Mainzer Studierende fordern den Hinauswurf von Mario Matthes aus der Mainzer Universität

Das Bündnis Mainzer Studierender gegen rechte Gewalt an die Gutenberg Universität Mainz fordert den Ausschluß des stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden Mario Matthes aus  der Universität Mainz.
Mario Matthes ist gerade wegen einer schweren Körperverletzung, begangen auf dem Campus der Mainzer Uni an einem Antifaschisten, zu elf Monaten Haft auf Bewährung  verurteilt worden. In einem ersten Verfahren hatte die Uni-Leitung in Mainz nicht klar reagiert, sondern dem Geschlagenen empfohlen, sich doch künftig eine Trillerpfeife anzuschaffen.  Das Bündnis stellt in einem Anschreiben auch den Zusammenhang zwischen magelnder Klarheit der Universitätsleitung und einem weiteren Fall her, in den ebenfalls ein mainzer Student verwickelt ist: der militante Antisemit und Naziaktivist Sascha Söder, der zuletzt mit dem Satz aufgefallen war, er sei dafür „alle Juden human zu erschießen“. Auszug aus dem Text des Anschreibens,  Erklärung des Bündnis, Hintergründe, Kontakt für Solidaritätserklärungen:

Wir bedauern, dass auch die zweite Verurteilung des Schlägers die Verantwortlichen nicht zum Handeln bewegen konnte. Angesichts des Urteils fordern wir die Verantwortlichen auf, von der Version einer einvernehmlichen „Auseinandersetzung zwischen zwei Männern“ Abstand zu nehmen, und sich für diese verletzende Äußerung beim Betroffenen zu entschuldigen. Da mittlerweile das Opfer von Mario Matthes auf einschlägigen rechtsextremen Websites namentlich mit Wohnort genannt wurde, sehen wir in dem NPD-Kader auch in Zukunft sehr wohl eine Gefahr für seine Mitmenschen. In diesem Kontext sind wohl auch die Äußerungen eines Mitglieds des Rechtsauschusses zu sehen, das Opfer solle sich eine Trillerpfeife zulegen und das Universitätsgelände nicht mehr alleine betreten. Aus diesem Grund haben wir seit Semesterbeginn mehrere Hundert Trillerpfeifen an unsere MitstudentInnen verteilt, wir hoffen, auf diese Weise weiteren rechtsradikalen Übergriffen auf dem Campus vorzubeugen.
Wir forden die Uni-Leitung ebenfalls auf, anlässlich der kürzlich bekannt gewordenen Forderungen des Studenten und NPD-Funktionärs Sascha Söder, Juden „human zu erschießen“ und „Israel wegzubomben“, Stellung zu beziehen. Derartige Äußerungen, die auf dem Campus nicht nur für jüdische Kommilitonen und Kommilitoninnen ein mehr als unangenehmes Klima erzeugen, dürfen nicht unkommentiert bleiben.
Wir begrüßen die erneute Einberufung des Exmatrikulationsausschusses, bis die Uni sich aber tatsächlich zu Konsequenzen entschließt, fürchten wir, dass das Ziel dieser Bemühungen eher darin liegt, öffentliche Kritik abzuwenden. Anstatt zu handeln, und dem Treiben von Neo-Nazis auf dem Campus entgegenzuwirken, übt sich die Uni-Leitung wie bisher in Schadensbegrenzung.“

