Gewaltkrimineller Student Mario Matthes (NPD): „Ich bleibe Nationalsozialist!“ – keine Reaktion der Universität Mainz

In den vergangenen Tagen und Wochen gab es erneut Anlass, auf die für die Opfer folgenreiche Toleranz  maßgeblicher staatlicher und gesellschaftlicher Kräfte bekennenden Nazis gegenüber hinzuweisen: die Fälle des ehemaligen NPD-Landesvorsitzenden Marcel Wöll, des bis vor kurzem führenden hessischen NPD-Medienaktivisten Kevin Schnippkoweit und zuletzt den des Stellvertretenden hessischen NPD-Vorsitzenden Mario Matthes. Alle drei Genannten hatten sich vor ihren Gewalttaten selber offensiv als Nationalsozialisten (Matthes), Nationale Sozialisten (Wöll) bwz. Nazis (Schnippkoweit) bezeichnet – ohne jede Konsequenz für sie.  Alle drei fielen mehrere Male wegen Gewalt auf: für lange Zeit kein Hindernis zB. für das Frankfurter Ordnungsamt, noch im Januar diesen Jahrs Wöll als Anmelder einer Kundgebung auf dem Römerberg, an der historischen Stätte der nazifaschistischen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 zu genehmigen, Forderungen nach einem Verbot dieser Ungeheuerlichkeit mit lächerlichen Begründungen zurückzuweisen, um anschließend mit groteskem Polizeiaufwand den Naziaufmarsch von Wöll, Matthes, Schnippkoweit und ihren KameradInnen durchzusetzen. Die im folgenden dokumentierte Erklärung des Bündnis Mainzer Studierender gegen rechte Gewalt an der Gutenberg-Universität Mainz weist darauf hin, wie lange Matthes bereits als Nazi und rechter Schläger bekannt ist – ausdrücklich kein Anlass für die Universitätsleitung, ihn zu exmatrikulieren. Genau dies aber fordert nach dessen aktueller Verurteilung wegen schwerer Körperverletzung die antifaschistische Studierendengruppe aus Mainz erneut:

Erklärung des Bündnis Mainzer Studierender gegen rechte Gewalt an der Gutenberg Universität Mainz

