Hintergrund zum Abgang: Kritik der kritischen Kritik

Die autonome antifa [f] hat eine Auswertung der Konflikte im „Bündnis 14. Januar“ veröffentlicht, das vordergründig an unvereinbaren Positionen zum Gazakrieg gescheitert war – mehr als nur zu vermuten sind allerdings sehr viel tiefer liegende und grundsätzliche Unterschiede und Unvereinbarkeiten politischer Konzepte von Gruppen wie antifa [f], der Jugendantifa, Antifa Bell etc. einerseits, Gruppen wie der Initiative für den Aufbau der 3. Reihe, der Anti-Nazi-Koordination, Alerta, verschiedenen MigrantInnenorganisationen, SDS und anderen. Dieser Konflikt ist auch der aktuelle Hintergrund (aber sicher nicht der ganze Grund) für den Abgang einer Gruppe von fünf ehemaligen MistreiterInnen der Anti-Nazi-Koordination, die sich im Konflikt  zu der ersteren der oben genannten Gruppen hielten. Dazu paßt, daß am vergangenen Montag eine zentrale Person der antifa [f], die normalerweise nie an der Arbeit der ANK teilnahm, den grußlosen Abgang schweigend miterlebte – ein einigermaßen seltsamer Vorgang.  War er Zeuge? Beobachter? Händereibender Voyeur?
Die fünf „Ehemaligen“ haben sich explizit geweigert, uns ihre Austrittserklärung zu übergeben oder sie zu veröffentlichen. Damit machen sie bewußt eine öffentliche Auseinandersetzung unmöglich.
In Ermangelung dessen wird im Folgenden das eingangs genannte Papier der antifa [f] und eine Reaktion aus der ANK auf dieses Papier dokumentiert: es lohnt sich, mal wieder die dritte Feuerbachthese zu lesen.

autonome antifa [f]: „Halbe Wahrheiten und ganze Lügen„: antifa [f]
ANK: „Antifaschismus und andere Zumutungen in der Sicht kritischer Kritik“ : ank

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2 Gedanken zu “Hintergrund zum Abgang: Kritik der kritischen Kritik

  1. Hans-Christoph, deine Scheinheiligkeit ist menschlich enttäuschend.

    Als ob du nicht genau wüsstest, was die Gründe für den Austritt der Leute waren. Sie haben ihre Erklärung doch vorgelesen und darin erklärt, dass u.a. die aus antifaschistischer Perspektive untragbaren Positionen in der ANK zu Relativierung von Naziverbrechen (Stichwort Lenningrad) und Antisemitismus, sowie die vollkommen einseitige Fixierung auf Israel einerseits und andererseits der stalinistische Freund-Feind Debattenstil von Alerta und Co eine vernünftige Zusammenarbeit unmöglich gemacht haben.

    Dein Statement zur Antifa Erklärung bleibt übrigens genau diesem Stil treu. Keine inhaltliche Auseinandersetzung, kein eingehen auf berechtigte Kritik, nur gepöbel und aus dem Zusammenhang gerissene Zitate.

    Und zu deinen raunenden Verschwörunstheorien über irgendwelche „Zeugen, händereibenden Voyeure“, etc. fällt mir gar nichts mehr ein…

    Ab jetzt auch grußlos,

    X

  2. Hallo X,

    sie haben ihre Erklärung doch vorgelesen“ – aber mit dem, was dort verlesen wurde, kann ich mich hier nicht öffentlich auseinandersetzen, weil es niemand kennt. Es geht doch nicht um mich persönlich. Es geht hier um einen politischen Vorgang, dessen Argumentationsgrundlage von einer der beiden Konfliktparteien in einem seltsamen black-box-Verfahren einem recht zufällig zusammengesetzten Kreis vorgelesen, aber dessen Veröffentlichung ausdrücklich ausgeschlossen wird.

    Das hat verdunkelnde Konsequenzen. Absichtlich?
    Beispiel: ich lese bei Dir raunend – „Stichwort Leningrad„. Das führt zu der Diskussion auf diesem Blog hier, die zu dem Posting „Gegen Faschismus und Krieg – auch am 14. Januar“ geführt wurde. Wer diese Diskussion absichtsvoll nur ausschnittweise (wie die antifa [f]) so widergibt, als hätte ich persönlich das Vorgehen der israelischen Armee mit dem der Nazi-Wehrmacht verglichen, kann oder will nicht vollständig lesen oder lügt mit Absicht.