Erklärung des Bündnis Mainzer Studierender gegen rechte Gewalt an die Gutenberg Universität Mainz
Am Montag, den 11.8. wurde der stellvertretende Vorsitzende der hessischen NPD, Mario Matthes, wegen gefährlicher Körperverletzung an einen Kommilitonen in Abwesenheit zu 11 Monaten Haft verurteilt, ausgesetzt auf 3 Jahre auf Bewährung. Im Januar dieses Jahres hat der bekennende Neo-Nazi Mario Matthes einen Kommilitonen, den er als Teilnehmer einer antifaschistischen Kundgebung wiedererkannte, in der Universitätsbibliothek bespuckt und beleidigt. Später schlug er ihn auf dem Parkplatz vor dem Bibliotheksgebäude zusammen und ließ ihn schwer verletzt zurück.
Der Exmatrikulationsausschuss, der daraufhin zusammentrat, konnte in diesem Vorfall jedoch keine
Störung des Uni-Betriebs „im allgemeinen“ ausmachen, und beließ es daher bei einer offiziell ausgesprochenen Rüge. Dabei verlässt sich die Universität anscheinend auf die Aussage des Täters.
Den einzigen Kontakt, den das Opfer während des Vorgangs mit der Uni-Leitung hatte, war ein Treffen mit zwei Mitgliedern der Rechtsabteilung, bei dem ihm die Gelegenheit gegeben wurde, seine Sicht der Dinge zu erläutern.. Die Uni-Leitung sah ebenfalls keinen Anlass, das Opfer von dem Ausgang des Verfahrens zu unterrichten.
Der NPD-Kader aus dem pfälzischen Otterstadt ist in der rechtsextremen Szene kein Unbekannter. Der bekennende Neo-Nazi („werde ich nicht aufhören mich als Nationalsozialist zu bezeichnen und werde auch weiterhin die Werte und Tugenden aus dem Reich weiter vertreten“[1]) beteiligt sich seit seinem zwölften Lebensjahr an Aufmärschen der Jungen Nationaldemokraten. Nach der Gründung der offen rassistischen und antisemitischen „Bewegung Deutsche Volksgemeinschaft“ (BDVG) nahm er hier Führungspositionen ein, beispielsweise war er „Organisationsleiter“ des BDVG – Gebietsverbandes Rhein-Neckar und zeitgleich Vorsitzender der BDVG – Jugendorganisation „Junge Deutsche“ (JD). Mario Matthes war ebenfalls im „Aktionsbüro Rhein- Neckar“ aktiv, einem Zusammenschluss rechtsextremer Kameradschaften. Ab 2006 war er NPD-Kreisvorsitzender im Kreisverband Mainz-Bingen und Landesvorstandsmitglied in Rheinland-Pfalz. Seit 2007 ist er Stellvertretender Landesvorsitzender der hessischen NPD und in der hiesigen Kameradschaft, den „Nationalen Sozialisten Mainz-Bingen“, aktiv, deren Website auf seinen Namen angemeldet ist.
Seit 2006 studiert Matthes Geschichte und Philosophie in Mainz. Er hatte im Vorfeld angekündigt, in der Universität „für Trubel zu sorgen“[2] und kurz nach seinem Studienbeginn tauchten an der Universität erste Plakate auf, die den Holocaust leugneten und den NS-Kriegsverbrecher Hess verherrlichten. Der tätliche Angriff auf einen Mitstudenten ist ebenfalls nicht der erste Vorfall mit Matthes auf dem Campus. So versuchte eine Gruppe von (teilweise maskierten) Neo-Nazis im November 2006 eine Veranstaltung mit Hannes Heer zu stürmen, Matthes wurde noch auf dem Uni-Gelände von der Polizei aufgegriffen. Da diese Veranstaltung vom ASTA organisiert war, sah die Uni-Leitung ebenfalls keine Störung des Uni-Betriebes und ging nicht weiter gegen Matthes vor.
Die Universitätsleitung behauptet, den Aggressor in der vorliegenden Auseinandersetzung nicht ausmachen zu können, da Aussage gegen Aussage stehe. Allerdings hatte der zuständige Staatsanwalt schon vor dem Prozess deutlich gemacht, dass es für eine Anzeige wegen Körperverletzung unwesentlich sei, von wem der Angriff ausging. Des Weiteren wartete die Universität das Prozessende nicht ab, sondern schuf vollendete Tatsachen, wohl in der Hoffnung, die Angelegenheit ohne größeres Aufsehen zu erledigen. Dabei ignoriert sie die rechtsextremistische Motivation des Übergriffs völlig, ebenso die Tatsache, dass mittlerweile drei
Aussagen von Matthes vorliegen: seine Stellungnahme gegenüber dem Exmatrikulationsausschuss, der Polizeibericht sowie ein Interview mit ihm auf einschlägigen rechtsextremen Websites, die sich alle in wesentlichen Punkten unterscheiden.
Unserer Ansicht nach, versucht die Uni-Leitung, einen Rechtsstreit aus mit dem NPDler aus Angst vor der damit verbundenen Öffentlichkeit zu vermeiden. Auf die Bedürfnisse des Opfers wird dabei nicht eingegangen. Die Gleichgültigkeit der Uni-Leitung fand ihren Höhepunkt in der Aufforderung eines Mitgliedes des Exmatrikulationsausschusses, das Opfer solle sich einen Schrillalarm zulegen und das Universitätsgelände nicht mehr alleine betreten oder verlassen. Wir fordern die Universitäts-Leitung auf, Stellung gegen rechte Gewalt zu beziehen. Wir fordern die Universitäts-Leitung zu Sensibilität gegenüber den Betroffenen auf. Wir sind uns darüber im Klaren, dass eine Zwangsexmatrikulation das stärkste Sanktionsmittel ist, das einer Universität zur Verfügung steht. Da aber nicht davon ausgegangen werden kann, dass Matthes seine neo-nazistischen Aktivitäten an der Gutenberg Universität einstellen wird, und selbst die Universitätsleitung weitere Angriffe von seiner Seite für möglich hält, fordern wir die Uni-Leitung auf, dem Klima der Einschüchterung politisch Andersdenkender entgegenzutreten und eine
Zwangsexmatrikulation gegen Mario Matthes zu erwirken.