Am Montag, den 11.8. wurde der stellvertretende Vorsitzende der hessischen NPD, Mario Matthes, wegen gefährlicher Körperverletzung an einen Kommilitonen in Abwesenheit zu 11 Monaten Haft verurteilt, ausgesetzt auf 3 Jahre auf Bewährung.
Im Januar dieses Jahres hat der bekennende Neo-Nazi Mario Matthes einen Kommilitonen, den er als Teilnehmer einer antifaschistischen Kundgebung wiedererkannte, in der Universitätsbibliothek bespuckt und beleidigt. Später schlug er ihn auf dem Parkplatz vor dem Bibliotheksgebäude zusammen und ließ ihn schwer verletzt zurück.
Der Exmatrikulationsausschuss, der daraufhin zusammentrat, konnte in diesem Vorfall jedoch keine Störung des Uni-Betriebs „im allgemeinen“ ausmachen, und beließ es daher bei einer offiziell ausgesprochenen Rüge. Dabei verlässt sich die Universität anscheinend auf die Aussage des Täters. Den einzigen Kontakt, den das Opfer während des Vorgangs mit der Uni-Leitung hatte, war ein Treffen mit zwei Mitgliedern der Rechtsabteilung, bei dem ihm die Gelegenheit gegeben wurde, seine Sicht der Dinge zu erläutern.. Die Uni-Leitung sah ebenfalls keinen Anlass, das Opfer von dem Ausgang des Verfahrens zu unterrichten.
Der NPD-Kader aus dem pfälzischen Otterstadt ist in der rechtsextremen Szene kein Unbekannter. Der bekennende Neo-Nazi („werde ich nicht aufhören mich als Nationalsozialist zu bezeichnen und werde auch weiterhin die Werte und Tugenden aus dem Reich weiter vertreten“[1]) beteiligt sich seit seinem zwölften Lebensjahr an Aufmärschen der Jungen Nationaldemokraten. Nach der Gründung der offen rassistischen und antisemitischen „Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft“ (BDVG) nahm er hier Führungspositionen ein, beispielsweise war er „Organisationsleiter“ des BDVG – Gebietsverbandes Rhein-Neckar und zeitgleich Vorsitzender der BDVG – Jugendorganisation „Junge Deutsche“ (JD). Mario Matthes war ebenfalls im „Aktionsbüro Rhein-Neckar“ aktiv, einem Zusammenschluss rechtsextremer Kameradschaften. Ab 2006 war er NPD-Kreisvorsitzender im Kreisverband Mainz-Bingen und Landesvorstandsmitglied in Rheinland-Pfalz. Seit 2007 ist er Stellvertretender Landesvorsitzender der hessischen NPD und in der hiesigen Kameradschaft, den „Nationalen Sozialisten Mainz-Bingen“, aktiv, deren Website auf seinen Namen angemeldet ist.
Seit 2006 studiert Matthes Geschichte und Philosophie in Mainz. Er hatte im Vorfeld angekündigt, in der Universität „für Trubel zu sorgen“[2] und kurz nach seinem Studienbeginn tauchten an der Universität erste Plakate auf, die den Holocaust leugneten und den NS-Kriegsverbrecher Hess verherrlichten. Der tätliche Angriff auf einen Mitstudenten ist ebenfalls nicht der erste Vorfall mit Matthes auf dem Campus. So versuchte eine Gruppe von (teilweise maskierten) Neo-Nazis im November 2006 eine Veranstaltung mit Hannes Heer zu stürmen, Matthes wurde noch auf dem Uni-Gelände von der Polizei aufgegriffen. Da diese Veranstaltung vom ASTA organisiert war, sah die Uni-Leitung ebenfalls keine Störung des Uni-Betriebes und ging nicht weiter gegen Matthes vor.
Die Universitätsleitung behauptet, den Aggressor in der vorliegenden Auseinandersetzung nicht ausmachen zu können, da Aussage gegen Aussage stehe. Allerdings hatte der zuständige Staatsanwalt schon vor dem Prozess deutlich gemacht, dass es für eine Anzeige wegen Körperverletzung unwesentlich sei, von wem der Angriff ausging. Des Weiteren wartete die Universität das Prozessende nicht ab, sondern schuf vollendete Tatsachen, wohl in der Hoffnung, die Angelegenheit ohne größeres Aufsehen zu erledigen. Dabei ignoriert sie die rechtsextremistische Motivation des Übergriffs völlig, ebenso die Tatsache, dass mittlerweile drei Aussagen von Matthes vorliegen: seine Stellungnahme gegenüber dem Exmatrikulationsausschuss, der Polizeibericht sowie ein Interview mit ihm auf einschlägigen rechtsextremen Websites, die sich alle in wesentlichen Punkten unterscheiden.
Unserer Ansicht nach, versucht die Uni-Leitung, einen Rechtsstreit aus mit dem NPDler aus Angst vor der damit verbundenen Öffentlichkeit zu vermeiden. Auf die Bedürfnisse des Opfers wird dabei nicht eingegangen. Die Gleichgültigkeit der Uni-Leitung fand ihren Höhepunkt in der Aufforderung eines Mitgliedes des Exmatrikulationsausschusses, das Opfer solle sich einen Schrillalarm zulegen und das Universitätsgelände nicht mehr alleine betreten oder verlassen.
Wir fordern die Universitäts-Leitung auf, Stellung gegen rechte Gewalt zu beziehen.Wir fordern die Universitäts-Leitung zu Sensibilität gegenüber den Betroffenen auf.
Wir sind uns darüber im Klaren, dass eine Zwangsexmatrikulation das stärkste Sanktionsmittel ist, das einer Universität zur Verfügung steht. Da aber nicht davon ausgegangen werden kann, dass Matthes seine neo-nazistischen Aktivitäten an der Gutenberg Universität einstellen wird, und selbst die Universitätsleitung weitere Angriffe von seiner Seite für möglich hält, fordern wir die Uni-Leitung auf, dem Klima der Einschüchterung politisch Andersdenkender entgegenzutreten und eine Zwangsexmatrikulation gegen Mario Matthes zu erwirken.

