Wetzlar: Polizei setzt NPD-Demo durch / zeitweilige Blockaden an einigen Stellen der Route / erneut massive Nazi-Gewaltaufrufe unter dem Schutz der Polizei

Etwa 320 Nazis der NPD und verschiedener Kameradschaften aus Hessen – nicht aber Autonome Nationalisten – konnten heute unter dem Schutz der Polizei durch Wetzlar ziehen. Ihre von der Naziaktivistin Nicole Becker angemeldete Demonstration stand unter dem Motto „Es geschieht auch vor Deiner Tür …„. Was damit gemeint war, machten die Nazis in polizeilich geduldeten Sprechchören deutlich: Die Therapie, die hilft nicht lang – Kinderschänder an den Strang!„, oder auch „Todsstrafe für Kinderschänder„. In einem Fall erklang das schon gewohnte „Linkes Gezeter – neun Millimeter„. Während der Abschlußkundgebung rief der NPD-Aktivist Sascha Söder (Weilbach / NPD-Kreisverband Wiesbaden-Rheingau) ungehindert und offen zur Selbstjustiz auf: „Wenn in meiner Nachbarschaft ein Kind geschändet wird, erstatte ich definitiv keine Anzeige. Ich habe Verständnis für jeden, der dann zur Selbsthilfe schreitet!“, erklärte er in einem Redebeitrag. Kurz danach rief er dazu auf, Daniel Cohn-Bendit „an die Wand zu stellen“ – wegen dessen angeblichen in den 70ern irgendwann geäußerten Verständnis für Pädophile. Beide Äußerungen sind per Video dokumentiert, ebenso wie eine Äußerung des NPD-Rechtsanwalts Dirk Waldschmidt, der es zwar für „hart„, aber dennoch richtig hielt, zu fordern, Kinderschänder müsse man „an die Wand stellen„. Söder konnte seine Rede unter Polizeischutz offenbar unbehelligt zu Ende führen. Keiner der NPD-Redner ging auf die Frage ein, wieso ausgerechnet ihre Partei, deren ehemaliger Landesvorsitzender Wöll, mehrfach vorbestraft, demnächst wegen schwerer Körperverletzung oder Totschlag vor Gericht steht und deren stellvertretender Landesvorsitzender Mario Matthes kürzlich wegen Körperverletzung verurteilt wurde, sowie deren führender Medienaktivist des Jahres 2007, Kevin Schnippkoweit, am 20. Juli eine Dreizehnjährige beinahe mit einem Klappspaten erschlagen hat – weshalb also eine Partei mit solchen Frontfiguren überhaupt zum Thema Kindersicherheit vor Gewalt etwas zu sagen wagt.  Die Polizei vor Ort schritt gegen die genannten Gewaltaufrufe ebensowenig ein wie gegen den Träger eines T-Shirts mit dem Schriftzug der verbotenen Nazi-Musikformation „Landser“ [muß korrigiert werden: der Träger des T-Shirts wurde festgenommen, siehe unten, Kommentar // Korrektur der Korrektur: siehe unten, Kommentare].
Der Demozug der Nazis konnte an zwei Stellen blockiert werden, bis die Polizei die Blockaden abräumte. Bei Vorkontrollen stellte die Polizei bei einigen Nazis „verbotene Gegenstände“ sicher, worunter konkret u.a. Quarzandhandschuhe zu verstehen sind. Die Abschlußkundgebung ist derzeit noch im Gang.  Weitere Infos, Links zu Einschätzungen der AntifaschistInnen vor Ort und Fotos folgen.

Im offiziellen Polizeibericht ist von den Entgleisungen des Sascha Söder nichts zu finden.
Berichte von HR, Indymedia, DGB.

Allgemeine aktuelle Informationbroschüre zur NPD (apabiz e.V.)

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7 Gedanken zu “Wetzlar: Polizei setzt NPD-Demo durch / zeitweilige Blockaden an einigen Stellen der Route / erneut massive Nazi-Gewaltaufrufe unter dem Schutz der Polizei

  1. Wer aktiv diejenigen beschützen tut,die zu Mord und Gewalt und Verbrechen
    aufrufen (wie hier in Wetzlar geschehen) macht sich zu einem
    von denen.Menschenrechte und Gesetze sollten von der
    Polizei beschützt werden,statt Nazi-Verbrechern
    vorschub zu leisten.

  2. Ist das nicht schlimm, dass die Demonstrationsfreiheit sogar für die NPD gilt, die legal agiert? Ich meine ja. Die Demokratie gehört endlich abgeschafft, mit ihren blöden Grundrechten. Oder? :)

  3. Danke, Olaf, daß Du als Anhänger des Instituts für Staatspolitik und der „Blauen Narzisse“, auf der Du ja ständig bloggst, Dich so offen für die NPD einsetzt. Das hatten wir ja schon immer vermutet!

  4. Polizei-Pressesprecher Schramm und ich haben die Passage „…an die Wand stellen“ deutlich gehört. Meine Aufforderung, dass doch spätestens jetzt eine Beendigung des Nazi-Aufzuges geboten sei, beantwortete er sinngemäß: ‚Ja, was wird wohl der Richter meinen, was damit gemeint ist. Jemanden an die Wand zu stellen, ist doch nicht strafbar.‘

  5. @K.Bohling:

    Ich möchte Dich bitten, uns an unsere hiesige Kontaktadresse eine Zeugenaussage zu schicken, in der Du Deine obige Aussage wiederholst. Wir benötigen dafür auch Deinen Namen. Vorfälle dieser Art werden von uns dokumentiert. Es wäre super, wenn Du uns dabei unterstützen würdest. Danke!
    Kontakt: mailffm-web @ yahoo.de (Leerzeichen entfernen)

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