Für das Bündnis
Andreas Lohmann
Bündnis Mainzer Studierender gegen rechte Gewalt
Handy: 0160 5724133
buendnis_studierender_mz@gmx.de

ErstunterzeichnerInnen:
Bündnis Mainzer Studierender gegen rechte Gewalt
Wiesbadener Bündnis gegen Rechts
Unabhängiges Kommunikationszentrum Haus Mainusch e.V:
Jugendforum Rhein-Lahn e.V.
Dr. phil. Hans-Christian Petersen, Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Rote Hilfe Mainz/Wiesbaden
Anke Welzenheimer, Referentin für Koordination und Vernetzung des Asta an der Uni Mainz
Antifa Nierstein
MLPD Rhein-Main
REBELL Rhein-Main
Studentisches Bauwagenprojekt mit grässlichem Namen, der eigentlich viel zu lang ist, an der Uni Mainz e.V.
Manuela Schon, Soziologiestudentin an der Uni Mainz und Landesvorstand DIE LINKE.Hessen
DIE LINKE.Wiesbaden Rheingau-Taunus-Kreis
Linksjugend [´solid] Wiesbaden
Linke Liste Wiesbaden
DIE LINKE. im Hessischen Landtag
Weitere UnterstützerInnen:
Anti-Nazi-Koordination Frankfurt
Omid Nouripour, MdB
Ulla Jelpke, MdB, Innenpolitische Sprecherin Fraktion DIE LINKE
Anna Lührmann MdB
Kreisvorstand BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Mainz
Monika Lazar, MdB Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V Kreisverband
Mainz-Bingen
Attac Wiesbaden
Attac Mainz
Antifaschismus-AG an der Uni Mainz
Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Ortsgruppe Wiesbaden
DGB-Jugend Rheinland-Pfalz
Dr. Ruth Bollongino, Institut für Anthropologie der Universität Mainz
Uwe Bork, Billigheim-Ingelheim
Dr. Hedwig Brüchert, Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
Dr. Thorsten Hindrichs, Musikwissenschaftliches Institut der Universität Mainz
Dr. Lars Hoffmann, Historisches Seminar der Universität Mainz
Wolfgang Holzner, Netzwerk Südpfalz gegen Extremismus – Für Zivilcourage
Dominik Kasper, studentische Hilfskraft am Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
OStR. Karl-Wilhelm Koch, Berufsschullehrer und Beratungslehrer für Gewaltprävention an der BBS Wittlich
Karsten S. Lorek, Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
Gabriele Nicklis, Beisitzerin im Landesvorstand Rheinland-Pfalz der PBC
Dr. Pia Nordblom, Historisches Seminar der Universität Mainz
Sabine Reichert, M.A., Historisches Seminar der Universität Mainz
Dr. Felix Römer, Historisches Seminar der Universität Mainz
Anna Sauerbrey, M.A., Historisches Seminar der Universität Mainz
Torsten Schrade, Projektmitarbeiter am Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
Sarah Spieß, Projektmitarbeiterin am Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
Dr. Andreas Frings, Historisches Seminar der Universität Mainz

[1] http://kf.x-berg.de Forum des Aktionsbüro Rhein-Neckar
[2] http://de.altermedia.info/general/nbk-interview-mit-dem-studenten-mario-matthes-uberantifaschismus-an-der-universitat-mainz-280208_13063.html

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Ein Gedanke zu “Mainzer Studierende fordern den Hinauswurf von Mario Matthes aus der Mainzer Universität

  1. würde es in einer Firma passieren, daß ein Mitarbeiter von einem Kollegen auf diese Weise „behandelt“ werden würde, wie es der Neonazi mit dem Kommilitone getan hat könnte das Opfer die Firma verklagen, wenn diese nicht bereit ist, dem Schläger fristlos zu kündigen, und zwar unabhängig vom bereits angelaufenen Prozeß wegen Körperverletzung.

    Ist das in einer Universität in solch einem Fall anders?

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