emblem der „Edelweißdivision“ geschmückt ist. Im übergangslosen Anschluß an diesen sog. Gottesdienst findet auch in diesem Jahr und damit zum fünfzigsten Mal ein eher militärisches Zeremoniell statt, in dessen Mittelpunkt das Lied vom „Guten Kameraden“ steht.
In der Bundeswehrführung wird der kriegsverbrecherische Einsatz der Wehrmachts-Gebirgsjäger unverblümt als vorbildlich gerühmt. „Diese Männer waren unsere Vorbilder!“ äußerte sich über sie General Klaus Reinhardt ehemaliger Mittenwalder Gebirgsjägeroffizier, KFOR-Kommandant, Befehlshaber der Bundeswehrtruppen im Somalia-Einsatz und zuletzt Befürworter eines Ehrenmals für im Auslandseinsatz gefallene deutsche Soldaten. Er rühmte ungeniert die „zeitlosen militärischen Werte wie Pflicht, Treue, Tapferkeit und Kameradschaft“ der Wehrmachtsgebirgsjäger, ohne ein Wort über ihre Kriegsverbrechen zu verlieren. Die in Mittenwald ausgebildeten KSK-Soldaten im aktuellen Afghanistan-Einsatz dankten es ihm auf ihre Weise und spielten in leichenschänderischer Art und Weise mit den Gebeinen toter Afghanen, ganz ähnlich wie ihre Vorbilder im „Bandenbekämpfungseinsatz„, denen ebenfalls Leichenschändung vorgeworfen wird – neben Gefangenenerschießung, Erschießung von ZivilistInnen, Folter, Vergewaltigung – und natürlich wie diese unbelangt.
Hubert Lanz, 1943 Befehlshaber der 1. Gebirgsdivision, wurde 1951 „verteidigungspolitischer“ Berater der FDP-Bundestagsfraktion.
Ein aktueller zusammenfassender Artikel zum Thema findet sich in der „jungen Welt„.
Seit 2002 finden alljährlich antifaschistische Gegenaktionen in Mittenwald statt. Hierzu gibt es hier einen Blog des „Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege„. Dort ist auch in Kürze ein Aktionsbericht des diesjährigen Mittenwald-Treffens zu lesen.

Update: Bericht auf www.antifa.frankfurt.org mit Links zu verschiedenen aktuellen Berichten über erfolgreiche Aktionen während der Feier auf dem Hohen Brendten

Advertisements

3 Gedanken zu “Mittenwald: Treffen der Mörder unterm Edelweiß gestört

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s