Kevin Schnippkoweit und die Vorgeschichte eines vermeidbaren Verbrechens

„Plötzliche sagt er Scheißzecke“ – unter diesem Titel veröffentlicht stern.de eine Zusammenfassung vieler Fakten über den Werdegang von Nazi-Aktivist Kevin Schnippkoweit (weitere Infos zu Schnippkoweits Vorgeschichte: „Nehmt die Waffen in die Hand!„). Sein Verbrechen, eine Attacke mit dem Klappspaten auf ein dreizehnjähriges, schlafendes Mädchen in einem antifaschistischen Zeltlager in Nordhessen – dieses Verbrechen kam nicht unerwartet. Auch die Behörden, deren aktuelles Vorgehen unter anderem durchaus tragikomische Züge trägt (Beschlagnahme und Zurschaustellung von Eugen Kogons „Der SS-Staat“ als Ergebnis einer Razzia bei Nazis …) , hätten vermutlich seit über einem Jahr, also längst schon, einen wesentlichen und ernsthaften Beitrag zur Verhinderung der jüngsten Tat Schnippkoweits erbringen können – hätten sie Schnippkoweit nicht wieder und wieder gewähren lassen.

Advertisements

2 Gedanken zu “Kevin Schnippkoweit und die Vorgeschichte eines vermeidbaren Verbrechens

  1. Die Einstufung Kogons als „SS-Literatur“ gewinnt einen gewissen Hintersinn vor den historischen Machtkämpfen in der hessischen CDU. Die von Kogon mitgeprägten – und relativ erfolglosen – christlich-bürgerlichen Konservativen waren es gerade, die vom ultrareaktionären „Vertriebenenflügel“ unter Dregger weggeputscht wurden. Nun hat Stefan in einem anderen Thread bereits hinreichend belegt, dass auch Kogon durchaus handfeste und wenig „sozial-emanzipatorische“ Vorstellungen gegenüber „Asozialen“ vertritt, trotzdem stellen Personen wie Dregger nochmal einen Vorzeichenwechsel weg vom (immerhin) bürgerlichen Antifaschismus dar (nachzulesen im „Täterpsychogramm“ Tjark Kunstreichs: „Überwachen und Strafen. Aufstieg und Fall des Manfred Kanther“; leider erschienen im karibischen Sperrgebiet [31/2000]).
    Weniger tief in der Tätermotivation bewegen sich offenbar die hessischen Ermittlungsbehörden, zumindest nach einem Gerücht des kaum Quelle zu nennenden „Infoportals altermedia“:
    Den jungen Nationalisten wird nämlich nicht nur das Anbringen von Aufklebern mit der Aufschrift „Freie Kräfte Schwalm-Eder“ vorgeworfen, sondern auch „Antifaschismus“! – Wie bitte? […]
    So heißt es in den Durchsuchungsbeschlüssen: „Schließlich steht er im Verdacht… mit silberner Farbe ein durchgestrichenes Hakenkreuz…, sowie mit schwarzer Farbe die Worte „Nazis raus“ und „Fuck Nazis“ sowie ein durchgestrichenes Hakenkreuz auf weitere Gebäude in der Bahnhofstraße gesprüht zu haben…“

    ?!

  2. Genau diese krude Mischung aus Beschlagnahme antifaschistischer Literatur und gleichzeitig Hakenkreuzfahnen meint völlig zu Recht Gremliza, wenn er in dem oben verlinkten Artikel („Wozu Nazis da sind“: https://antinazi.wordpress.com/2008/07/24/hermann-m-gremliza-wozu-nazis-da-sind/) schreibt: „Am Dreck ihrer Gefühlswelt, an der Mordlust in ihren Fressen, an der Gemeinheit ihrer Parolen soll der brave Staatsbürger lernen, was „Extremismus“ bedeutet. Denn das ist, hinter allem politikwissenschaftlichen Gedöns, der ganze Sinn der Totalitarismustheorie, der Lehre des Rot gleich Braun: daß jegliche Kritik der herrschenden Ordnung auf Auschwitz hinaus will.”
    Insofern bleibt mir nur, selbstkritisch festzustellen, daß ich den Akt der Zurschaustellung des bei Nazis beschlagnahmten Buches von Eugen Kogon besser nicht einfach nur als Kennzeichen der völligen Verblödung der Polizei veralbert hätte. Die Sache ist erheblich ernster.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s