Ohne Polizeischutz keine Faschistenveranstaltungen – auch in Mainz Kostheim…

Wie aus dem unten folgenden Erlebnisbericht eines Antifaschisten hervorgeht, hat die Polizei auch in Mainz-Kostheim erst die Veranstaltung der NPD am 29.3. ermöglicht. Die Nazis haben inzwischen eine weitere Veranstaltung dort für den 31. Mai angekündigt. In diesem Beitrag wird u.a. auch solidarischer Weise Kritik am „Wiesbadener Bündnis gegen Rechts“ und seiner Vorbereitung geübt. Wieweit diese Kritik berechigt ist, können und wollen wir an dieser Stelle nicht beurteilen. Am Besten für alle AntifaschistInnen im Rhein-Main-Gebiet, wäre es sicher, wenn unterschiedliche Positionen in der Auswertung von Gegenaktionen gegen Naziaufmärsche offen und solidarisch ausgetragen würden…

Hallo,
am Samstag Abend haben bis zu 200 Leute versucht gut 50 Nazis der NPD bei ihrer Saalveranstaltung im Bürgerhaus in MZ-Kostheim zu stören. Das vielsagende Thema der Nazis war: Die Unvereinbarkeit von multikulturellen Zuständen und rechtlicher Ordnung“

Das Wiesbadener Bündnis gegen Rechts hatte zu Protesten aufgefordert mit der der Bitte „alles mitzubringen was Krach macht“. Das Bündnis besteht aus gut zwei Dutzend Parteien und Gruppen aus Wiesbaden.
Treffpunkt war bereits um 17 Uhr – die NPD-Nazis kamen pünktlich 18.30Uhr.
Eingeleitet wurden die Proteste mit Redebeiträgen von verschiedenen Leuten. Die Lautsprecheranlage versagte seinen Dienst und fiel für den Tag aus. VerteterInnen des Bündnisses verkündeten „keinen Fußbreit den Faschisten“ sei „der gemeinsame Nenner aller im Bündnis vertretenen Gruppen“. Dazu hatte man auch im Bürgerhaus denn großen Saal angemietet, während die NPD den kleineren Clubraum nutzte.

Die Ankunft der Nazis entpuppte sich etwas überraschend, da Polizei und AntifaschistInnen „entspannt“ vor dem Bürgerhaus standen und die Einheiten auch nicht den Eindruck machten den Weg frei zu prügeln. Umso entsetzter waren dann die AntifaschistInnen , als gut 50 Nazis von der Polizei direkt in das Bürgerhaus geleitet (beschützt) wurden. Die obligatorischen „Hitlergrüße“ der Nazis wurden, wieder einmal, nicht von der Polizei geahndet.
Danach versuchten die antifaschistischen Kräfte die NPD Veranstaltung zu stören. Es stellen sich allerdings haufenweise Fragen, was in Kostheim von antifaschistischer Seite alles nicht gemacht wurde. So wurde ein ernsthaftes Blockieren der Straßen (eigentlich „Gässchen“) in Kostheim nicht angegangen (die haben da ein Problem aus 2006!).
Der große Saal war zwar angemietet, wurde aber nicht genutzt, abgesehen von einer kurzzeitigen Störaktion gegen die Nazis im Nebensaal. Die Aktionen durften, wie immer von den Antifas ausgeführt werden, während das Bürgertum, eh nur mit zwei Dutzend Leuten anwesend eigentlich keinen Part übernahm!

Weshalb bei so einer Konstellation nicht von vorneherein z.B.. eine Folkloreveranstaltung organisiert wurde, die dann wenigstens die nötige Störkulisse gegen die Naziveranstaltung geliefert hätte, müssen sich die „Wiesbadener“ selbst fragen. So mussten die Antifas wieder einmal das Pfeifen usw. „eben alles selbst machen“. Gewöhnungsbedürftig auch der Versuch, gemeinsam mit der Polizei, die NPD-Veranstaltung abzubrechen, was allerdings auch nicht gelungen ist.
Mit einbrechender Dunkelheit, verzog sich das Geschehen wieder nach draußen, wo sich einzelne Faschos schnell von der immer mehr werdenden Kostheimer Jugend umkreist sahen. Gut, die Nazis hatten wie das immer so ist, gleich mehrere Polizisten im Rücken, deswegen rennen die auch nicht gleich weg. Jedenfalls hatten die Kostheimer Jugendlichen schon ihr Abenteuer und haben gleich mal ihre Freunde herbei telefoniert, die dann die Vorgänge beobachteten.

