Verhindert den Nazi-Aufmarsch! Die letzte öffentliche Rede Peter Gingolds

Peter Gingold (1917 - 2007)Peter Gingold (1916 – 2006)

Jude, Kommunist, Antifaschist, Kämpfer der Résistance, hielt die letzte öffentliche Rede seines Lebens als 90-jähriger im August 2006 – wenige Wochen vor seinem Tod – in Fulda bei der erfolgreichen Verhinderung einer Nazi-Demonstration.

Es war der 19. August 2006 auf dem Domplatz in Fulda, als Peter Gingold seine letzte öffentliche Rede halten konnte. Der Jude, Kommunist, Antifaschist, Angehöriger der Résistance sprach als 90-jähriger – wenige Wochen vor seinem Tod – bei der erfolgreichen Verhinderung einer Nazi-Demonstration, die Marcel Wöll (NPD Hessen) angemeldet hatte.

Peter Gingold erinnert an die Anfänge des Faschismus während der Weimarer Republik und deren “verhängnisvolles Demokratieverständnis“: es war ein sozialdemokratischer Polizeipräsident in Frankfurt, der damals zuerst das demokratische Recht der SA auf freie Aufmärsche in Frankfurt verteidigte und später in einem KZ der Nazis ermordet wurde.
Gingold erzählt vom Schicksal seiner Familie, die fast vollständig in Auschwitz ermordet wurde und berichtet von der antifaschistischen Solidarität, die ihm überleben und gegen den Faschismus kämpfen half – nicht zuletzt auch als Partisan in Frankreich und Italien.
Er charakterisiert die Besonderheit des deutschen Nazi-Faschismus, auf deren Grundbegriffe („nationaler Sozialismus„, „Volksgemeinschaft„) der Nazi-Aufruf zum 7. Juli 2007 ausdrücklich Bezug nimmt: keine andere faschistische Bewegung der Welt hat Auschwitz hervorgebracht (auch wenn das, wie vor wenigen Wochen geschehen, vom Anmelder der Nazi-Demonstration am 7. Juli, Marcel Wöll, öffentlich geleugnet wird).
Er bestimmt das Verhältnis der von ihm als nationalistische „Brüllaffen“ bezeichneten Stiefelfaschisten zu den Damen und Herren in Nadelstreifen, die zB. erbarmungslos AsylantInnen abschieben.
Scharf geht er mit den PolitikerInnen und JuristInnen ins Gericht, die den Nazis unter dem Deckmantel der Meinungs- und Versammlungsfreiheit ihr mörderisches Handwerk erst ermöglichen.
Er ruft uns leidenschaftlich dazu auf, Nazis aktiv den Weg zu versperren.

Wir werden uns – nicht nur am 7. Juli – bemühen, dieser Forderung gerecht zu werden!

Das Dokumentationsarchiv verlinkt in seinem Beitrag zu Peter Gingold noch einen ca. 30-minütigen Videobeitrag von GEW-TV: „Erziehung nach Auschwitz

PS.: Der von Wöll angemeldete Nazi-Aufmarsch am 19. August 2006 konnte nicht stattfinden. Die „Freien Nationalisten Rhein-Main“ und die NPD waren an diesem Tag nicht in der Lage, die von der Polizei geforderte Zahl an Ordnern ohne Vorstrafen zu stellen.
Kein Wunder – haben doch ihresgleichen seit 1989 fast 150 Menschen ermordet und zahllose verletzt. Der jüngste uns bekannte Angriff dieser Art in unserer Region ereignete sich am 1. Mai in Mainz, als in die Pfalz heimkehrende Nazidemonstranten auf eine junge Frau einschlugen. Anmelder der damaligen Demonstration: Marcel Wöll. Und natürlich war die Demonstration, von der die Nazi-Schläger heimkehrten, von den Bürgermeistern in Rüsselsheim und Raunheim nicht verboten worden …

Weitere Infos zu Marcel Wöll

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4 Gedanken zu “Verhindert den Nazi-Aufmarsch! Die letzte öffentliche Rede Peter Gingolds

  1. Ich bin wirklich sehr überrascht und finde die Idee gut,
    noch besser hätte ich es gefunden, wenn die Aktion mit uns Fuldaern abgesprochen gewesen wäre.

    Ich habe Peter an diesem Tag am Bahnhof abgeholt, ihn den Tag über begleitet und ihn wieder zum Bahnhof gebracht.

    Er kam alleine mit dem Zug aus Frankfurt, mit dem auch zahlreiche Nazis zur Kundgebung anreisten. Etwas mulmig war mir schon mit meiner VVN Fahne auf dem Fuldaer Bahnhof, an dem der Naziaufmarsch vorbeiziehen sollte.

    Es gäbe dazu noch einiges zu sagen, z.B. der Moderator, der im Wissen war da spricht Peter ankünigte, war der CDU Stadtverbandsvorsitzende Thomas Bach. Nach der Rede kamen der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Hamberger (CDU) zum Wagen und danktem ihm aufrichtig und voller Ehrerbietung.

    Die Rede wurde von uns aufgezeichnet und wir haben sie ins Netz gestellt. Aber es war nicht die letzte Rede, als ich ihn zum Bahnhof fahren wollte, und er erfuhr, dass jetzt noch an einem anderen Platz der Stadt ein Rockkonzert stattfindet, war er nicht mehr zu halten. „Fahr mich zurück, ich MUSS doch zur Jugend.“ Ja so war Peter.

    Unter http://www.fuldawiki.de finden sich auch Fotos, Texte und Zusammenhänge der Kundgebung.

    Auch wenn die Sachen ausdrücklich unter GNU Lizenz gestellt sind, sollte zumindest doch die Quelle genannt werden.

    http://fulda-vogelsberg.de/fuldawiki/index.php?title=Peter_Gingold

    direkt zum Aktionsbündnis
    http://fulda-vogelsberg.de/fuldawiki/index.php?title=Fuldaer_Aktionsb%C3%BCndnis_gegen_Neonazis#.C3.9Cbergabe_der_gesammelten_Unterschriften

    und hier alles rund um den geplanten Aufmarsch der Nazis im August 2006 in Fulda
    http://fulda-vogelsberg.de/fuldawiki/index.php?title=Naziaufmarsch

  2. Hallo Kollegin Masche,
    es tut uns leid, daß wir Euch nicht kontaktiert hatten. Grund: wir wußten effektiv nicht, daß Peter Gingolds Rede von Euch ins Netzt gestellt worden ist. Wir haben sie vielmehr, wie Du ja leicht sehen kannst, einfach nur verlinkt, und zwar auf die Seite der DKP Hessen, wo sie abrufbar ist. Dort war für mich nicht erkennbar, daß sie von woandersher stammt. Wie dem auch sei: wichtig ist doch, was Peter Gingold dort sagt!

    Solidarische Grüße,
    Hans Christoph Stoodt
    Anti-Nazi-Koordination Frankfurt

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