Nazis hetzen gegen Frankfurter Stadtverordnete: alltäglicher Antisemitismus und Rassismus im liberalen Frankfurt

Die Frankfurter Stadtverordnete Nargess Eskandari-Grünberg hat sich sowohl bei der rassistischen Bürgerinititative gegen den Moscheebau in Frankfurt-Hausen als auch bei den Nazis der „Germanischen Weltnetzgemeinschaft“ (forum.thiazi.net) unbeliebt gemacht und wird seit Wochen auf übelste Art und Weise gemobbt – mitten im „toleranten, weltoffenen, liberalen Frankfurt“.
Schon während einer Sitzung des Ausschuß für Integration und Bildung des Römer am 5. November waren VertreterInnen der islamophoben Hausener Bürgerinitiative verbal über sie hergefallen, nachdem sie konstatiert hatte, Frankfurt sei nun mal eine Stadt, in der viele Menschen mit Migrationshintergrund lebten – wem dies nicht gefalle, der müsse eben woanders hinziehen.
Damit hatte sie einfach nur die Realität ausgesprochen, zugleich offenbar aber auch einen sehr wunden Punkt berührt.
Der BFF-Abgeordnete Wolfgang Hübner gab den Empörten, obwohl er auch nichts an den von Frau Eskandari-Grünberg genannten Tatsachen ändern kann (Bericht in der FR) – es sei denn, BI und Hübner gäben realistische Pläne zur Veränderung dieser ihnen offenbar unangenehmen demographischen Situation der Stadt bekannt.

Sollen die MigrantInnen unsichtbar werden? Wegziehen? Verschwinden? Wenn ja – wer? Wieviele? Wohin? Wer oder was genau ist hier ein „Fremdkörper„, wie Herr Hübner sich auszudrücken beliebte? Wie stellt man das fest?

Seither jedenfalls wird Frau Eskandari-Grünberg nicht nur telefonisch und per Mail gemobbt. Im oben genannten faschistischen Internetforum „Germanische Weltnetzgemeinschaft“ wird ihr Wohnort mit voller Adresse einschließlich Telefonnummer bekanntgegeben. Die Tatsache, daß ihr Ehemann Jude ist, wird als besonders erwähnenswertes Detail vermerkt, als sei das etwas, was man „outen“ müsse. Zum Beruf ihres Ehemanns „Psychoanalytiker“ wird angemerkt: „typischer Judenberuf„. Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen Kurt Grünbergs, u.a. Beiträge zur Psychoanalyse von NS-Opfern, werden als „Reißer“ verunglimpft.

Wir stellen dazu erneut fest: seit Monaten geschieht in Frankfurt praktisch nichts zur Aufarbeitung der antisemitischen und faschistischen Ereignisse diesen Jahres: zwei von der Polizei bestens beschützte NS-Demonstrationen, eine Messerattacke auf einen Frankfurter Rabbi und nun die Ereignisse rund um den Moscheebau in Hausen, demnächst auch andernorts.

Liberales, weltoffenes, tolerantes“ Frankfurt?

Die Strafverfolgungsbehörden dieser Stadt erklärten es am 18. Oktober für „nicht strafbar“ , wenn in Frankfurt zB. 100 Nazis unter Polizeischutz mit „Sieg Heil“ grüßen, Frankfurt als „Jerusalem am Main“ bezeichnen oder völlig unbehelligt von der daneben stehenden Polizei grölen können „Juden raus von deutschen Straßen!„.

Die Eliten der Frankfurter Zivilgesellschaft von den meisten Parteien über die Kirchen und den Frankfurter Jugendring bis zum DGB schweigen zu diesem Polizeiverhalten.

Oder verharmlosen.

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2 Gedanken zu “Nazis hetzen gegen Frankfurter Stadtverordnete: alltäglicher Antisemitismus und Rassismus im liberalen Frankfurt

  1. Meine Solidarität mit Frau Eskandari-Grünberg, was sie gesagt hat entspricht meiner Meinung. Man kann sicher darüber diskutieren, ob dies dann für jeden einzelnen so richtig ist oder nicht. Das gehört nun mal zum demokratischen Diskurs.

    Die rechtsradikalen Äußerungen entsprechen mal wieder dem, was sie schon immer unter Beweis gestellt haben: übelste rassistische und antisemitistische Hetze, die mit der Gewaltandrohung gepaart ist. Dies belegt, daß dieses Land, diese gesellschaft, oder zumindest große Teile davon nichts, aber auch wirklich nichts aus unserer Vergangenheit gelernt hat.

    Die Ereignisse der letzten Monate hier in Frankfurt (Zwei widerliche Nazidemos, die von tausenden Bullen beschützt wurden, den Angriff auf den Rabbi im Westend, die unsachliche „Diskussion“ um die Hausener Moschee und nun die Hetze gegen Frau Eskandari-Grünberg) belegen, daß wir hier in Frankfurt nicht auf einer netten multikulturellen Insel leben, die uns Frau Roth versucht zu suggerieren, sondern daß der Antisemitismus , der Rassismus und die Polizeiübergriffe (nicht nur auf der Strasse, sondern auch gegen Fußballfans, die mehr und mehr Repressionen ertragen müssen) auch hier Alltag ist/sind.

    Dagegen müssen wir kämpfen! Hier und jetzt! In Frankfurt!

    Nazis raus! Gegen Repression, Überwachung und polizeiliche Schikanen gegen Fußballfans!

  2. Ja,volle Solidarität mit Frau Eskandari-Grünberg und Herrn Grünberg. Xenophobische und antisemitische Kampagnen sind, wo immer sie aufkeimen, in aller Schärfe zu verurteilen und zu bekämpfen.

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