Schwachpunkte waren wie immer das „Einsickern“ einzelner Nazis bei sich auflösenden Blockaden. Also rennt nicht immer alle weg, wenn an einem anderen Punkt irgendwas „geht“! Nazis stellen sich wirklich auch am Rande hin und warten schon mal bis sich eine Gelegenheit ergibt zu ihren „Kameraden“ zu kommen.

So wie die Nazis gekommen sind, sind sie wohl auch wieder abgezogen: mit Geleitschutz durch die Polizei konnten die NPD-Kader Kostheim ungestraft verlassen.
Der Wiesbadener Beitrag im Kampf gegen Neofaschismus ist allerdings mehr als fragwürdig: Es gab offensichtlich keine regionale Vorbereitungstreffen(die NPD Anmeldung ist vor sechs! Monaten beantragt worden!) 200 Leute für zwei Städte(MZ+WI) mit jeweils mehr als 200.000 EinwohnerInnen ist mehr als dürftig!

Sich derart schlecht unvorbereitet auf Störaktionen am „Rande der NPD-Veranstaltung“ einzulassen, die eigentlich mit „halbherzig“ treffender bezeichnet sind, grenzt schon am Rande des Zumutbaren, wenn man voraussetzt, dass das Ziel die Verhinderung der Naziaktitäten ist und nicht die gerade mal leicht gestörte Veranstaltung. Und der O-Ton aus WI war „den Faschisten keinen Fußbreit“.

Mehr als fraglich ist auch, ob Antifas das Fußvolk für die Bürgerlichen spielen sollen (sprich Rücksicht auf diese nehmen), wenn die Bürgerlichen nahezu null mobilisiert haben. Zum Beispiel wäre bei den Migrantenjugendlichen wesentlich mehr gegangen, hätte man sich um diese bemüht!

Für den 29.03.2008 in MZ-Kostheim bleibt fest zu halten: Nicht gut genug! Mehr als verbesserungswürdig!
Für Kritik, Widerspruch und Anregungen stehe ich zur Verfügung.

Mit antifaschistischen Grüßen
Michael

Die Presseberichterstattung zu Kostheim ist in den Links unten zu lesen.

Und noch eine Richtigstellung:
am 21.01. wurde an dieser Stelle „NPD macht nicht schlapp“ behauptet, in Frankfurt
hätte die Kirche am Römer nicht während der NPD-Kundgebung geläutet.
Das war falsch! AntifaschistInnen, die auf der Mainseite zum Römer blockierten
berichteten glaubhaft davon, das die Kirche mehrfach und laut während der NPD-Kundgebung läutete.
Dies war auf der Seite zum Paulsplatz nicht zu hören, was für die Störkulisse der AntifaschistInnen
dort spricht.

Das Wiesbadner Bündnis gegen Rechts ist unter :http://wiesbaden-gegen-rechts.de/news.php zu erreichen.
http://www.fr-online.de/frankfurt_und_hessen/nachrichten/wiesbaden/?em_cnt=1311351
http://www.wiesbadener-kurier.de/region/objekt.php3?artikel_id=3221400&rub=2
Kommentar: http://www.wiesbadener-tagblatt.de/region/objekt.php3?artikel_id=3220216&rub=1

http://www.jungewelt.de/2008/03-31/046.php

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7 Gedanken zu “Ohne Polizeischutz keine Faschistenveranstaltungen – auch in Mainz Kostheim…

  1. Ich denke, das dass Wiesbadener Bündniss noch anlauf schwierigkeiten hat.
    Es war die erste Demo dieser Art die organiesiert werden musste,
    Ich hoffe auch das nächstes Mal einiges besser läuft.

  2. Ächz die radikale Linke meckert sich wieder zu Tode anstatt mal zur Abwechslung die positiven Aspekte zu erwähnen.

    1. Für „Wiesbadener Verhältnisse“ sind ca. 200 AntifaschistInnen schon recht ordentlich, bei der Demo am Gräselberg vor knapp 1 1/2 Jahren waren es deutlich weniger.
    2. Das die Nazis ihre Veranstaltung doch noch durchführen konnten ist nicht auf das „Versagen“ des Bündnisses oder schlechter Blockade zurückzuführen sondern einzig und allein auf den Willen der Polizei den Faschisten ihre Veranstaltung zu ermöglichen. Die Einsatzleitung muss sich fragen lassen warum sie die Veranstaltung nicht schon auflöste als die Faschisten in ihrem „Clubraum“ ihre eigene Hetze nicht mehr verstanden. Das die Veranstaltung der Nazis nicht zum totalen Desaster wurde ist somit allein das Verschulden der Polizei!
    3. Die Veranstaltung der Nazis hatte dank der Proteste keinerlei Aussenwirkung, die man sicher erreichen wollte. Es konnten nur die üblichen 40-50 Hanseln aus den umliegenden Käffern mobilisiert werden, BürgerInnen für ihre menschnverachtende Politik zu begeistern ist ihnen nicht gelungen. So konnten sie sich nur 3 Std. lang von etwas berieseln lassen was jeder „aufrechte Deutsche“ sicher eh schon längst weiss und durften dann nur noch den Spiessrutenlauf zum Bus machen.
    4. Blockade wird immer gefordert aber Blockade nur um der Blockade willen ist nicht sehr sinnvoll. Mir persönlich ist z.B. absolut nicht aufgegangen warum mensch den wegfahrenden Stadtbus blockieren sollte. Mensch will doch das diese Subjekte verschwinden also warum sie daran hindern? Und mehr war aufgrund der Polizeipräsenz ja eh nicht möglich….

