Neues von Frau Dr. Schröter, der Koran-Expertin, und den „Bürgern in Wut“

Frau Dr. Hiltrud Schröter, die bekannte Koran-Expertin, lässt eine „Gegendarstellung“ zu einem Leserbrief aus dem Bereich der Anti-Nazi-Koordination im Internet verbreiten – von der „Bürgerbewegung PAX Europa„. Zu diesem Verein, seinen in vielem Forderungen der REPs  und der NPD direkt entsprechenden Programmatik (zB. Minarettverbot) und seinem extrem rechtslastigen Protagonisten Udo Ulfkotte, der noch vor kurzem eine bundesweite Partei „Bürger in Wut“ nach dem von ihm vor noch nicht langem unterstützen und mindestens rechtspopulistischen Bremer Vorbild, seinerseits einem Ableger der Partei des homophoben Rechtspopulisten, „Richter Gnadenlos“ und Koksers Ronald Schill, zu gründen beabsichtigte, vgl. hier. Langsam werden die Zusammenhänge zu den auch in Frankfurt-Hausen wildgewordenen (Klein-)Bürgern überdeutlich und rücken sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst ins rechte Licht.
So also sieht das Soziotop der „Islamkritik“ aus. Sehr seriös: selten dürfte das Wort Pax so mißbraucht worden sein…

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4 Gedanken zu “Neues von Frau Dr. Schröter, der Koran-Expertin, und den „Bürgern in Wut“

  1. Sehr seriös: selten dürfte das Wort Pax so mißbraucht worden sein…
    Nun ist mit der konkretisierten Pax Europa wohl auch Kein „Friede“ im Sinne des Concours Eurovision de la chanson gemeint, sondern angespielt werden soll doch sicher auf ein hegemonial durchgesetztes Normensystem wie etwa der Pax Dei. In diesem Zusammenhang soll damit doch der autoritär-juridischer Aspekt einer Pax (pax, pacis -> pakt) hervorgehoben werden – im Falle des Gottesfriendes bedeutet dies ja auch vielmehr eine (Um-)Ordnung der (damals andauernden) feudalen Gewaltverhältnisse, denn deren Abschaffung (Regelung der Pax Dei im kirchenrechtlichen Konzil von Charroux). Will heissen, dass Pax Europa durchaus bewußt und vorsätzlich mit dem Anspruch der Befriedung eines (selbstverständlich imaginierten) Bürgerkriegs auftritt: Territoriales Gewohnheitsrecht und die Immunität der heiligen Orte im Sinne der „Leitkultur“ sollen (wieder- wann war das noch…) hergestellt werden.
    Die Bigotterie von Schill taugt demgegenüber allenfalls für ein immerhin lustiges youtube Video, vielleicht könnte er als im „Chiliasmus der Bürgerkriegsphantasten“ gestürtze Figur interpretiert werden…

    Best regards,
    mrs adornix

    Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. K.M.

  2. Mrs Adornix … das hieß aber mindestens vorwiegend „treuga Dei“ damals. Wobei sich die Gelehrten noch heute streiten, woher denn das Wort „treuga“ kommt. Wie auch immer: gehalten hat es allerdings in der Tat nicht, was die Herrschenden sich davon versprachen: Ruh‘ und Frieden im je eigenen Herrschaftsbereich zwecks Mehrung des dortigen Wohlstands – für sie. Denn trotz der Disney-illusionären Existenz von Dumbo kann ein Elefant nicht wirklich fliegen.

  3. das hieß aber mindestens vorwiegend “treuga Dei” damals. Wobei sich die Gelehrten noch heute streiten, woher denn das Wort “treuga” kommt.

