»1968, Frankfurt/M. und die Welt« Vierteilige Filmreihe gegen den 68er-Geschichtsrevisionismus

Ankündigung einer Filmreihe, die vor allem Jutta Ditfurth und Manfred Zieran organisiert haben:
„1967/68 war die Zeit der Revolte von StudentInnen, Lehrlingen, SchülerInnen,
JungarbeiterInnen und Underdogs. Heute, 40 Jahre danach, wird versucht, den Charakter der APO (außerparlamentarische Opposition) umzudeuten. Das offizielle schwarz-grüne Frankfurt am Main versteht sich sogar als bundesweite Zentrale dieses »neuen Historikerstreits«. Wir wollen zeigen, was die APO wirklich war.
Von Beginn an war die Rebellion mit Befreiungsbewegungen in aller Welt verbunden. Deshalb heißt unsere Filmreihe »1968, Frankfurt/M. und die Welt«. An vier Abenden zeigen
wir, was die APO ausmachte, z.B. Menschen wie Rudi Dutschke, dessen Leben unser Film am 6. Mai beschreibt. Die Linke sah sich gleich von mehrerem westeuropäischen Diktaturen bedroht: von Francos Spanien, Salazars Portugal und den griechischen Putschisten. Wir zeigen den besten Film über die griechische Militärdiktatur, »Z« (Konstantin Costa-Gavras), unseren einzigen Spielfilm.
Wir sehr die APO von Ereignissen in den USA beeinflusst wurde zeigt – neben dem Vietnamkrieg – auch unser Filom über die vier Toten von Ohio. Die Achtundsechziger waren z.B. solidarisch mit den antikolonialen Befreiungsbewegungen in Afrika, ein Abend ist deshalb Patrice Lumumba gewidmet. Als Referenten haben wir ganz besondere ZeitzeugInnen und FilmemacherInn eingeladen.
Die Reihe Filmgespräche »1968, Frankfurt/M. und die Welt« wurde massgeblich von Jutta Ditfurth und Manfred Zieran konzipiert. Beide werden an den Filmabenden teilnehmen.“

Hinweis: 3 Veranstaltungen (6.5., 20.5. und 27.5.) finden im Theater Willy Praml / Naxos-
Halle statt, eine im Frankfurter Filmmuseum (13.5.). Ortsangaben am Ende.

6. Mai 2008
1968: Frankfurt und die Welt (1) in der Naxos-Halle
»Aufrecht gehen – Rudi Dutschke«
Ein Film von Helga Reidemeister (92 Min., 1988 )

13. Mai 2008
1968: Frankfurt und die Welt (2) im Filmmuseum
»4 Tote in Ohio – ein amerikanisches Trauma«
Ein Film von von Claus Bredenbrock und Pagonis Pagonakis (60 Min., 2007)
In Gegenwart der amerikanischen Fernsehsender CBS, NBC und ABC werden am 4. Mai 1970 an der Universität von Kent im US-Bundesstaat Ohio vier Studentinnen und Studenten erschossen und neun weitere zum Teil schwer verletzt. Von Soldaten der Nationalgarde. Am Vormittag dieses 4. Mai haben sich Studenten der Universität friedlich auf dem Campus versammelt, um gegen die Ausweitung des Vietnam-Krieges nach Kambodscha zu demonstrieren. Bewaffnete Nationalgarde marschiert auf und eröffnet das Feuer, »ohne bedroht oder in Gefahr zu sein«, wie später das FBI feststellt. Innerhalb von nur 13 Sekunden werden mindestens 67 Schüsse abgefeuert. Die Studenten Allison Krause, Bill Schroeder, Sandy Scheuer und Jeff Miller sind auf der Stelle tot. Dass sie mehrheitlich deutsche Namen tragen, ist kein Zufall; ihre Vorfahren waren aus Deutschland in die USA emigriert. Sandy Scheuers Vater Martin Scheuer war in den dreißiger Jahren aus Nazi-Deutschland geflohen, weil er wollte, so hatte er einmal gesagt, »dass seine Kinder in einem freien Land aufwachsen.«
Trotz einiger hundert Augenzeugen wird kein Soldat der Nationalgarde für die Schüsse auf unbewaffnete Studenten zur Verantwortung gezogen. Jimi Hendrix kommentiert das Massaker in Berkeley mit seinem Stück »Machine Gun«. Auch in der Bundesrepublik kommt es zu Solidaritäts- und Protestaktionen für die Toten der Kent State University.
Teilnehmer am Filmgespräch:
die Regisseure Claus Bredenbrock und Pagonis Pagonakis
Wilhelm Mausbach, Universität Heidelberg
Moderation: Jutta Ditfurth
Einlass + Eintritt:
Sowohl für die Naxos-Halle als auch für das Filmmuseum gilt:
Einlass (zum Ankommen und für Getränkekauf): 19.30 Uhr
Filmbeginn: 20.00 Uhr; Filmgespräch: ca. 21.30 Uhr
Eintritt: 6 Euro (ermäßigt 4 Euro) (Für Schulklassen besondere Ermäßigungen)
Kartenbestellungen: Tel. (069) 43054734, http://www.bbfilm.net/dokukino
Ortsangaben:
• Theater Willy Praml / Naxos-Halle, Wittelsbacher Allee 29, Frankfurt/Main

