Erlebnisbericht 20. Oktober 2007 – unverhältnismäßiger Polizeieinsatz

„Zum zweiten Mal innerhalb von 4 Monaten sind die Nazis durch unseren Stadtteil gelaufen – unterstützt von einem riesigen Polizeiaufgebot, das jede Verhältnismäßigkeit sprengte. Tausende von Polizisten für vielleicht 100 Nazis und einige hundert Gegendemonstranten, eine gewaltige und unnötige Verschwendung von Millionen von Steuergeldern.“ (Erlebnisbericht eines Betroffenen) 

Ich möchte hier einige meiner Erlebnisse schildern, die sicher nicht sehr bedeutsam sind, aber den Charakter dieses Polizeieinsatzes entlarven. Ich weiß, dass anderen Leuten viel schlimmer von der Polizei mitgespielt wurde.

Am Freitag Abend wurde Hausen leergeräumt, die letzten verbliebenen Fahrzeuge wurden abgeschleppt, um angeblich Platz zu machen für die Demonstration des Römerbergbündnisses. Völlig unnötig, der Demonstrationszug hätte problemlos auch durch die zugeparkten Straßen gehen können. Der Ostermarsch zieht jedes Jahr durch Hausen, ohne dass dort ein Parkverbot eingerichtet werden würde. Wozu also diese Schikane ?

Nach Erledigung meiner samstäglichen Einkäufe wurde ich von der Polizei gehindert, nach Hause zu fahren, obwohl ich keiner der Demonstrationsrouten nahe gekommen wäre. Die weiträumige Absperung am Ortseingang Lorscher Straße wurde von einer einzelnen, offensichtlich überforderten Polizistin gesichert, die stur ihren Befehl ausführte und auch keinen Anwohner mehr durchließ.

Eine ähnliche Situation später an der Fußgängerbrücke über die Nidda in der Flussgasse. Ein auswärtiger Polizeitrupp hatte den Befehl, niemanden mehr in den Park zu lassen. Eine völlig absurde Maßnahme, da die anderen Parkeingänge offen waren, sodass ich dann von hinten diese Brücke überquerte. Ich fühlte mich an den Film „Die Brücke“ erinnert !

Die Einsatzleitung hat die überwiegend auswärtigen, jungen Polizistinnen und Polizisten in diesem absurden und politisch einseitigen Einsatz verheizt. Dank ihres antrainierten Gehorsams haben diese mitspielen müssen. Widerstand zu leisten gegen unsinnige Befehle, eigenständiges Denken oder das Hören auf das eigenen Gewissen gehören offensichtlich nicht zu den Ausbildungsinhalten bei der Polizei. Dies ist unerträglich für einen demokratischen Rechtsstaat, für ein Land, das die Nazis schon einmal dank der damals anerzogenen Obrigkeitshörigkeit zerstören konnten. „Wir tun ja nur unsere Pflicht“ – ich mag diesen Satz nicht mehr hören !

Der Rödelheimer Brentanopark war vollgestellt mit Polizeifahrzeugen (was die dort wollten weiß wahrscheinlich noch nicht einmal der Einsatzleiter), die dann irgendwann im Konvoi mit Blaulicht durch den fast menschenleeren Park fuhren. Auch hier wieder Absurdistan pur.

Der von der VGF angekündigte Ringbus durch Rödelheim als Ersatz für die eingestellten U-Bahn- und Buslinien konnte nicht fahren, da die Polizei meinte, ihre Fahrzeuge in Viererreihen auf der Ludwig-Landmann-Straße aufstellen zu müssen. Die Polizei nahm erneut keine Rücksicht auf die Bürgerinnen und Bürger und sperrte sie in ihrem Stadtteil ein.

Die Polizei hielt es für nötig, den im Studentenwohnheim postierten Lautsprecher abzustellen mit dem Argument, die Kundgebung der Nazis würde dadurch gestört. Die Polizei störte aber ihrerseits die Kundgebung des Römerbergbündnisses durch Hubschrauber, sodass die Teilnehmer kaum etwas mitbekommen konnten von Petra Roth und den anderen Rednern. Die einseitige Parteinahme der Polizei ist offensichtlich.

