„Wenn die Börenkurse fallen …“ – das Wort zum Sonntag!

Das Allerneueste zur aktuellen Finanzkrise:
[update: es hat sich auch zu uns herumgesprochen – dieses Gedicht ist nicht von Kurt Tucholsky…]

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen –
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, Weltbühne, 1930

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4 Gedanken zu “„Wenn die Börenkurse fallen …“ – das Wort zum Sonntag!

  1. Sehr hübsch ist auch Tucholskys „Kurzer Abriß der Nationalökonomie“: http://www.textlog.de/tucholsky-nationaloekonomie.html
    Mein Lieblingssatz daraus ist: „Was die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.“ Ein wichtiger Merksatz für die GlobalisierungskritikerInnen, die die Globalisierung für eine Erscheinung des 21. Jahrhuunderts statt für eine Grundtendenz des Kapitalismus halten.

  2. Da kann ich nur zustimmen. Ein Text, der sogar noch älter ist als Tucholsky und dennoch die gegenwärtigen Verwerfungen gut erklärt findet sich zB. hier.

  3. Alles TUCHO oder doch nicht ?

    Das Gedicht „Wenn die Aktienkurse fallen“ geistert als angebliches Tucholsky-Werk durchs Internet, qwird auf hölxhter Eben in DGB-Gewerkschaften verteilt wie die Heuschrecken-Geschichten (nach Auskunft des ver.di Aktivisten und Schauspielers Rolf becker, selbst trendinfo partisan fiel darauf rein und es ist sogar bei SteinbergRecherche zu lesen. jW-Autor Werner Pirker findet es auvch nicht so schlecht, auch wenn es aus der rechten Ecken astammen sollte “ immerhin besser als die Kritik am Finanzkapital als Antisemitismus zu denunzieren (wie der Professor UnSinn; HaBE). Das stimmt ja auch aber: Es ist nicht nur eine Fälschung aus der Feder eines bei der rechten „Zeitbühne“ schreibenden FPÖ-Freundes aus Österreich, sondern es ist auch inhaltlich ein Wechselbalg. Die Debatte um das Gedicht nimmt auch im internet zu und es wird dabei der Versuch der Erklärung des Unterschieds zwischen Ausplünderung und Ausbeutung gemacht: für den Scheideweg zwischen National- und wirklichen Sozialisten eine entscheidenede Frage. Die Ausplünderung des Kleinbürgertums mit seinenr folgenden Verwandlung in stinknormale Proleten ist Bestandteil der Kapitalkonzentration, der Akkumulation des Kapitals –
    aber sie ist nicht ihr wesentlicher Kern. Die Kleinbürger hättens gern, dass sie nicht geplündert werden, in der Geschichte hat sich gezeigt, dass sie selbst wenn genügend Beute vorhanden ist, etwas mitplündern dürfen. Ich will hier gar nicht nur auf die Schnäppchenjagd am 9. November 1938 hinweisen. Auch nicht darauf, wie aus den Anführern der Frankfurter Kleinbürger schließlich Großbürger wurden, wenn sie ihre Konkurrenten aus dem Feld geschlagen hatten z.B. durch Hungerlöhne in der frühen Industrie ..

    Wenn dieser Artikel jetzt wieder bei Indymedia rausfliegt, frage ich schon Mal prophylaktisch nach, wer diesem Artikel Asyl gewährt? Verbreitet ihn bitte so weit wie möglich, denn es gehen geschickte Rattenfänger um und denen muss auch im randbereich von attac und bei indymedia das Handwerk gelegt werden. Mussolini stammte aus dem Movimiento Sociale Italiana (MSI) und Adolf Hitler mit seinen frühen Spießgesellen um den SA-SubChef Strasser eben aus der nationalSOZIALISTISCHEN deutschen ARBEITER-Partei. NPDler und FPÖler können mit einem solchen Plagiat gut im hüben und Trüben fischen.

    Wieterlesen bei http://www.barth-engelbart.de.vu

  4. Ich weiß nicht, wen Stephan mit „GlobalisierungskritikerInnen“ meint. Sollte er sich auf eine angeblich verkürzte Kapitalismus-Kritik von attac beziehen, so empfehle ich ihm, sich mit Veröffentlichungen von Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirates von attac zu beschäftigen, u.a. mit Jörg Huffschmid „Politische Ökonomie der Finanzmärkte“, „Die Privatisierung der Welt“.
    Ich lade ihn herzlich zu der Veranstaltung „470 000 000 000 Euro – nur Rettungspaket oder gibt’s auch Alternativen zum Finanzkapitalismus“ am 20. November im DGB-Haus ein. Herbert Bayer (ver.di), Wilfried Kurtzke (IG Metall) und Peter Wahl (attac, weed) referieren.

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