Interesse am Hakenkreuz: in Frankfurt will am 28. Juni das „Institut für Staatspolitik“ im Intercity-Hotel, Poststraße 8 (Hauptbahnhof) tagen

goetz-kubitschek-Karlheinz-Weissmann Am Samstag, 28. Juni, 10 Uhr wird in Frankfurt am Main ein „Kolleg“ des neu-rechten „Instituts für Staatspolitik“ im Intercity-Hotel, Poststraße 8, Nähe Hauptbahnhof, stattfinden. Die Anti-Nazi-Koordination wird das Hotel auffordern, seine Zustimmung zu dieser Veranstaltung zurückzuziehen. Sollte dem nicht entsprochen werden, werden wir unseren Protest gegen eine derartige Veranstaltung vor Ort deutlich machen. [update hier]

Denn abgesehen von der Notwendigkeit, solchen Veranstaltungen überall und immer entgegenzutreten, findet sie in einem lokalen Kontext statt, der bemerkenswert ist:
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) hat nicht nur einen seriösen Ruf, sondern auch einen Redakteur für Fragen der Geisteswissenschaften, Lorenz Jäger, mit einem nur auf den ersten Blick etwas bizarren Hobby. Er interessiert sich für die Geschichte des Hakenkreuzes.
Dieses Interesse verbindet ihn mit Karlheinz Weißmann, im Zivilberuf evangelischer Religionslehrer am renommierten Gymnasium Corvinianum in Northeim bei Göttingen und keineswegs von Berufsverbot bedroht, sondern vielmehr Verfasser einer ganzen Anzahl von historisch-politischen Untersuchungen (u.a. „Die Zeichen des Reiches“ [1989], „Der Nationale Sozialismus“ [1998; lobende Rezension der FAZ hier], „Alles was recht(s) ist: Ideen, Köpfe und Perspektiven der politischen Rechten“ [2000; zwei bezeichnende LeserInnen-Rezensionen hier]. Auch er interessiert sich, wie Vordenker Lorenz Jäger vom Frontblatt des Neoliberalismus, sehr für die Geschichtes des Hakenkreuzes. Beide, Jäger und Weißmann, kennen und schätzen einander. So sehr, daß sie ganz erstaunt waren, als sie im Herbst 2006 feststellten, der jeweils andere habe ja ein ganz ähnliches Buch geschrieben wie man selber! Was lag da näher, als die beiden Bücher öffentlich und wechselseitig zu präsentieren. Zeit und Ort des Geschehens: 7. Oktober 2006, Frankfurt, Intercity-Hotel, Poststraße 8 (Nordseite Hauptbahnhof). In einem Bericht des „Instituts für Staatspolitik“ darüber heißt es:

Hakenkreuz
geschrieben am Freitag 29 September 2006

Manchmal gibt es Zufälle, die – hätte man sie erfunden – unglaubhaft wirken würden.
Zufällig haben Karlheinz Weißmann und Lorenz Jäger (FAZ) über Jahre am selben, exotischen Thema gearbeitet und trotz einiger Gespräche und Begegnungen nichts vom Werk des anderen mitbekommen. Erst vor sechs Wochen stellten der Karolinger Verlag und mein Verlag (Edition Antaios) fest, daß wir zur Buchmesse in Frankfurt Bücher mit denselben Haupttiteln vorstellen würden:
Karlheinz Weißmann: Das Hakenkreuz. Symbol eines Jahrhunderts. Edition Antaios 2006
Lorenz Jäger: Das Hakenkeuz. Zeichen im Weltbürgerkrieg. Eine Kulturgeschichte. Karolinger Verlag 2006
Wir haben den Autoren die Satzbögen des jeweils anderen Buchs zur Lektüre überreicht und eine gemeinsame Präsentation organisiert. Sie findet am 7. Oktober von 10.00 bis 12.00 Uhr im Intercity-Hotel, Poststraße 8, gegenüber der Nordseite des Hauptbahnhofs Frankfurt statt. Weißmann stellt Jägers, Jäger stellt Weißmanns Buch vor. Wer teilnehmen möchte: Der Eintritt ist frei, und die Hakenkreuz-Bücher sind nicht die einzigen Neuerscheinungen, die präsentiert werden.

Schauen wir nur ein wenig tiefer, so stellen wir fest: das „Institut für Staatspolitik“, laut Weißmann das „Reemtsma-Institut von Rechts“, auf dessen Blog Götz Kubitschek den voranstehenden Bericht verfasst hat, ist eine „Denkfabrik der neuen Rechten“ mit an der „Konservativen Revolution“ orientierten antidemokratischen Ausrichtung. Es gilt als Nachfolgeorganisation des „Criticón“ und als enger Bündnispartner der nach Rechtsaußen weit offenen „Jungen Freiheit„. Der Karolinger Verlag zu Wien veröffentlicht, worauf schon 2003 in einer Anfrage mehrerer Abgeordneter im Österreichischen Parlaments hingewiesen wurde, nicht nur Bücher von FAZ-Journalisten, sondern auch „Werke von Menschen, die sich selbst als Faschisten bezeichnen“, nämlich Armin Mohler, den Weißmann in hohem Maße bewunderte, aber vor allem auch die historischen Vorläufer von Radikalkonservatismus und Faschismus, die in einer eigenen Reihe unter dem völlig zutreffenden Titel „Bibliothek der Reaction“ veröffentlicht werden.
Nachdem damit in knappen Strichen der ideologische Dunstkreis von gegen die französische Revolution und ihre Werte gerichteten Reaktionären bis hin zu offenen Faschisten und dem Interesse am Hakenkreuz benannt wurde, der Persönlichkeiten wie Kubitschek, Weißmann (IfS), Mohler und Jäger (FAZ) im groß- und bildungsbürgerlichen Milieu brüderlich vereint, kann nun ermessen werden, wer da am 28. Juni in Frankfurt über das Thema „Widerstand“ ein „Kolleg“ abhalten möchte, das folgendermaßen beworben wird:

Kolleg-Reihe „Widerstand. Lage – Ziel – Tat“
Das IfS veranstaltet seine erste Kolleg-Reihe zum Thema „Widerstand“ in

– Frankfurt (Samstag, 28. Juni)
– Berlin (Samstag, 12. Juli)
– München (Samstag, 4. Oktober)
– Düsseldorf (Sonntag, 5. Oktober)

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 10 Uhr und enden um 15 Uhr. Es referieren:
Frank Lisson: Lage – Zur Legitimität des Widerstands
Karlheinz Weißmann: Ziel – Unsere Politik
Götz Kubitschek: Tat – Konservative Aktion
In Berlin referiert zusätzlich Alain de Benoist über sein neues Buch „Identität“ und in Frankfurt, München und Düsseldorf Felix Menzel über den Aufbau einer rechten Ikonographie.

Hintergrund der Veranstaltungsreihe ist offenbar die Aktion „ungebeten„, in deren an Methoden einer verballhornten Spaßguerilla orientierte Jungreaktionäre und -faschisten ganz im Stil der „Nationalen Wortergreifungsstratege“ der NPD (O-Ton dort: „NPD – Teil der europäischen Neuen Rechten“) sich – eben „ungebeten“ – auf Veranstaltungen linker Organisationen Zutritt verschaffen und dort zu stören versuchen, in der Regel aber alsbald hinausgeworfen werden. Diese eher harmlosen Aktionen werden in typischen Manier der konservativen bis faschistischen Täter-Opfer-Verkehrung narzistisch und anmaßend als „Widerstand“ stilisiert.
Es kann aber durchaus vorkommen, daß die Ungebetenen ihrerseits ungebeten Besuch erhalten.

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