NPD-Wiesbaden: Demo auf der Verkehrsinsel

Nachdem bereits der lange für den 31. Mai angekündigte Vortrag des Geschichtsrevisionisten Olaf Rose in Mainz-Kastel erfolgreich verboten worden war und dieses Verbot auch vor dem Verwaltungsgerichtshof in Kassel Bestand hatte, wurde nun die Ersatzveranstaltung der NPD Main-Taunus, eine Demonstration im Stadtteil, eine schwere Blamage. Ganze 26 Nazi-Figuren, etliche davon aus der Wetterau herangekarrt, drängten sich auf einer Verkehrsinsel (Satellitenbild von der Größe des Tatorts) zusammen, beschützt von der Polizei vor etwa 300 AntifaschistInnen. Mario Matthes, Hoffnungsträger der gebeutelten Hessen-NPD, wird lernen müssen, daß seine Bäume nicht in den Himmel wachsen. Pressemitteilung des Wiesbadener Bündnis gegen Rechts (Stellungnahme und Bericht der Antifa Wiesbaden hier):

Neonazis müssen sich mit Verkehrsinsel statt Bürgerhaus begnügen
Pressemitteilung, vom 31.05.2008

Das Wiesbadener Bündnis gegen Rechts wertet die Gegenkundgebung am heutigen Samstag, 31.05.08, als Erfolg. Ein erbärmliches Häuflein von 26 jungen Neonazis, teilweise extra aus der Wetterau angekarrt, konnte nur unter Polizeischutz für eineinhalb Stunden mit einer ihnen zugewiesenen Verkehrsinsel am Kasteler Paulusplatz Vorlieb nehmen. Das Wiesbadener Bündnis gegen Rechts hatte es trotz lange unklarer und ständig wechselnder Terminierung geschafft, mit annähernd zehn mal so vielen Personen – mit Lautsprecherwagen, Live-Musik und Sprechchören – zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, so dass die dumpfen Parolen der Neonazis mühelos übertönt werden konnten. Leider sind wieder einmal einzelne Polizeibeamte ohne Not unverhältnismäßig gegen Gegendemonstranten vorgegangen. Dabei wurde ein unbeteiligter Anwohner von einem Polizeihund gebissen und musste medizinisch behandelt werden. Die Einschätzung des Wiesbadener Bündnis gegen Rechts, dass die Neonazis sich ihren öffentlichen Auftritt nicht komplett durch ein Verbot nehmen lassen, hat sich wieder einmal bestätigt. Das Wiesbadener Bündnis gegen Rechts bedankt sich bei allen, die sich dem Protest angeschlossen haben.

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7 Gedanken zu “NPD-Wiesbaden: Demo auf der Verkehrsinsel

  1. In den Abendstunden des Samstags veröffentlichte die NPD-Wiesbaden auf ihrer Internetseite:
    „Da die Zeit nicht mehr ausreichte um in die dritte gerichtliche Instanz zu gehen, sagte die NPD Wiesbaden/ RGT allen Gästen von außerhalb ab, veranstaltete mit den regionalen Kräften eine Kundgebung in Kastel und einen anschließenden Grill- und Liederabend der zu dieser Stunde noch anhält.“
    und:
    „Aber auch so war die gesamte Aktion für die NPD Wiesbaden/ RGT mehr als erfolgreich, da durch die Verteilung tausender Flugblätter und das verhängen zahlreicher Informationsplakate ein ungemeiner Werbeeffekt erzielt werden konnte.“

    Da stellt sich mir die Frage, ob sich die doch so zahlreich interessierten Menschen vor der Öffentlichkeit scheuen, oder ob man sie gar „Schön-Wetter-Nazis“ nennen kann ?!?!

  2. Die Gerichtsentscheidung sollte meiner Meinung nach kritisiert werden. Hätte keine Firmung stattgefunden (vorher war wohl zusätzlich noch eine Hochzeit), hätte es höchstwahrscheinlich auch kein Verbot gegeben – damit trifft die Entscheidung in keinster Weise den Kern der Sache. Wenn man sich erst solche Begründungen suchen muss, kann man das Verbot auch gleich sein lassen.

    Sonst war der Tag ja ganz in Ordnung, bis auf den gebissenen Anwohner..

  3. Verbieten? Dann zersplittern die sich doch nur in einzelne Gruppen. So sind sie doch leichter zu beobachten. Und ausserdem halte ich die Nazis, mit Regierungsbeteiligung, für noch gefährlicher.

  4. Hallo Betriebgruppe,
    mit diesem Argument magst Du vielleicht aus der Perspektive von Staatsschützern Recht haben. Aber erstens sitzen die selber zuhauf in den Führungsetagen der NPD (abgsehen davon, daß zwischen 50 und 60% des NPD-Eats aus öffentlichen Mittlen stammt), und zweitens fände ich es besser, zur NPD eine politische Haltung einzunehmen. Und da halte ich die Forderung nach einem Verbot der NPD und aller faschistischen Organisationen für richtig, auch wenn ich weiß, das damit noch kein Fünkchen faschistischen, antisemtischen Denkens aus dieser Gesellschaft verschwindet. Art. 139 GG fordert die Einhaltung der von den Alliierten nach 1945 erlassenen Befreiungsgesetzte gegen die NSDAP und alle ihre Nachfolgeorganisationen. Es ist besonderes und übles Kapitel, wie die Herrschenden hierzulande damit umgegangen sind und es noch immer tun. Lies dazu bitte mal nach, wenn Du willst: http://www.box.net/shared/eqz98z9yp6, S. 3f.

  5. Hallo. da hast Du natürlich absolut recht. Denke bitte nicht, dass ich das Treiben der NPD gut finde. Ganz und gar nicht. Ich bin aber tatsächlich der Meinung, dass das nicht das Wichtigste und Vorrangige sein sollte. Vielmehr muß, meiner Meinung nach, eine Struktur geschaffen werden, die der NPD und allen anderen Faschisten, den Boden entzieht.
    Wenn hier in Hessen ein „Kopftuchverbot“ so einfach verabschiedet wird, finde ich das viel gefährlicher, als ein paar NPD’ler auf einer Verkehrsinsel. Leute die weggucken, die finde ich gefährlich, weil sie den Boden bilden.Den Etat, den Du bereits erwähnst, der gehört entzogen. Roland Kochs Wahlkampf, davor hab ich Angst. Wenn wir das alles beseitigen könnten, dann fände ich es gut.
    Eine politische Haltung zur NPD habe ich durchaus.
    Der letzte Satz von Deinem Post…..der spricht mir voll aus der Seele.

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