Nach all diesen Erlebnissen bleibt nur die ohnmächtige Wut gegenüber einer entfesselten Staatsmacht, die einseitig vorgibt, die Grundrechte derjenigen mit Gewalt durchsetzen zu müssen, die selber durch vielfältige Gewalttaten aufgefallen sind, und gleichzeitig die Grundrechte von Tausenden Anwohnern mit Füßen tritt. Der hessische Innenminister trägt die Verantwortung dafür, und ich hoffe nur, dass bei der nächsten Wahl die jetzige Landesregierung, die die Nazis in der erlebten Form unterstützt, endlich abgewählt wird.

Nach dem erneuten Erfolg der Nazis werden wir uns wohl darauf einstellen müssen, dass diese mehrmals im Jahr bei uns marschieren werden – dank ihrer Helfershelfer in Politik und Justiz. Die Lippenbekenntnisse von Petra Roth werden daran nichts ändern.

Autor: Name des Verfassers ist der Anti-Nazi-Koordination bekannt

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4 Gedanken zu “Erlebnisbericht 20. Oktober 2007 – unverhältnismäßiger Polizeieinsatz

  1. Ausserdem wurde einigen Leuteten der Durchgang zur Kundgebung verwehtrt
    am Hauptbahnhof es fährt keine Bahn mehr nach Rödelheim da müssen sie zur Bockenheimer Warte fahren und dann zu Fuss weiter….
    die Leute sind bis zur Breitenbachbrücke gekommen und nicht weiter.

  2. Da diesem Beitrag keine Distanzierung der ANK hinzugefügt ist, darf ich wohl davon ausgehen, dass der durchgehend lokalpatriotische („unseren Stadtteil“), etatistische („unverhältnismäßiger Polizeieinsatz“) und geschichtsrevisionistische Tenor („ein Land, das die Nazis schon einmal dank der damals anerzogenen Obrigkeitshörigkeit zerstören konnten“ – der Autor spricht NICHT von den Deutschen geschweige denn Polen oder der Sowjetunion) mit dem Weltbild der ANK konform geht.

    @
    es gibt kein hermetisches „Weltbild der ANK“, denn hierbei handelt es sich um ein Bündnis von Menschen und Gruppierungen verschiedenster politischer, glaubens- und weltanschaulicher Ausrichtung, daher ist diese Unterstellung obsolet. Der Beitrag dient der Dokumentation der Ereignisse aus der Sicht eines Betroffenen (daher im Titel auch als Erlebnisbericht gekennzeichnet) und ist keine Stellungnahme der ANK, das sollte erkennbar sein.

  3. @AD: Nicht alles, was hier steht, stimmt haargenau mit der jeweiligen Position der Anti-Nazi-Koordination überein. Dies hier ist kein Zentralorgan des Politbüros des ZK der ANK.
    Im Übrigen: aus diesem Beitrag Lokalpatriotismus, Etatismus und Geschichtsrevisionismus (!!!) herauslesen zu wollen – also ehrlich, hast Du es nicht ein bisschen kleiner? Willst Du jetzt ernsthaft die ANK als geschichtsrevisionistisches Bündnis bezeichnen, weil der Autor eines Kommentars dieser Homepage nicht eine vollständige Faschismusanalyse abgeliefert hat, als er zum Polizeiverhalten am 20. Oktober seine subjektiven Erlebnisse wiedergab? Wo lebst und arbeitest Du – im Oberseminar? Das sieht nach einer verdammt verzweifelt-identitären Suche in den Krümeln aus! Hast Du möglicherweise sogar noch einen Kommafehler gefunden? Den würde ich aber an Deiner Stelle sofort auch ideologiekritisch ankreiden!!!

  4. Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!
    @AD: Was hat „lokalpatriotischer Tenor“ mit „Weltbild“ zu tun? Das Adjektiv „etatistisch“ gibt es nicht, ebensowenig das Substantiv „Etatismus“. Es exisitiert lediglich das Verb „etatisieren“, was „in den Etat (= Haushalt) aufnehmen“ bedeutet. Wirklichen „Geschichtsrevisionismus“ kannst du hier sehen …).
    Grüße

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