Polizei behauptet weiterhin: Schnippkoweit war uns als Nazi kein Begriff, rechte Vernetzung im Schwalm-Eder-Kreis gibt es nicht…

nazis vs globalisierung kevin schnippkoweit

Der in U-Haft einsitzende Kevin Schnippkoweit war der Polizei des Schwalm-Eder-Kreises angeblich als Neonazi unbekannt. Das behauptet nach einem Bericht in „junge Welt“ der Polizeisprecher der Direktion Schwalm-Eder, Markus Brettschneider.  Auch behauptet er weiterhin, es gebe keine „Vernetzung rechtsextremer Kräfte“ in Nordhessen. Dabei hätte ein Blick auf die Seite „antimanifest.de“ genügt, um die Vielzahl neofaschistischer Aktionen in der Region genau aufgelistet zu finden. Ihren konzentrierten Ausdruck findet diese objektiv den Nazis nutzende Ideologie und Praxis im aktuellen Verfassungsschutz-Bericht des Landes Nordrhein-Westfalen, dessen politische Linie allerdings das genaue  Gegenteil von dem ist, was der FR-Kommentator zu Recht fordert: den Schulterschluss aller Feinde der Rechtsextremisten.
Für die offenbar weiterhin befolgte Linie der Polizei, so zu tun als wisse sie von nichts, gibt es nur zwei denkbar möglich Erklärungen: entweder die Polizei ist faktisch inkompetent. Oder sie ist strukturell inkompetent, dh. sie stellt sich aus politischen Motiven dumm. In beiden Fällen sollten die Verantwortlichen gehen. Zu Recht stellte demgegenüber ein Kommentator in der Frankfurter Rundschau gestern fest:
Landrat Neupärtl mag recht haben, wenn er seinem Kreis bescheinigt, kein größeres Rechtsextremismus-Problem zu haben als andere Kommunen im Land. Nicht nur hier gibt es Neonazis, nicht nur hier organisieren sie sich, nicht nur hier ist ihre Ideologie menschenverachtend und gewalttätig. Die Schwalm, so könnte man in Anlehnung an einen Slogan der Atomkraftgegner sagen, ist überall. Das aber darf keine Ausrede sein, den Kampf gegen rechts nicht auch am Ort aufzunehmen und den Schulterschluss mit all jenen zu suchen, die Feinde des Rechtsextremismus sind. Ein Problem mit Neonazis zuzugeben, gereicht einer Kommune nicht zur Schande. Schlimm wird es erst, wenn sie es kleinzureden versucht.
Die polizeilichen Äußerungen Tage nach der Tat sind genau das, was der Kommentator als „schlimmes Kleinreden“ bezeichnet. Sie sind nach den Erfahrungen in Frankfurt integraler Bestandteil einer politischen Desinformations- und Aktionsstrategie der hessischen Polizei, die sich gegen aktive AntifaschistInnen richtet.

Nachtrag:
Kevin Schnippkoweit als Neonazi unbekannt???

Den Namen bei einer bekannten Internetsuchmaschine eingeben und jede/r erhält seit Monaten eine Unmenge an Links, wie „Nazi-Clip zum 7.07. mit Molotowcocktail aus dem Hause Wöll„, „Antifa Jena – Wer hinter „Volksfront Medien“ steckt„, „Steckbrief Marcel Wöll (NPD, “Freie Nationalisten Rhein-Main”, “Gruppe Nationaler Sozialisten”)“ (die neuen Links mal unberücksichtigt). Im Internet befindet sich seit dem 16. April 2008 auch der Beitrag der ANK „Nazi-Videoportal media-pro-patria gesperrt„, indem zu lesen ist:

„…Kevin Schnippkoweit (Internet-Pseudonym “exvodsPhoenix”), aus dem Umfeld der hessischen NPD-Sekte um Marcel Wöll (mittlerweile abgewählter Ex-NPD-Landesvorsitzender) einer der Nazi-Aktivisten der Videoseite volksfront-medien.de (u.a. “Kritische Nachrichten der Woche”), noch im Jahr 2007 ins “Braune Haus” nach Jena abgesetzt hat (er will offenbar in Thüringen sein Abitur versuchen), hat er mit Christian Müller und Philipp John das Video-Projekt “media pro patria” ins Leben gerufen. Im Impressum der Seite zeichnete er sich auch als medienrechtlich Verantwortlicher.“

Nachdem Schnippkoweit und Co. einen neuen Anbieter für ihre Domain gefunden hatten, war die media-pro-patria-Seite ab dem 22.04.2008 wieder online. Ein Klick ins Impressum hat uns noch bis vor zwei Tagen Schnippkoweit als Verantwortlichen angegeben:

Verantwortlicher: Kevin Schnippkoweit
V.i.S.d.M.: Kevin Schnippkoweit
Kontakt:
Email: exvodsPhoenix
WWW: http://www.media-pro-patria.de
Copyright: © 2000 Kevin Schnippkoweit
Alle Rechte vorbehalten.
Verantwortlich für Inhalt und Gestaltung der Internetpräsentation ist Kevin Schnippkoweit.

