Wöll heute erneut vor Gericht: Revisionsverfahren wegen Leugnung des Holocaust

Marcel Wöll, von Mai 2006 bis April 2008 Landesvorsitzender der NPD Hessen, steht heute in Gießen vor Gericht. Im Rahmen einer Berufungsverhandlung geht es dabei um seine Leugnung des Holocaust vor dem Kreistag der Wetterau. Nach einem erstinstanzlichen Urteil hätte Wöll, vom Friedberger Richter nach mehreren vorangegangenen Bewährungsstrafen im August 2007 als „bewährungsresistent“ eingestuft, für vier Monate ohne Bewährung hinter Gitter gemußt. Hiergegen legte er Berufung ein – ebenso wie die Staatsanwaltschaft, die ein höheres Strafmaß forderte. Wöll hat noch ein weiteres Verfahren wegen Nötigung offen und sieht inzwischen einem dritten wegen schwerer Körperverletzung entgegen. Sein langähriger Rechtsbeistand Dirk Waldschmidt, längere Zeit Stellvertretender NPD-Landesvorsitzender, steht im Zusammenhang mit diesem dritten Verfahren ebenfalls demnächst vor Gericht. Die NPD – wahrlich eine Partei von Recht und Ordnung!

Zum Hintergrund der Messerstecherei im August 2006, wegen der Wöll sich demnächst gerichtlich verantworten muß (schwere Körperverletzung ) hat Andrea Röpke (apabiz e.V.) dargelegt, daß es sich dabei um eine Auseinandersetzung zwischen der NPD bzw., der Gruppe „MSC 28“ – einer Nazi-Kameradschaft aus dem Raum Taunus/Limburg, aus der Wöll ursprünglich selber stammt – und einer neuen Generation von Aktivisten des rassistischen Nazi-Netzwerks „Blood & Honour“ handelt – einer Auseinandersetzung, bei der es sich selbst nach Aussagen von hessischen Nazis weniger um ideologische oder politische Konflikte, sondern um finanzielle Streitigkeiten und mafiotische Schutzgelderpressung handelt:

Zunächst die Äußerung eines Nazi auf „Altermedia“:

Die Gruppe die das Grillfest angriff waren sogenannte Blood+Honour Mitglieder die versuchten in der “Szene” Revierkämpfe und Schutzgelderpressungen auszutragen. Die Gruppe aus Limburg trug den Namen MSC 28 (Motor Sport Club 28 ) die 28 (steht für B+H ) war den Blood+Honours ein Dorn im Auge aus diesem Grund überfielen sie das Grillfest vom MSC mit Waffengewalt (Schlagringe und Totschläger waren im Einsatz) während dem Handgemenge wurde der Rädelsführer der B+H Bande,ein 120 kg schwerer Profiboxer mit einer Stichwaffe verletzt. Die Verletzung spürte er erst 30 min später und tat sie als Kratzer ab lies sie nicht ärztlich versorgen. Ca 1,5 Jahre später erstattete er Anzeige gegen Mark Niedzwetzki der wegen Mordversuchs in U-Haft kam. Der wiederum beschuldigte Wöll. Der Haufen sogenannter B+H Mitglieder (B+H war seit 2000 rechtskräftig verboten) fiel in der später durch weitere Straftaten auf wie zum Beispiel durch einen Raubüberfall auf das Konzert der Kameradschaft Nibelungensturm auf.

zum Hintergrund dessen Andrea Röpke

Razzien gegen Strukturen der „Blood&Honour“-Bewegung. Innerhalb dieser hat sich offenbar Konkurrenz entwickelt.

Die bayerischen Behörden waren zehn Minuten schneller mit ihrer Pressemitteilung als ihre baden-württembergischen Amtskollegen. Am 7. März um Punkt acht Uhr verbreitete das Landeskriminalamt in München die Nachricht von den bundesweiten Razzien gegen die „verbotene Blood&Honour – Bewegung“, die seit sechs Uhr am Morgen angelaufen war. Die Initiative jedoch, so betont der Pressesprecher des Landeskriminalamtes in Stuttgart, sei von Baden-Württemberg ausgegangen. Federführend bei der Aktion gegen die Fortführung verbotener Neonazi-Strukturen sei dabei die Staatsanwaltschaft Karlsruhe.