Für das Bündnis
Andreas Lohmann

Bündnis Mainzer Studierender gegen rechte Gewalt
Handy: 0160 5724133
buendnis_studierender_mz@gmx.de

ErstunterzeichnerInnen:

Bündnis Mainzer Studierender gegen rechte Gewalt
Wiesbadener Bündnis gegen Rechts
Unabhängiges Kommunikationszentrum Haus Mainusch e.V:
Jugendforum Rhein-Lahn e.V.
Dr. phil. Hans-Christian Petersen, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Rote Hilfe Mainz/Wiesbaden
Anke Welzenheimer, Referentin für Koordination und Vernetzung des Asta an der Uni Mainz
Antifa Nierstein
MLPD Rhein-Main
REBELL Rhein-Main
Studentisches Bauwagenprojekt mit grässlichem Namen, der eigentlich viel zu lang ist, an der Uni Mainz e.V.

[1] http://kf.x-berg.de Forum des Aktionsbüro Rhein-Neckar
[2] http://de.altermedia.info/general/nbk-interview-mit-dem-studenten-mario-matthes-uber-antifaschismus-an-der-universitat-mainz-280208_13063.html

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5 Gedanken zu “Gewaltkrimineller Student Mario Matthes (NPD): „Ich bleibe Nationalsozialist!“ – keine Reaktion der Universität Mainz

  1. Sorry, aber „nur“ weil einer ein dreckiger Fascho ist und jemand aufs Maul gehauen hat soll er nach Meinung der anderen Studenteköpp exmatrikuliert werden? Nee, so sehr es mich begeistern würde Herrn Matthes eine bis mehrere proletarische Abreibungen zu verpassen, widert mich dieses kleinbürgerliche Appellieren an die Uni an.
    Müssen dann nicht allzu militante antifaschistische Studenten demnächst auch damit rechnen rauszufliegen, weil das ja auch den schönen „deutschen“ Frieden an der Uni stört?
    Es gibt andere militante Mittel und Wege solchen Leuten zu schaden und sie zu bekämpfen, aber jammernde Fürbitten an den postfaschistischen Verwaltungsapparat dieses Staates doch gefälligst für Schutz zu sorgengehören nicht zu zum Repertoire das geeignet wäre mit solchem Pack zu verfahren.

  2. So „radikal“ das klingt, was Du sagst, Autonomer Antifaschist, für so opportunistisch und zurückweichend halte ich es in der praktischen Konsequenz, wenn Du sie mal zu Ende denkst.

    Du bist also dafür, der Universität Mainz und ihrer Leitung die Auseinandersetzung um gewalttätige und bekennende sogenannte Nationalsozialisten zu ersparen?

    Wie großzügig von Dir!
    Wie hieß das früher mal: auf allen Ebenen … Schon vergessen?

    Falls Studierende oder sonstige AntifaschistInnen auf ihre Weise und, wie im vorliegenden Fall sichtbar, absolut berechtigt zu ihrem Schutz gegen Nazis in ihrer Umgebung vorgehen – das ist eine andere Frage.

    Dein Argument ist das immer Gleiche und aus meiner Sicht falsche: so wird gegen das NPD-Verbot gesprochen oder auch gegen den Versuch, gegen Nazi-Aufmärsche bereits im Vorfeld eben auch (!) juristisch Sand ins Getriebe zu streuen – ohne gleichzeitig damit staatsfromme Illusionen zu streuen, wohlgemerkt. Das haben wir noch nie getan. Lies mal den Text da oben.