Mittlerweile hat sich das geändert, jetzt ist der Name gegen P.Wiedorn ausgetauscht worden (offenbar Patrick Wiedorn, der auch in den media-pro-partia Videos auftritt, wie z.B. „Deutsche vs. Antifa“) und unter Nachricht von media-pro-patria.de lesen wir:

Kurz notiert …..
Leider war es uns in den letzten Wochen nicht möglich unsere Weltnetzseite wegen technischer Probleme aktuell zu halten……
Wir bitten dies zu entschuldigen und sind nun wieder aktuell für euch verfügbar…..
Peinlicher Auftritt in Hessen
Das Video-Team Media-Pro-Patria distanziert sich ganz klar von Gewalttaten an Andersdenkenden und Andersfarbigen.
Das Verhalten des Kameraden ist auch für uns völlig unbegreiflich, da in unseren Videos genau solche Taten angeprangert werden.
Ein Kind zu schlagen kann unter keinen Umständen toleriert werden.
Daher sehen wir uns gezwungen Kevin Schnippkoweit aus sämtlichen Arbeiten in regionalen Strukturen und auch in unserem Projekt auszuschließen.“

Inwieweit die Probleme technischer Natur waren darf mehr als bezweifelt werden, interessanter aber ist der Hinweis, „Kevin Schnippkoweit aus sämtlichen Arbeiten in regionalen Strukturen und auch in unserem Projekt auszuschließen“, heißt es doch in dem Beitrag der jungenWelt: „Der 19jährige sei zwar »in einen rechten Zusammenhang« zu stellen, räumte Polizeisprecher Markus Brettschneider aus der Direktion Schwalm-Eder gegenüber junge Welt ein, Hinweise auf eine Vernetzung rechter Kräfte im Schwalm-Eder-Kreis gebe es jedoch nicht.“. Ein in Nazi-Strukturen (auch regionalen) vernetzter Neonazi wird von seinen braunen Kameraden öffentlich aus diesen Strukturen ausgeschlossen und fliegt zudem aus seinem eigenen Nazi-Videoprojekt, doch andererseits wird so getan, als handele es sich um zufällige „Treffen“ (oder was auch immer), wenn Nazis in Schwalm-Eder oder andernorts in Hessen losziehen und Jagd auf Andersdenkende machen.
In einem seit über einem Jahr im Internet vielfach kursierenden Hetzvideo aus dem Hause volksfront-medien lassen Christian Müller und einmal mehr Kevin Schnippkoweit (sich selbst als Nazis bezeichnend) unter dem Titel „Nazis vs. Globalisierung“ ihrem antisemitischen Haß und Verschwörungstheorien freien Lauf :

nazis vs globalisierung kevin schnippkoweit
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2 Gedanken zu “Polizei behauptet weiterhin: Schnippkoweit war uns als Nazi kein Begriff, rechte Vernetzung im Schwalm-Eder-Kreis gibt es nicht…

  1. Nach dem brutalen Angriff von Neofaschisten auf das [’solid] Sommercamp Schwalm-Eder-Kreis, bei dem unter anderem eine 13-jährige Teilnehmerin lebensgefährlich verletzt wurde, gilt es nun vor Ort ein öffentliches Zeichen zu setzen und Widerstand zu organisieren.

    Seit Jahren kommt es zu Übergriffen, Drohungen und Einschüchterungsversuchen von Neofaschisten gegen MigrantInnen, Jugendliche und antifaschistische AktivistInnen aus der Region. Viel zu lange haben Politik und Zivilgesellschaft vor den sogenannten „Freien Kräften Schwalm“, der NPD etc. die Augen verschlossen, bis sich die Situation im letzten halben Jahr derart zuspitzte.

    Daher wurde vom „Aktionsbündnis buntes Schwalmstadt“ für Sonntag, den 27. Juli eine Kundgebung und Demonstration ab 14 Uhr in Treysa angemeldet.

    Treffpunkt ist der Marktplatz (5 Minuten vom Bahnhof).
    Wir, [’solid] Hessen und insbesondere die Basisgruppe Schwalm Eder Kreis, rufen Euch zur Beteiligung an Demonstration und Kundgebung auf.

    Die OrganisatorInnen machen darauf aufmerksam, dass es sich um eine friedliche und bunte Aktion handeln soll. Ein möglichst breites Spektrum soll angesprochen und für antifaschistisches Engagement sensibilisiert werden.

    Ihr könnt eure Solidaritätsbekundung für die Opfer des Angriffs an folgende Adresse senden. Wir werden uns darum kümmern das sie weitergeleitet werden. Dies ist eine Sicherheitsmaßnahme um die Opfer zu schützen.: [’solid] OG MArburg, c/o DIE LINKE Marburg Biedenkopf; Frankfurter Str. 15; 35037 Marburg

    Lasst uns gemeinsam ein Zeichen gegen Neofaschismus setzen.
    Unsere Solidarität gehört den Opfern, unsere Verachtung den feigen Tätern.

    Mit antifaschistischen Grüßen,
    [’solid] Hessen
    und die Basisgruppe SEK

    Kontakt für Rückfragen:
    [’solid] Hessen
    Kontakt: solid-lspr@yahoogroups.de

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