Offiziell wurden nur wenige Details der Aktion bekannt, so seien 119 Wohnungen von rund 80 Tatverdächtigen in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Sachsen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen durchsucht worden. Ausschlaggebenden Ursprung gaben B&H-Konzerte zwischen Karlsruhe und dem Rhein-Neckar-Raum, insgesamt gehe es um die Organisation von Musikstrukturen. Amtshilfeersuchen wurden an die Kollegen in Ludwigshafen und München gestellt. Obwohl auch weitere Bundesländer, wie Niedersachsen, im Vorfeld informiert wurden, gab es dort nur Vorermittlungen gegen zwei Verdächtige, zu Hausdurchsuchungen kam es nicht. „Wir haben auch hier Erkenntnisse weitergegeben“, so Pressesprecher Haug aus Stuttgart. Immerhin gelten ehemalige Hamburger und Tostedter „Blood&Honour“-Aktivisten zur Zeit wieder als sehr aktiv, ihnen werden Rechtsrock-Konzerte in Tespe und Dibbersen zugeschrieben. Auf die Frage, warum die norddeutschen Behörden nicht mitzogen, antwortet Haug ausweichend: „Wir fahren hier einen eisenharten Kurs gegen diese Neonazi-Strukturen“.

Unter den durchsuchten 37 Tatverdächtigen in Bayern befand sich auch der NPD-Bundestagskandidat Norman Bordin aus München, bei ihm wurde allerdings nur ein Handy beschlagnahmt. In Nürnberg trafen die Beamten nur zwei von drei Verdächtigen an, fanden in der Wohnung eines 32-jährigen Mannes aber eine funktionsfähige Handgranate. In Unterfranken hatte ein 26-Jähriger eine Pistole des Kalibers 7,65 mm in seiner Wohnung.

Im Visier der sächsischen Fahnder standen vor allem Chemnitzer und Bautzener Neonazi-Strukturen. Nach inoffiziellen Behördenangaben ist Martin Scholz aus Bautzen festgenommen worden, „Spiegel TV“ hatte ihn in Zusammenhang mit einem „Division 28“-Konzert bereits 2004 enttarnt. In Thüringen stand unter anderem Patrick Wiedorn aus Arnstadt auf der Liste, er gilt als führender Aktivist lokaler Kameradschaftsstrukturen und organisiert in letzter Zeit zunehmend Rechtsrock-Konzerte wie in Plaue 2004 mit über 300 Teilnehmern.

Einschlägig bekannte thüringische B&H-Sympathisanten wurden dieses Mal offenbar nicht aufgesucht. Augenscheinlich spielte bei der Polizeiaktion die so genannte „zweite Reihe“ eine vorrangige Rolle, dahinter stehen nach Ansicht des Bildungszentrum Apabiz in Berlin Strukturen, die unter dem allgemeinen Label „Division 28“ firmieren. Zwar scheinen auch alte Kader wie Christian Hehl und Hartwin Kalmus von Hausdurchsuchungen betroffen zu sein. Aber Schwerpunktgebiete wie Miltenberg und Rhein-Neckar deuten auf neue Zusammenhänge hin – und die stellen offensichtlich eine Konkurrenz dar.

Nach Angaben von Apabiz soll Anfang November 2005 ein Rechtsrock-Konzert der südhessischen Neonazi-Gruppe „Nibelungensturm Odenwald“ von B&H-Anhängern um Michael Zatzke aus Montabaur angegriffen worden sein. Mit zu den Angreifern gehörten Neonazis von „White Unity“ aus Miltenberg in Unterfranken. Der Überfall sorgte innerhalb der rechtsextremen Szene für große Aufregung. „Für mich sind das keine Leute von uns, sondern nur eine schwerkriminelle Gang“, hieß es daraufhin in einem szeneinternen Forum. Es war von Schutzgelderpressung die Rede und ein Kamerad forderte sogar den Tod von Zatzke: „Ich leg einen 1000er hin! Sofort! Und wenn er noch 3 um die Ecke bringt, noch nen 1000er“.

Die im Großraum Rhein-Neckar agierenden neuen B&H-Truppen weckten daraufhin den Zorn führender ehemaliger Aktivisten der seit 2000 verbotenen Organisation. So starteten Ex-Sektionsleiter wie Christian Hehl, Dirk Fasold, Dominik Baggues oder Christian Schäfer gemeinsam mit dem ehemaligen „Politischen Organisationleiter“ Dieter Riefling aus Hildesheim Mitte Januar 2006 einen Aufruf mit dem Titel „H steht für Ehre!“. „Uns vereint die Liebe zu unserem Land und der Stolz zu unserer Rasse“ heißt es, aber diese neuen Strukturen seien nicht „Blood&Honour“. Der „brutale Raubüberfall“ von Heppenheim sei nur die Spitze des Eisbergs hieß es, „Schlägereien, Schutzgelderpressungen und vieles mehr“ wären in Süddeutschland an der Tagesordnung. Die Saubermänner der verbotenen Original-Organisation forderten die Kameraden auf, sich von „diesem Schmutz zu befreien“ und „mafiöse Unterdrückungsmethoden“ in der eigenen Szene nicht zu dulden. Die Razzien der Polizei scheinen jetzt beide verfeindeten Lager getroffen zu haben.
Andrea Röpke

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