Herr K. und der Moscheebau in Hausen

Anlässlich einer Ortsbeiratssitzung, bei der es um den umstrittenen Bau einer neuen Moschee gehen sollte, wurde der anwesende deutsche Staatsbürger Herr K. gefragt, was er zu der Verfolgung der Christen in seinem Land meine. Herr K. war über diese Frage ganz erstaunt. In Deutschland, so seine Antwort, werden Christen nicht verfolgt.
Und alle anderen im Saal wären über diese Frage auch erstaunt gewesen, wenn Herr K. einfach nur Herr K. wäre und nicht der Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, und diese Gemeinde eine Moschee im Industriehof bauen möchte.

Wie lange müssen Menschen, die nicht katholisch, nicht evangelisch oder nicht weiss sind, hier leben, um als Deutsche anerkannt zu werden? Fünf Generationen, zehn Generationen – oder werden sie nie zu gleichberechtigten BürgerInnen?
In der Ortbeiratssitzung wurde diese Frage von einem großen Teil der Anwesenden unmissverständlich deutlich beantwortet. Es ist egal – ob mit deutschen Pass oder ohne – die Menschen, die anders sind, sollen keinen Platz in der abendländischen deutschen Gesellschaft haben.
Solange die „Anderen“ in den Hinterhöfen unsichtbar sind, werden sie nicht wahrgenommen oder müssen nicht wahrgenommen werden. Sobald sie aber die Hinterhöfe verlassen und im Straßenbild unübersehbar sind oder sogar, wie im Fall des baus einer Moschee, architektonisch in Erscheinung treten wollen, wird ihnen klar zu Verstehen gegeben: wir wollen Euch nicht!

Die Ablehnung von Muslimen und die Argumentation gegen den Moscheebau steht zusätzlich in der Tradition antisemitischer Argumentationsmuster: da islamische Menschen angeblich nicht zu dieser Gesellschaft gehören – „müssen“ sie einer anderen Gesellschaft angehören. Diese ominöse andere Gesellschaft, die irgendwo im Ausland existiere, so wird angedeutet, möchte Einfluss in Deutschland gewinnen, ja eine Islamisierung Deutschlands herbeiführen. In diesem Kontext wird weiter unterstellt, die Gemeinde könne die Moschee selber nicht finanzieren, es müsse also Geld aus einer anderen Quelle fließen – aus dem Ausland. Das Ausland finanziere den Moscheebau, um eine islamische Weltherrschaft aufzubauen und die Vertreter der Hazrat-Fatima-Gemeinde hätten genau dieses Ziel. Um dies zu erreichen bedienen sie sich zudem der Täuschung und der Lüge – so die Moscheegegner.

In diesem Sinne sind die Positionen der Moscheegegner rassistisch und entstehen aus rassistischen und antisemitischen Denkstrukturen. Diese Denkstrukturen sind durch nichts zu rechtfertigen, auch nicht durch vermeintlich berechtigte Ängste. Viel zu oft wird hierfür Verständnis geäußert. Wir haben kein Verständnis für Rassismus.

Die Diskussion um den Neubau der Moschee im Industriehof macht deutlich, dass viele die Realität dieser Gesellschaft als Einwanderungsland nicht anerkennen wollen. Millionen Menschen sind in den letzten Jahrzehnten aus anderen Ländern eingewandert oder leben zum Teil in der dritten Generation hier. Die Vielfalt der kulturellen Lebensweise und Religionen in Deutschland hat sich ausgeweitet. Die Gegner des Moscheebaus wollen diese Realität nicht anerkennen und stellen sich zudem als Opfer gesellschaftlicher Verhältnisse dar. Sie verkehren damit die tatsächlichen gesellschaftlichen Strukturen, die Menschen mit Migrationshintergrund benachteiligen und im Besonderen Muslime stigmatisiert.

Die Frage, ob und wie ein Gotteshaus errichtet werden kann, ist eine Frage des Baurechts und nicht eine Frage nach Erlaubnis oder Duldung. Die Offenheit einer Gesellschaft gegenüber Minderheiten drückt sich auch in ihrer Architektur aus. In diesem Sinne ist die Moschee als eine solche Dokumentation der Offenheit zu begrüßen. Ünal Kaymakci, Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, zog aus der Ortsbeiratssitzung und den Diskussionen um den Moscheebau die richtige Schlussfolgerung: „Der Stadtteil braucht diese Moschee“. Wir rufen die Bevölkerung in Hausen und den angrenzenden Stadtteilen auf, sich gegen die rassistische Argumentation der Moscheebaugegner zu stellen.

Gegen Rassismus
Gegen die rassistische Infragestellung von Grundrechten

3 Gedanken zu “Herr K. und der Moscheebau in Hausen

  1. Die Frage: wer oder was denn??? ist keine Antwort zu dem
    Artikel.
    Ich hatte vielmehr eine Antwort zu dem Beitrag „Bilder vom
    20. Oktober -Protest gegen den NPD-Nazi-Aufmarsch“ gegeben,
    die aber, wie mir schien, nicht gesendet wurde.
    Beim erneuten Versuch, die Antwort zu schicken habe ich wohl
    den obigen Artikel angeklickt und mir wurde mitgeteilt:
    (WORLD PRESS) Fehler : Gib Kommentar ein. Es wurde doppelter
    Fehler erkannt. Es sieht so aus, als wenn du das schon
    einmal gesagt hätttest.
    Wer oder was denn??? war dann mein Kommentar zu der
    Fehlermeldung und nicht zu dem Beitrag „Herr K. und der
    Moscheebau in Hausen“, dem ich im Übrigen inhaltlich voll zustimme.
    Ich bin zwar ein von der Gottesverehrung Abgekoppelter und
    somit laut Kardinal Meisner ein Entarteter, aber
    selbstverständlich bin ich ein Befürworter der
    Religionsfreiheit und bekenne mich klar und eindeutig zum
    Bau der Hazrat-Fatima-Moschee.

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