„Dulden heißt beleidigen“ – Zum Bau der Hazrat-Fatima-Moschee in Frankfurt-Hausen

ffm hausen moschee Seit einigen Monaten kämpft eine Bürgerinitiative gegen den Bau einer Moschee im Frankfurter Stadtteil Hausen. Die islamische Hazrat-Fatima-Gemeinde möchte dort ein repräsentatives Gotteshaus errichten. Hiergegen wird Stimmung gemacht – natürlich nicht zuletzt von der radikalen bis hin zur neonazistischen Rechten. Am Dienstag, 18. September, findet um 19 Uhr eine dem Thema gewidmete Sondersitzung des Ortsbeirates in der Hausener „Brotfabrik“ statt. Die Anti-Nazi-Koodination hat hierzu eine Erklärung abgegeben.

Besonders Jörg Krebs, NPD-Stadtverordneter, tat sich in den letzten Wochen mit antiislamischer Hetze hervor: „Erst bauen sie Moscheen und dann werfen sie Bomben“ sprach der Befürworter der jüngsten Frankfurter Hass- und Gewaltdemonstation seiner Partei am 7. Juli, während der seine Nazi-KameradInnen minutenlang gegrölt hatten: „Gegen Demokraten helfen nur Granaten!„. Sehr glaubwürdig. In einer Broschüre „Islamisten raus!“ hetzt er nun im Ton des NS-Antisemitismus gegen den Moscheebau.
Wolfgang Hübners BFF mochte sich nach Jörg Krebs‘ entlarvendem Ausspruch in der darauf folgenden Sitzung des Ältestenrats der Stadtverordnetenversammlung einer Verurteilung des rassistischen Ausfalls der Neonazis durch alle übrigen Parteien bezeichnenderweise nicht anschließen. Hübner verließ vor der Abstimmung still die Sitzung, hatte er doch zB. vor der NPD-Demonstration am 7. Juli die angekündigte Anti-NPD-Protestveranstaltung des Römerbergbündnis als „Volksgemeinschaft neuen Stils“ verunglimpft. Und Michael Langer (REPs) stimmte im Ältestenrat gar für die NPD. Auch die REPs haben den Antiislamismus als mögliches Wahlkampfthema entdeckt – in Frankfurt und europaweit, da im Bündnis mit knallharten Nazis wie dem „Vlaamse Belang„.

Alle drei: NPD, REPs und BFF wollen in Rödelheim und Hausen punkten und stehen dort ständig auf der Matte. Dabei hoffen sie auf einen ausdrücklichen oder unausgesprochenen Rassismus in Teilen der Bevölkerung, dem auch die CDU keineswegs prinzipiell entgegentritt.
Kein Wunder: mit Stimmungmache gegen MigrantInnen hat Roland Koch 1999 zu seiner damals eigenen Überraschung die Landtagswahl gewonnen. Vorangegangen war der gescheiterte Versuch einer bundesweit geplanten „Frankfurter Initiative“ zu dem genau gleichen Zweck, in der Wolfgang Hübner (BFF), Annemarie Paulitsch (später NPD) und Horst Mahler (schon damals militanter Neofaschist, heute allgemein bekannter Holocaustleugner und radikaler Antisemit) in Frankfurt einträchtig zusammenwirkten (Belege hier).
Hübner, Mahler und Paulitsch gingen nach verheißungsvollem Anfang unverricheter Dinge auseinander. Roland Kochs CDU war kurz darauf mit ihrer „Doppelpaß-Kampagne“ effektiver. Man erinnert sich: „Wo kann ich hier gegen die Ausländer unterschreiben…?„.
Einen ähnlichen Hype erhofft sich die gesamte Rechte in Frankfurt anscheinend vom Schüren der Angst vor dem „Islamismus“ in Hausen. Berlin, Hamburg und Köln haben entsprechende Erfahrungen schon hinter sich.

Die Anti-Nazi-Koordination hat dazu eine Erklärung erarbeitet, die wir bei der bevorstehenden Sondersitzung des Ortsbeirats 7 am Dienstag, 18. Sepember 2007, 19 Uhr, Brotfabrik in die Diskussion einbringen werden. Wir bitten möglichst viele AntifaschistInnen und DemokratInnen uns dabei zu unterstützen! (die Erklärung ist auch als PDF-Datei verfügbar)

„Toleranz sollte nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muß zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“ Johann Wolfgang Goethe (Maximen und Reflexionen)

Erklärung zum Moscheebau der Hazrat-Fatima-Gemeinde in Frankfurt – Hausen

In der Anti-Nazi-Koordination sind wir mehrheitlich Atheistinnen und Atheisten. Deshalb stehen wir religiösen Organisationen grundsätzlich kritisch gegenüber. Wir verteidigen aber den Grundsatz, dass jeder Religionsgemeinschaft die gleichen Rechte zugestanden werden, ob christlich, hinduistisch, jüdisch, islamisch etc. Das gilt auch für den Bau von Gotteshäusern. Die Frage, ob und wie ein Gotteshaus errichtet werden kann, ist eine Frage des Baurechts und nicht eine Frage nach Erlaubnis oder Duldung. Die Offenheit einer Gesellschaft gegenüber Minderheiten drückt sich auch in ihrer Architektur aus. In diesem Sinne ist die Moschee als eine solches Dokumentation der Offenheit zu begrüßen. Damit wäre eigentlich alles gesagt.

