Psychologische Ausweitung der Kampfzone: Mit dem Zweiten schießt man besser…

Ein „Truppenbesuch“ des deutschen Schauspielers Ralf Möller an der Verteidigungslinie der westlichen Werte gegen die Barbaren auf dem Hindukusch und seine mediale Aufbereitung im ZDF dient der Erhöhung der psychologischen Kriegsakzeptanz an der Heimatfront. Otto Köhler (ND) zu einem denkwürdigen TV-Ereignis, an dem sich die Bundeswehr, der Arbeitgeberverband „Gesamtmetall“ und das Bundesfamilienministerium beteiligen, einem TV-Moderator in den Kampfanzug geholfen wird – und das alles natürlich mit nur einem einzigen Ziel: arbeitslosen Jugendlichen „die Perspektivlosigkeit zu nehmen„. Mit „Imperialismus“ hat so etwas selbstverständlich rein überhaupt gar nix zu tun. Na dann ab an die Front, die Zivilisation gegen die islamistische Barbarei verteidigen:

»Wenn man sich ganz schnell Johannes B. Kerner zurückwünscht, dann muss schon etwas sehr, sehr Schlimmes passiert sein«, schrieb die Kritikerin des »Tagesspiegel« am Donnerstag über das, was ihr am Dienstagabend widerfahren war. Doch das Schlimmste kam erst am Donnerstagabend. Das ZDF kehrte mit dem aus dem Kommerzfernsehen importierten Kerner-Nachfolger Markus Lanz beflissen zu den Anfängen seines Gründungsintendanten Karl Holzamer zurück. Der hatte als Oberleutnant der Propagandakompanie begeistert die deutschen Bomben auf Belgrad – die alten von 1941 – begleitet. Jetzt sitzt bei Lanz ein nach Hollywood ausgewanderter Schauspieler Ralf Möller im Studio. Frisch vom Truppenbesuch in Afghanistan – der erste deutsche Schauspieler, der so etwas macht.

Er machte es in Uniform. Die Maschine mit Möller an Bord wurde, informiert das ZDF, »im Anflug beschossen.« Der Held überlebt und verliert die gute Laune nicht. Das ZDF: »Obwohl der Ernst der Lage allgegenwärtig ist, bleibt Möller letztendlich das, was er ist: ein Actionstar und der ballert nun mal gerne in die Gegend.« Hier im Bild nur – Beifall im Studio – getroffene Schießscheiben, die aussehen wie Afghanen. Möller: »Ich wollte die Jungs motivieren, die Frauen, die Soldatinnen und Soldaten für ihren Einsatz.« Verteidigungsminister Jung habe das »mit Freuden aufgenommen«. Und die Generäle in Afghanistan auch. Kurz: »Ich kam super an.«

Richtig, der eingespielte Film zeigt Möller in Uniform auf einem Panzer, in Siegerpose erweist er den militärischen Gruß. Der Moderator fragt nach dem »Image der Deutschen«. »Bei der Bevölkerung sind sie nach wie vor sehr gut gelitten, die Soldaten.« Da kommt er endlich vor dem Millionenpublikum des ZDF auf den Kampfauftrag zu sprechen, den ihm Jung und seine Generäle mitgegeben haben: »Natürlich wissen wir, und das war immer in der Diskussion auch politisch, dass im Süden oder Osten Amerikaner, Engländer und Kanadier direkt im Kampf sind an der Front. Wir dürfen das nicht, das ist vom Bundestag aus noch nicht bestimmt.« Dann ganz deutlich und sehr ernst: »Man muss immer wieder sagen: Wenn man da Stimmen hört besonders von der LINKEN, dass wir uns da herauserklären. Das geht ja gar nicht. Wir gehören der NATO an. Und wir kommen da halt nicht raus.« So eingeleitet, bricht der entscheidende Satz – Jungs Kampfauftrag gegen das Parlament – aus ihm heraus: »Und die Soldaten würden gern mehr machen, als sie im Moment dürfen.«

»Das heißt auch möglicherweise, dann…« diese Deutlichkeit verschlägt dem Moderator die Sprache, sein Satz verliert sich in unverständlichem Gemurmel und hilflosen Handbewegungen. Doch der Jung-Held versteht: »Richtig.« Abgestempelt habe man ihn, »weil ich selbst eine Waffe in der Hand hatte«. Doch die »Jungs und Mädels« der deutschen Besatzungstruppe in Afghanistan wollten einem doch nur »was zeigen«.

Was und wie tödlich, sagt er nicht, es ist nur das Stichwort für den Moderator. Er will auch etwas zeigen und zieht unter dem Tisch eine schwere Kampfuniform der Bundeswehr hervor. Der Schauspieler steht auf, zieht seine Jacke aus, doch der Moderator gebietet Halt: »Darf ich mal selbst probieren?« Und lässt sich unter dem Beifall des Publikums in den Kampfanzug und unter den Helm helfen.

Gesponsert wird der Held nicht nur vom Verteidigungsministerium, sondern auch von der Rüstungsindustrie mit der Kampagne »Starke Typen«. Zusammen mit dem Arbeitgeberverband »Gesamtmetall« tritt Möller – wie seine »offizielle Website« verrät – vor »sozial benachteiligten Schülern« auf, um ihnen die »Perspektivlosigkeit« zu nehmen. Das steht unter der »Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen«, die sich auch bereitwillig mit dem Bundeswehrwerber ablichten lässt. Die wenigstens könnte sich schämen.

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