NPD und ihre sog. „Dresdner Schule“

Carsten Hübner hat im ND-Dossier “Rechte Denkfabriken” den dritten Teil der Reihe diesmal zur sogenannten „Dresdner Schule“ der NPD unter dem Titel veröffentlicht: „Ohne spürbare Resonanz in eigenen Reihen – »Dresdner Schule« wurde keinem ihrer hochtrabenden Ziele gerecht
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Zitate aus dem Artikel:
Mit der »Dresdner Schule« unternahm die NPD im Frühjahr 2005 erstmals seit Jahrzehnten den Versuch, ihre Programmatik zu modernisieren und an aktuelle Diskussionen in der extremen Rechten anzuknüpfen.

Als treibende Kraft gilt der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen W. Gansel, der mit seinem Text »Wesen und Wollen der Dresdner Schule« eine Art Gründungsmanifest vorgelegt hat. Doch seither ist wenig geschehen. Bis auf einige Papiere zur Rolle der sozialen Frage in der Tagespolitik und für die zukünftige strategische Ausrichtung der Partei ist die selbst ernannte »Denk- und Politikschule einer selbstbewussten Nation« keinem ihrer hochtrabenden Ziele gerecht geworden.

Das mag zu einem gehörigen Teil an Gansel selbst liegen, der argumentativ eher mit dem Holzhammer als dem Florett zu Werke geht. Kraftausdrücke wie »rassefremd«, »Ethnosuizid« oder »Ausschwitzkeule« durchziehen seine Vorträge und Texte wie ein brauner Faden.
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Die »Dresdner Schule« erhebt den Anspruch, Gegenmodell zur »Frankfurter Schule« zu sein, der sie einen »Generalangriff auf das Volks-, Staats- und Geschichtsbewusstsein der Deutschen« vorwirft. Deshalb müsse, »wer den politischen Kampf gegen die volks- wie staatszersetzende BRD-Nomenklatura aufnehmen« wolle, zunächst »die Frankfurter Schule als deren Ideengeberin erkennen und eine geistig-politische Gegenfront aufbauen«, heißt es im Gründungsaufruf. Im Weiteren ergeht sich der Text vor allem in persönlichen Verunglimpfungen und rassistischer Polemik. So seien die Achtundsechziger eine »charakterlich verlumpte Klasse«, der Philosoph Jürgen Habermas ein »Schuld- und Sühnejakobiner« und Joschka Fischer ein »Linkskrimineller«.
[…]
Texte wie dieser sind in den vergangenen Jahren einige verfasst worden. Trotz ihrer Veröffentlichung im Parteiblatt »Deutsche Stimme« und auf den Internetseiten der NPD sind sie jedoch ohne spürbare Resonanz in den eigenen Reihen geblieben. Die »Dresdner Schule« hat damit weniger die Funktion eines realen Impulsgebers, sondern ist eher auf die Rolle als intellektuelles Aushängeschild gegenüber der Öffentlichkeit reduziert. […] Im Ergebnis kann die »Dresdner Schule« seit Bestehen nicht auf eine einzige öffentliche Veranstaltung zurückblicken.

Wie sich die NPD derzeit hingegen ihre intellektuelle und kulturelle Vorfeldarbeit vorstellt, zeigt viel eher der rechtsextreme Traditionsverein »Gesellschaft für freie Publizistik« (GfP). Mit etwa 500 Mitgliedern gilt die GfP bundesweit als größte rechtsextreme Kulturorganisation. Ihr gehören vor allem rechtsextreme Verleger, Redakteure, Schriftsteller und Buchhändler an. Zu ihren Jahrestagungen kommen regelmäßig rund 300 Teilnehmer, die eher dem klassischen Rechtsextremismus zuzurechnen sind und nur zum Teil der NPD angehören. Ihr Vorstand ist jedoch in den zurückliegenden Jahren fest in die Hand der Partei geraten. GfP-Vorsitzender ist mit Andreas Molau ein aufstrebender Parteifunktionär, der derzeit als Pressesprecher der NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern seine Brötchen verdient.

Sowohl von ihren Themen als auch von ihrer Argumentation her versucht die GfP vor allem eine bürgerliche Klientel zu erreichen. Radauvokabular wie von Gansel ist dabei eher die Ausnahme. Stattdessen beklagt man in gediegenen Worten den Verlust der deutschen Hochkultur, wie zuletzt auf dem diesjährigen Jahreskongress unter dem Motto »1968 – vierzig Jahre Volkszerstörung«. Als Referenten traten vor allem die Urgesteine des intellektuellen Rechtsextremismus rund um die NPD wie der Verleger Gert Sudholt, Herbert Fleissner oder Dr. Rolf Kosiek auf. Jürgen W. Gansel hingegen nicht.

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