Diese Auffassung wird aber offensichtlich nicht von allen in dieser Stadt geteilt. Es werden Einwände gegen das Bauvorhaben der Hazrat-Fatima-Gemeinde vorgebracht, die in Schärfe und Inhalt den Rahmen sonstiger Diskussionen über Bauvorhaben verlassen.

Dabei lassen sich zwei Hauptargumentationsrichtungen ausmachen:
Erstens eine, die mit einer angeblichen Störung des Alltags z. B. durch Lautstärke, Parkplatzprobleme und verschleierte Frauen daherkommt, zweitens eine Argumentation, die offen oder verdeckter sagt, wir wollen „Euch“ nicht und z.B. mit „kultureller Überfremdung“ argumentieren.

Wir halten die erste Argumentationsrichtung in der Regel für vorgeschoben, die zweite für rassistisch. Bei der Vorstellung des Vorhabens durch die Hazrat-Fatima-Gemeinde im Schönhof am 02. September wurde es offen ausgesprochen: „Egal was ihr sagt, wir wollen euch hier nicht!

Wer das Bauwerk nicht haben will, meint die Menschen.

Wir stellen uns gegen eine rassistische Argumentationsweise, wie sie beim Bauvorhaben der Moschee vorkommt und vorläufig in den Verlautbarungen der NPD gipfelt, die in ihrem Flugblatt von Jörg Krebs in Duktus und Sprache an antisemitische NS-Propaganda anknüpft.

Wir fordern den Ortsbeirat auf, sich von allen Äußerungen zu distanzieren, die im Kern darauf abzielen, die Betreiber und Benutzer der neuzubauenden Moschee nicht als gleichwertige Bürger zu sehen.

Wir fordern den Ortsbeirat und alle heute hier vertretenen Initiativen und Einzelpersonen auf, sich eindeutig von der NPD und ihrer Argumentation zu distanzieren und die Anwesenheit ihrer Anhänger nicht zu dulden.

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4 Gedanken zu “„Dulden heißt beleidigen“ – Zum Bau der Hazrat-Fatima-Moschee in Frankfurt-Hausen

  1. was habt ihr eigentlich gegen diese moschee???
    bis jetzt habe ich noch kein vernünftiges argument gegen die moschee, den bau der moschee gehört!!! NUR VORURTEILE!!! schämt euch mal, ihr ach so tollen pseudo-deutschen, wenn andere deutsche ihren verfassungskonformen, nicht-terroristischen, friedlichen glauben leben wollen.
    was meckert ihr, ihr habt selbst keinen glauben und erschreckt euch, daß es andere mit glauben gibt!!!
    ach so, ihr seid prinzipiell ohne glauben, mit welchem recht verweigert ihr dann die religionsausübung anderer DEUTSCHER STAAATSBÜRGER, die uns allen verfaasungsrechtlich zusteht???

    NAZIS verpisst euch,
    KEINER vermisst euch!!!

    das gleiche gilt für RASSISTEN!

  2. Pärchen verpisst euch
    Keiner vermisst euch

    ist der Originaltitel dieses Idioms, lieber Matze, verbitte Missbrauch ohne Rücksprache mit der GEMA bzw. den Lassie Singers.

    Und ich lasse mich weder als Nazi noch als Rechtsradikale beschimpfen, wenn ich Italienern und Türken ehrenamtlich Englischunterricht gebe und gleichzeitig absolut und aus tiefster Überzeugung gegen die Moschee bin. Ich hab durchaus einen Glauben, aber auch Furcht, die nicht nur aus Paranoyern genährt wird.

    Ich habe einige Bücher gelesen, die mich mit viel größerer Furcht oder Wut schreiben lassen könnten. Nein, ich bin gegen DIESE Moschee als Symbol einer Religion, in der Ungläubige nicht toleriert werden. Und jetzt geh in „Ein mutiger Weg“, sieh die Realität und erkenne, dass jede Toleranz ihre Grenzen hat – und das ist leider nicht religionsabhängig, sondern (leider) einfach menschlich.

    Zum Glück habe ich als Arbeitsexilantin immer noch die Option, dieses Land bzw. diese Stadt zu verlassen, allerdings würde ich das auch irgendwie als Feigheit betrachten.

  3. Ob der Lassi-Song wirklich älter ist las die Anti-Nazi-Variante würde ich bezweifeln. Ich meine „Nazis verpisst euch …“ bereits Anfang der 80er gehört zu haben und das Anti-Pärchen-Lied ist von 1991.
    Hsat du eigentlich einmal gehört, was Herr Kaymakci vom Moscheenverein sagt. Sein Respekt vor anderen Religionen war absolut glaubwürdig. Und hast du die GegnerInnen auf der Ortsbeiratssitzung erlebt. Die haben einen Begriff von „deutsch“, dass es der Sau graust. Nix von Staatsbürgerschaft oder Nation, sondern nur Blut und Boden Deutschtum.
    Ansonsten hast weder du, noch ich oder die Anti-Nazi-Koordination zu entscheiden, ob die Moschee gabaut wird. Und auch die Stadt Frankfurt hat nicht über den Bau der Moschee zu entscheiden, sondern nur darüber, ob dem Baurecht genüge getan wird.
    Der Moscheebau ist ein selbstverständliches Recht. Muslime wollen in Deutschland in einer würdigen Umgebung beten können. Deshalb wird sie gebaut werden, weil eine Gruppe von Muslimen es will und sie die Mittel dafür aufbringen.
    Selbstverständlich würde ich keinen Finger für Islamisten rühren. Oder für evangelikale Rechtsextremisten.
    Aber den Hausener GegnerInnen der Moschee wünsche ich als Atheist möglichst viele weitere Moscheen!

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