4
20. Mai 2008
1968: Frankfurt und die Welt (3) in der Naxos-Halle
»Z«
Spielfilm von Konstantin Costa-Gavras (127 Minuten, 1969)
Die nationale Friedensbewegung eines ungenannten mediterranen Landes hat bei der Durchführung einer pazifistischen Konferenz erhebliche Schwierigkeiten: Zuerst wird den Teilnehmern der Zutritt zu einem gemieteten Saal verweigert. Dann kündigt ein anonymer Anrufer ein geplantes Attentat auf den Parteipräsidenten der Pazifisten an – eine Information, deren Echtheit der in Kenntnis gesetzte Generalstaatsanwalt anzweifelt. Schließlich wird den Konferenzteilnehmern von der Polizei ein viel zu kleiner Saal zugestanden. Vor dessen Türen versammeln sich nicht nur Hunderte von Anhängern der Friedensbewegung, sondern auch gewaltbereite Mitglieder der konservativen rechtsgerichteten Partei, um – ungehindert von einem abwartenden Polizeiaufgebot – die Zusammenkunft zu stören.
Bereits beim Betreten des Saales handelt sich der Präsident der pazifistischen Partei Schläge ein. Nach seiner Rede wird er von einem vorbeifahrenden Wagen aus niedergeschlagen. Kurz darauf stirbt er an den Folgen seiner Kopfverletzung. Von offizieller Seite wird der Tod des Parteipräsidenten als Unfall dargestellt. Während Zeugen und Beteiligte bestochen und beeinflusst werden, gelingt es nur einem findigen Journalisten und dem ermittelnden Untersuchungsrichter, ihre Neutralität zu wahren. Bei ihrer Suche nach den wahren Todesursachen geraten sie in ein gefährliches Netz aus Verstrickungen und Lügen, in dem Polizei und oberste Führungskräfte des Militärs die Fäden ziehen.
Unterstützung für die Produktion dieses Spielfilms fand Costa-Gavras bei Yves Montand, Jean-Louis Trintignant, Irene Papas und anderen hochkarätigen Schauspielern, die für die Umsetzung des wichtigen Filmstoffs auf den Großteil ihrer Gage verzichteten. So zählt »Z« nicht nur aufgrund seiner inhaltlichen Brisanz, sondern auch aufgrund des schauspielerischen Staraufgebots zu den bemerkenswertesten Klassikern seines Genres. Darüber hinaus gelingt es dem Film durch eine virtuose Kameraführung und Montagetechnik, die dramatische innere Verfassung der Protagonisten visuell erfahrbar zu machen.
Teilnehmer Filmgespräch:
Kosta Markou (Athen)
Jutta Ditfurth
Moderation: Florian Schwinn (angefragt)
Einlass + Eintritt:
Sowohl für die Naxos-Halle als auch für das Filmmuseum gilt:
Einlass (zum Ankommen und für Getränkekauf): 19.30 Uhr
Filmbeginn: 20.00 Uhr; Filmgespräch: ca. 21.30 Uhr
Eintritt: 6 Euro (ermäßigt 4 Euro) (Für Schulklassen besondere Ermäßigungen)
Kartenbestellungen: Tel. (069) 43054734, http://www.bbfilm.net/dokukino
Ortsangaben:
• Theater Willy Praml / Naxos-Halle, Wittelsbacher Allee 29, Frankfurt/Main

5
27. Mai 2008
1968: Frankfurt und die Welt (4) in der Naxos-Halle
»Patrice Lumumba – eine afrikanische Tragödie«
Ein Film von Thomas Giefer (90 Min., 2000)
»Nachdem er tot ist, hört Lumumba auf, eine Person zu sein. Er wird zu ganz Afrika«. (Jean Paul Sartre)
Eine der ersten Aktionen der APO in West-Berlin war die verbotene Demonstration gegen den Besuch des kongolesischen Ministerpräsidenten Moise Tschombe 1964. Er galt als Mörder des gewählten Patrice Lumumba, 1960 der erste Ministerpräsident des formal unabhängigen rohstoffreichen Kongo. Lumumba hatte Belgien kritisiert, die frühere Kolonialmacht und meinte die Unabhängigkeit des Kongo ernst. Damit kam er als »kommunistisches Sicherheitsrisiko« auf die Liquidierungslisten von CIA und belgischem Geheimdienst«.
John Foster Dulles, CIA-Direktor, sagte: »Im Interesse der freien Welt haben wir beschlossen, dass die Beseitigung Lumumbas das vorrangige Ziel unserer verdeckten Aktion ist«. Patrice Lumumba wurde 1961 auf einer Waldlichtung erschossen. »Wir haben die Körper in Stücke geschnitten. Der größte Teil wurde in Salzsäure aufgelöst, den Rest haben wir verbrannt«, sagte 40 Jahre später einer der Mörder, ein belgischer Geheimdienstoffizier, der im Auftrag auch des belgischen Königshauses gehandelt hatte.
Teilnehmer Filmgespräch:
Regisseur Thomas Giefer
Fausto Giudice (Carcassonne)
Klaus Meschkat
Moderation: Manfred Zieran
Einlass + Eintritt:
Einlass (zum Ankommen und für Getränkekauf): 19.30 Uhr
Filmbeginn: 20.00 Uhr; Filmgespräch: ca. 21.30 Uhr
Eintritt: 6 Euro (ermäßigt 4 Euro) (Für Schulklassen besondere Ermäßigungen)
Kartenbestellungen: Tel. (069) 43054734, http://www.bbfilm.net/dokukino
Ortsangaben:
• Theater Willy Praml / Naxos-Halle, Wittelsbacher Allee 29, Frankfurt/Main

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