    Mit antifaschistischen Grüßen

  3. Ich war auch etwas enttäuscht von der Aktion.Vielleicht gehöre ich acuh zu denen, die sich nicht wirklich trauen. Ich war ja schon froh, mit der Tröte wenigstens einige Ohren „flach gelegt“ zu haben.
    Bei uns „Älteren“ dauert das wohl ein bischen. Vielleicht sind wir deshalb so gierig daruaf, von Euch zu lernen.

    Mir hat die Wut fast die Kehle zugeschnürt, als ich sah wie die Polizei dieses braune Pack hofierte.

    Aber ich denke doch, der Anfang war ganz gut. Auch Wiesbaden und das Bündnis muss lernen,mit solchen Situationen umzugehen. Und vielleicht müssen wir, eher etwas konservativen, lernen, dass es nicht ohne massive Gewalt möglich ist.

    Wir wollen doch nur sein wie wir sind, und das auch unserem Nachbarn gönnen.

  4. Ja, ich hab mir die Störungen auch gewaltiger vorgetsellt. Ich bin da ganz froh, dass soviele junge Leute dabei waren. Die sind doch noch beherzter als Leute in meinem Alter. Ich denke das ich da noch viel lernen kann.
    Es ist ein Jammer, dass die Braune Seuche, mal wieder, so behütet wurde. Mir hat die Wut beinah den Hals zugeschnürt als die dieses Pack auch noch in den Bus leiteten.
    Die Kostheimer Bürger können ja laufen. Wen wundert es da noch, wenn selbst die etwas konservativeren gewltbereit werden.
    Ich denke aber das es immens wichtig ist, immer und immer wieder zu zeigen, dass kein Rechter sich bewegen kann, ohne einen Linken an seiner Seite zu haben.
    Immer wieder und überall.

  5. Dann gebe ich auch noch einmal meinen Senf dazu. Sicher waren es sehr wenige Teilnehmer. Viele verliesen die Veranstaltung bereits bevor die NPD den Saal verlies. Beim Verlassen des Saales der NPD war die Zahl der Gegendemonstranten bereits enorm geschrumpft.
    Ein großes Problem an der Mo0bilisierung von Teilnehmer ist das es nicht genügend publik gemacht wurde. Ich selber als parteilich organisiert habe es auch erst kurz vorher erfahren. Für jemand der nicht über ein solches Netzwerk verfügt ist es wohl eher unwarscheinlich von einer solchen Aktion etwas mitzubekommen.
    Sicher wäre es sinnvoll gewesen durch einen gemeinsamen Marsch durch Kostheim noch weitere Leute zu mobilisieren. Vor allem Leute zu mobiliesieren die nicht auf Krawall aus sind. Zum Schluß kann ich nur hoffen das die Veranstaltung am 31. Mai erfolgreicher verläuft.

    Bis dann bye

  6. Es ist sicher noch nicht alles rund gelaufen, seid versichert: damit haben wir uns im Bündnis auch selbstkritisch auseinandergesetzt. Am 31.05. in Kastel können wir es ja noch besser machen ;)

    Zu dem Argument, die Veranstaltung sei ja schon ein halbes Jahr vorher angemeldet gewesen: Die sog „Wiesbadener Linie“ des Totschweigens hat dafür gesorgt, dass wir es so früh noch nicht wussten.

    Wir können anmelden, Flugblätter drucken, durch Presse mobilisieren etc. Aber das alleine reicht nicht. Wir haben schon Ideen wie wir fürs nächste Mal mehr Leute zusammenbekommen, aber jeder ist gefragt mitzuhelfen (Flyer weiterverbreiten (wer z.B. im Staddteil verteilen will ist herzlich willkommen), Massenmails schicken etc.)

    Wer in den Mobilisierungverteiler aufgenommen werden möchte schickt bitte eine Mail an kontakt@wiesbaden-gegen-rechts.de

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