    Den Punkt gebe ich gerne ab, für die Bebilderung des Arguments habe ich mich wohl zu oberflächlich bei einem gew. Thomas Gergen: Pratique juridique de la paix et trêve de Dieu à partir du concile de Charroux (989-1250) bedient und für unseren Zusammenhang die Trennung zwischen Pax Dei(=Gottesfrieden) und Waffenruhe (Treuga/Trêve) rausgefiltert.
    Eigentlicher Zusammenhang war ja auch die Wortkombination Pax europa bzw die These dass die Pax historisch die Vorstellung einer aus dem römischen Recht abgeleiteten Gewaltverordnung beinhaltet – und zwar in der besonderen Situation eines Bürgerkriegsszenarios („Raubrittertum“).
    Und da finden sich ja bereits die auch von der erweiterten PI-Gemeinde gepriessenen Rezepte bis in zur Aufstellung sog. Pax-Milizen zur gewaltsamen Befriedung was sich sozusagen in die Vorstellungswelt der Bürgerkriegsphantasten bis hin zur Wahl ihrer Peudos vererbt (etwa „Gottwilles“ oder „DerTempler“ die sich wohl auf die Filmversion des etwas späteren Renaud de Châtillon beziehen sollen)…

  4. Mrs. Adornix,

    die These dass die Pax historisch die Vorstellung einer aus dem römischen Recht abgeleiteten Gewaltverordnung beinhaltet

    – pax romana hieß das in den goldenen Zeiten des Augustus, dessen procurator in Syrien ein gewisser Pontius Pilatus .. aber lassen wir das. Ich finde es gut, daß der im Credo steht. Damit ist die christlich-skeptische Grundhaltung zum Staat an sich ein für alle mal klargestellt.Die Römer, nicht die Christen und auch nicht die Juden waren es ursprünglich, die der Logik folgten: wo gehobelt wird, da fallen Späne. Hauptsache, es herrscht Ruhe im Land..

    Was den islamfeindlichen Kretins von „pro frankfurt“, die sich ja nicht selten auch massiv kontroverstheologisch äußern (Protestanten wie ich sind in ihrer bornierten Sicht „seit 500 Jahren Spalter„) einfach nicht auffällt, ist, daß die von ihnen perhorreszierte islamische Theokratie ihre nächste historische Parallele wohl im christlichen Mittelalter, in seinem Selbstverständnis als „corpus christianum“ haben dürfte. Das treibt denen deshalb nicht die Schamesröte ins Angesicht, weil sie es schlicht nicht wissen. Diese Leute sind häufig exteme Fundis, wenn es zB. um Bibelwissenschaften, das Verhältnis zur Naturwissenschaft usw. geht. In den USA git es ein faktisches Bündnis von fundamentalistisch – evangelikaler Rechter, Islamhassern und – sorry – frenetisch prozionistischen Gruppen wie AIPAC.

    Die christliche Rechte geht dabei mit der Bibel exakt so um, wie sie es ihren halluzinierten islamischen „Feinden“ ständig vorwerfen: positivistisch. Weil in Sure XY:zz stehe, man solle dies oder jenes tun, deshalb tun es angeblich auch alle Muslime schrecklicherweise, während sie als „Christen“ über dergleichen Greuel selbstredend hoch erhaben sind. Was sie nicht wissen, ist, was zum Beispiel in Psalm 137:9 steht. Wie praktizieren sie denn diesen Satz?

    Die einfach Negation dieses fundamentalistischen Positivismus sind dann Leute wie der derzeit ständig duchgenudelte „Religionskritiker“ Richard Dawkins. Beide Seiten sind einander als Fundis wert, während sich Lessing im Grabe herumdreht, von späteren und radikaleren Aufklärern bis hin zu Marx und Engels mal ganz zu schweigen.

    Peter Berger sprach von der Moderne als der religionsgeschichtlichen Phase des Zwangs zu Häresie, was Lothar Baier in seinem Buch über die Katharer in dessen letzten Satz treffend so umformulierte: „Es ketzere ein jeder vor seiner Tür!“

    Na, dann woll‘ n wir mal!

    PS:

    die auch von der erweiterten PI-Gemeinde gepriesenen Rezepte bis in zur Aufstellung sog. Pax-Milizen“ – ich nehme an, Du meinst hier die Wurzelbürsten-Bürgerwehr und Schweinehirten-Miliz des „Hausener Buben“ – wirklich köstlich. Frankfurt ist und bleibt ein Dorf.

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