Braunes Wochenende in Frankfurt – zweiter Akt: REPs auf dem Römer

Nochmal, weil’s so schön war – das war anscheinend die Devise von Polizeipräsident Thiel für den zweiten Akt des Braunen Wochenendes auf dem Römerberg: diesmal wurde für die REPs der Weg freigeräumt. Ansonsten war alles wie gehabt:
Die Abgitterungen waren über Nacht noch einmal etwas nach außen verschoben worden, so daß etwa an der Braubachstraße noch weniger Platz vor dem Polizeidurchsuchungszelt war. Dafür sammelten sich, nachdem bekannt geworden war, daß die REPs entgegen den vorherigen Ankündigungen bereits ab 13:30 Rassismus versprühen wollten, schnell etwa 100 – 150 AntifaschistInnen vor dem Südzugang des Römerberges und blockierten für längere Zeit den Durchgang (Foto vom Beginn der Blockade, FR). Das war eine Antwort antifaschistischer DemonstrantInnen auf das Verhalten der Polizei am Vortag. Durch Megafondurchsagen wurde der Sinn dieser Maßnahme erläutert und von den Meisten über längere Zeit auch akzeptiert. Später, nachdem die REPs auf dem Römerberg waren und viele zum Protest gegen sie dorthin wollten, wurde die Blockade aufgelöst.
Die REPs kamen mit drei Reisebussen und unter Polizeieskorte vom Rebstock aus. Sie wurden nach einem kurzen und eher spontanen Blockadeversuch am Ort des Ausstiegs aus den Bussen hinten herum die Limburgergasse auf den Römerberg geschleust und begannen dort auf einer einigermaßen professionellen Bühne mit knapp 100 Personen ihre Wahlkundgebung. Zu verstehen war davon auf dem Römerberg nichts, weil den Sprüchen der deutschnationalen Rassisten wie am Vortag gellende Pfeifkonzerte, langanhaltendes Glockenläuten der Alten Nikolaikirche, Sprechöre durch Lautsprecher und Megafone entgegenschallte. Nur zur Erinnerung: angekündigt hatten die REPs 1000 Teilnehmer, darunter „mehrere Hundert Freunde aus dem europäsichen Ausland“.
Es waren insgesamt etwa 500 – 1000 GegendemonstrantInnen anwesend. Die Polizei verhielt sich genauso wie am Vortag. Bei einem durch überhaupt nichts motivierten Angriff einer Polizeieinheit aus dem Durchsuchungszelt am Südzugang des Römers gegen die etwa fünf Meter vor ihnen stehende Blockade kam es zu Schlägen und der Festnahme eines Antifaschisten, der erst Stunden später wieder aus dem Polizeipräsidium entlassen wurde. Die Gesamtzahl der Festgenommen des Wochenendes erhöhte sich damit auf 13 Personen.
Im Unterschied zum Samstag kam es am Sonntag nicht mehr zu weiteren Demonstrationen. Nach Auflösung beider Blockaden an den Durchsuchungszelten blieben die meisten GegendemonstrantInnen noch bis zum Ende der REP-Veranstaltungen während es andere vorzogen, den Staub des Römerbergs von ihren Schuhen zu schütteln.

Eine politische Gesamtbilanz folgt voraussichtlich am Donnerstag.

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4 Gedanken zu “Braunes Wochenende in Frankfurt – zweiter Akt: REPs auf dem Römer

  1. Also am Sonntag hat sich die Polizei ja echt lächerlich gemacht:

    – Zwischen Dom und Schirn wurden an mehreren Stellen von der Polizei „Vorselektionen“(wörtlich) durchgeführt und Menschen mit gewissem Aussehen der Durchgang ohne weitere Begründung verweigert.

    – Von der Alten Nikolaikirche aus wurden die Menschen mit Ferngläsern beobachtet und Kameras gefilmt.
    Und das ist ja wirklich ein guter Aussichtspunkt gewesen, aber trotzdem war scheinbar noch unbedingt ein Überwachungsbus mit 3 Kameras notwendig, der auch noch mit 2 Mikrofonen ausgestattet war.

    Weiß jemand ob das Richtmikrofone sind?
    Weil um sich das Pfeifen der Vögel oder das der Demonstranten anzuhören sind die bestimmt nicht da …

  2. Hallo Fritz,

    selbst mich Richtmikrofonen ist es relativ unmöglich, bei so einem Lärmpegel einzelne Gespräche herauszufiltern. Es sei denn, die Gespräche finden ein gutes Stück außerhalb des Lärmpegels statt…

  3. Die REPs sind übrigens mit mehreren Bussen gekommen. Wobei es sich bei einem, scheinbar um einen Fussballmannschaftsbus handelte. Leider bin ich mir nicht sicher ob ich FFC Frankfurt oder FSV Frankfurt (beides gibt es ja) gelesen habe. Im ersten Fall wäre die Firma die auch den FFC Frankfurt, sowie weitere Fussballvereine fährt Ritas Reisedienst aus Mühlheim am Main -> http://www.ritas-reisedienst.de
    Kann das jemand bestätigen? Eventl. könnte man da dem Busunternehmen mal ein wenig Druck machen, bzw. mal die Vereine anfragen warum sie auf ein Busunternehmen setzen das nebenbei auch noch Rassisten fährt.

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