Marcel Wöll (NPD) verlässt Hessen

Marcel Wöll NPD-Nazi und Bewährungsversager

Hier ein Bericht zum Abgang von Wöll, den wir von AntifaschistInnen der Wetterau erhielten:

Marcel Valery Wöll, ehem. Landesvorsitzender der hessischen NPD und Wetterauer Kreistagsabgeordneter hat Hessen diesen Samstag verlassen. Somit hat er Butzbach-Hoch-Weisel nach ca. 3 jährigem Aufenthalt als Wohnort aufgegeben und ist nach den Aussagen mehrerer Anwohner nach Thüringen gezogen. Leider ist uns hier noch kein konkreter Wohnort bekannt. Seine Mitbewohner haben das Haus laut den Aussagen der Anwohner schon seit mehreren Wochen verlassen und die neuen Eigentümer sind schon eingezogen. Der Abgang von Marcel Wöll, der wegen seiner Holocaust-Leugnung in 2er Instanz vom Amtsgericht Gießen zu einer Gefägnisstrafe von 4 Monaten verurteilt wurde und gegen den ein weiteres Verfahren lief, weil er einem Kontrahenten aus der eigenen Szene 3 Messerstiche in den Rücken versetzte, verlief also sehr still und heimlich.

Ein Grund hierfür mag auch gewesen sein, dass er durch seinen Wahlkampf auch in den eigenen Reihen in die Kritik gekommen ist. Die von der SVP aus der Schweiz kopierten „Schäfchen“-Wahlkampfplakate und der unvergessliche „Zwergen“-Fernsehspot haben wohl auch in der extremen Rechten für Kopfschütteln und feuchte Augen gesorgt. Auch die vollmundige Ankündigung von über 100 Wahlkampfveranstaltungen in Hessen konnte er wegen dem Protest vieler, überwiegend Jugendlicher, Gegendemonstranten nicht realisieren.
Der Wegzug von Marcel Wöll ist für Hessen jedoch kein Grund zum aufatmen, denn es gibt noch sehr viele Baustellen. Zum einen haben wir in manchen Gegenden wie der Wetterau eine sehr gut organisierte und aktionistische NPD zum anderen rechtsextreme Schlägertrupps wie die „Freien Kräfte Schwalm Eder“ in Treysa. Diese wurden übrigens von einem guten Bekannten von Marcel Wöll, dem ehem. Butzbacher Weidigschüler Kevin Schnippkoweit, der Haupttäter bei dem Übergriff auf das 13 – jährige Mädchen im Schwalm-Eder Kreis mitaufgebaut. Es gilt jetzt, der rechtsextremen Szene konsequent entgegenzutreten um neue Vorfälle dieser Art zu verhindern. Hessen ist zurzeit nicht einmal im Ansatz gegen Nazi-Umtriebe gewappnet. Dies zeigt auch die informelle Hilflosigkeit von Polizei, Politik und Verfassungsschutz bei dem Übergriff im Schwalm – Eder Kreis.
Wir können nur hoffen, dass der Umgang mit Marcel Wöll in Thüringen ein anderer sein wird. In Butzbach wurde der damalige Bürgermeister vor dem Zuzug von Marcel Wöll und seinen rechtsextremen Gesinnungsgenossen gewarnt und er tat nichts und behielt diese Information vorerst mehrere Monate für sich. Die ersten Aktionen in Butzbach-Hochweisel wurden mit einer Infoveranstaltung über Rechtsextremismus in Hessen und Marcel Wölls Gruppe, die „Freien Nationalisten Rhein Main“ von uns organisiert. Der erste Infostand in Butzbach Hoch-Weisel wurde von uns angemeldet und von der VVN/BDA mit einer sehr guten Ausstellung unterstützt. Diesem schlossen sich damals mehrere couragierte Bürger aus dem Ort an und gründeten das „Bündnis für Demokratie und Toleranz“. Nach dem Infostand gab es eine Spontandemonstration gegen das rechtsextreme Schulungszentrum in der Langgasse 16 in Hoch-Weisel. Die jungen Demonstranten, die nichts illegales Taten, wurden dann sogar von der Polizei mit Fotos, die die Nazis aus der Langgasse geschossen hatten, versucht zu kriminalisieren. Dies scheiterte jedoch, aber das Thema Marcel Wöll wurde durch den Bericht der Hessenschau hessenweit bekannt. Nun wurde plötzlich reagiert, die ersten Politiker äußerten sich, dass Wetterauer Bündnis gegen Rechts wurde gegründet und weitere Infoveranstaltungen in Butzbach organisiert. Nur die ungenutzte Zeit wurde von den Neonazis genutzt, ihre regionalen Strukturen aufzubauen. Heute ist die Wetterau die Region mit der stärksten NPD-Strukturen in Hessen, einem rechtsextremen „Nationalen Freundeskreis, der für Brauchtumspflege sorgt und mehreren rechtsextremen Gruppen. Die Heimmattreue Deutsche Jugend, eine rechtsextreme und nationalistische Pfadfindergruppe ist mit mehreren Vertretern in Butzbach ansässig. Die Leiterin dieser Gruppe in Hessen, Annika Ringmayer hat sogar ihr Freiwilliges Soziales Jahr im Butzbacher Jugendzentrum – dem Jugendbahnhof – absolviert.
Im Wetteraukreis kann die NPD auch – bis auf uns –ungestört ihre Veranstaltungen in Gaststätten wie der „Linde“ in Wölfersheim-Wohnbach(hier war der hessische Landesparteitag Anfang des Jahres) oder dem „Landgasthof Schroth“ in Büdingen – Orleshausen abhalten. In beiden Gaststätten treffen sich übrigens auch andere Parteien, die mit diesem Umstand (leider) kein Problem haben. Dies wird dann von der Politik und Behörden(in Teilen) genauso versucht totzuschweigen wie der NPD-Infostand diesen Samstag in Friedberg mitten auf der Kaiserstraße(Der Haupteinkaufszeile in Friedberg). Hier gilt wohl das Prinzip “Wo kein Protest, da auch kein Problem“.
Wir finden, der richtige Umgang mit Nazis ist eine starke, breite, demokratische Zivilgesellschaft. Zu dieser zählen wir uns auch. Den Nazis dort, wo sie auftreten mit guten Argumenten und kreativen Aktionen entgegentreten. Ob dies nun die Schule, das Jugendzentrum, der Kreistag oder die lokale Verwaltung mit rechtsextremen Angestellten ist.
Da wir in letzter Zeit von vielen darauf angesprochen wurden, wie wir uns denn finanzieren: Während die NPD zu 64% aus Steuergeldern finanziert wird, leben wir ausnahmslos von den Mitgliedsbeiträgen unserer meistens jugendlichen Mitglieder. Wir hoffen, dass der Wegzug von Marcel Wöll nun als Chance in Hessen begriffen wird: Auf die Chance, dem Rechtsextremismus endlich ernsthaft und entschlossen entgegenzuwirken – und dies nicht nur, wenn gerade Wahlkampf ist.

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