    Wir haben, glaube ich, zur Genüge unter Beweis gestellt, daß wir uns auf diese Ebene nicht beschränken. Sie aber auszulassen macht es Staat und gesellschaftlichen Gruppen und Organisationen nach meiner Meinung schlicht zu einfach.

    Und wenn Du das Argument bringst, Exmatrikulationen könnten sich auch gegen AntifaschistInnen wenden: wieso bringt jetzt auch noch DU Antifaschisten und Nazis auf dieselbe Ebene? was hat denn antifaschistischer Selbstschutz mit Nazigewalt gemeinsam? Merkst Du eigentlich noch, daß Du selber schon „totalitarismustheoretisch“ argumentierst?

  3. Lieber Hans-Cristoph,
    mir ist sehr wohl völlig bewußt daß das für manche „totalitarismustheoretisch” klingt, aber ich halte diese Apelle an den bürgerlichen Staat doch bitte gegen Nazis mit er vollen Härte der Gesetze vorzugehen eiinfach für ein zweischneidiges Schwert. Diejenigen die so was am lautesten fordern werden auch die ersten sein die bitterlich jammern wenn der selbe Staat ihnen mit den selben Mitteln den Saft abdreht, Webseiten sperrt, Berufsverbote verhängt, sie auf Demos in Socken laufen lässt, vor Großereignissen Hausarreste verhängt (wie früher nur bei Gewalttätern Sport) etc.pp.
    Ja, wir haben als Autonome Antifa schon vor 25 Jahren gegen den Glauben an den bürgerlichen Rechtstaat und die Verbotsforderung argumentiert und an dieser Position hat sich auch nichts geändert.
    Mag sein das wir solche Sachen auch als jahrelang Betroffene von 129a-Verfahren und sonstiger Represssion gegen militante Autonome etwas andes sehen als Menschen die die Repression dieses tollen bürgerlichen Rechtsstaats noch nicht am eigenen Leibe spüren durften, weil sich ihre Politik in Unterschriften unter solche Appelle erschöpft.

    Das soll auch mitnichten eine Kritik an der ANK sein, die ihren Widerstand ja auch immer praktisch werden lässt, sondern nur ein kritischer Beitrag zum allgemeinen Glauben an den guten Staat. ;-)

  4. @Autonomer Antifaschist:
    Hier jammert niemand. Ich habe das Argument durchaus verstanden – und es ist mir nichts Neues, daß Maßnahmen, wie sie gegen Nazis zu fordern wären, in der Praxis fast exklusiv gegen Linke angewandt wurden und werden – siehe die berühmt-berüchtigte „Gefährderansprache“, um nur ein eher harmloses Beispiel zu nennen. Dagegen sind wir aufgetreten und haben es thematisiert.

    Es geht mir bei meiner Position um den Kampf für die letzten antifaschistischen Überbleibsel in Recht und Gesetz dieses Staates, so wie er nun mal ist, wie sie zB. in Art. 139 GG zwar noch existieren, aber seit Jahrzehnten ignoriert und mit Füßen getreten werden. Für diese rechte Tradition stehen, wie Du weißt, die Namen Theodor Maunz, Roman Herzog und andere. Ihre anti-antifaschistische Rechtsauffassung reflektiert die politische Praxis einer Exekutive, die entsprechend handelt.
    Soll das einfach widerspruchslos so durchgehen?

    Ich mache mir keinerlei Illusionen – aber ich weigere mich, dazu den Mund zu halten. Und das sieht in der praktischen Konsequenz so aus, daß ich diesen Staat, diese Exekutive immer wieder öffentlich dazu auffordern werde, sich gefälligst an die eigenen Regeln zu halten. Jede/r kann ja das Ergebnis sehen und sich einen eigenen Reim darauf machen.

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