    Welche „untragbaren Positionen“ zum Thema Antisemitismus hat die ANK, habe ich denn vertreten? Ich kenne nicht einmal den Inhalt dieser Vorwürfe an meine Adresse genau. Ich weiß nur, daß ich seit Monaten in gewissen Blogs als „Antisemit“ bezeichnet werde, wozu mir noch vor wenigen Wochen exakt die jetzt Ausgetretenen immer wieder schulterklopfend versichert hatten, sowas schrieben doch nur ein paar irrelevante Spinner. Einer der Ausgetretenen hat noch vor wenigen Tagen eine öffentliche Erklärung der ANK mitgetragen, in denen diese übrigens durchaus auch gewaltförmigen Vorwürfe zurückgewiesen wurden.

    Einseitige Fixierung auf Israel„??
    Du meinst wohl meine Parteinahme für die israelischen KriegsgegnerInnen, die israelische Linke einschließlich ihres antizionistischen Flügels, die Du hier allenthalben seit langem nachlesen kannst.
    Wer repräsentiert denn Israel besser? Etwa Liebermann? Netanyahu? Livni? Barak? Oder gar Matan Vilnai mit seinem jüngsten Holocaust-Vergleich?
    Dein Problem und das aller Freunde, die so argumentieren wie Du, liegt darin, daß Ihr ständig Solidarität mit „Israel“ verlangt, als sei dieser Staat ein in sich widerspruchsfreies, harmonisch-organisches Gebilde. Das ist Quatsch. In Israel leben sowohl Avigdor Liebermann als auch Moshe Zuckermann oder Uri Avnery. Man kann schlechthin nicht auf der Seite von ihnen allen stehen. Man muß sich entscheiden, und zwar auch im Interesse Israels.
    Meine Entscheidung ist klar. Und sie stinkt Euch. Dann sagt das doch offen, steht Euch doch frei! Aber ich nehme damit nicht „für“ oder „gegen“ Israel Stellung, sondern für politische Positionen in Israel – und zugleich auch für emanzipatorische, linke Positionen in Palästina. Darin sehe ich keinen Widerspruch.

    Keine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem antifa-statement„?
    Ich finde es schon ziemlich „inhaltlich“ und dringend nötig, das elitäre Politikkonzept, das aus dem antifa [f]-statement ja nun förmlich in die Augen springt, als solches angegriffen zu haben, um nur ein Beispiel zu nennen. Wieso ist das „keine inhaltliche Auseinandersetzung?“ Und ich bin, wie Dir sicherlich bekannt ist, bei weitem nicht der einzige, der das Politikkonzept der antifa [f] ablehnt, und zwar seit langem. Trotzdem hat sich die ANK zB. anlässlich des Polizeieinsatzes gegen die Nachttanzdemo auch mit allen DemonstrantInnen einschließlich der antifa [f] solidarisch erklärt – schon vergessen? Wir haben uns nicht aufgrund auch tiefgreifender politischer Differenzen öffentlich von der antifa [f] distanziert. Um diese Politik sind lange Zeit heftige Auseinanersetzung in der ANK geführt worden. Du weiß vermutlich ganz genau, auf welcher Seite ich dabei gestanden habe. Aber wer uns jetzt nach Jahren der Zusammenarbeit als einen Haufen von Antisemiten darstellt (komisch, daß Euch das vorher nie ein Problem gewesen zu sein scheint!), der wird ja schon im eigenen Interesse nichts mehr mit uns zu tun haben wollen. Und ich umgekehrt will nichts mit Leuten zu tun haben, die kein Problem mit Leuten haben, die aus ihrer Sicht Antisemiten sind.

    Zum letzten Punkt: welche schweigende Funktion hatte denn der antifa [f] – Vertreter bei dem Verlesen Eurer Austrittserklärung, in dem die fünf Austretenden allesamt namentlich benannt wurden – er aber nicht? Wieso kam und ging er dann schweigend wie ein Ölgötze mit Euch herein und hinaus – obwohl er sonst an insgesamt höchstens fünf Sitzungen der ANK teilgenommen hat? Es war fast wie im Struwwelpeter: „Und der xy blickte stumm / auf dem ganzen Tisch herum„. Sich so zu verhalten stellt ein Rätsel dar. Und Rätsel wollen nun mal gelöst werden.

    Du schreibst am Schluß, auch Du werdest mir fortan grußlos begegnen. Leider weiß ich nicht, wer Du bist. Sonst könnte ich Dir hier und jetzt versichern, daß ich mich daran meinerseits nicht halten werde. Ich lehne es ab, auf Kommando so zu tun, als kennte ich Menschen, mit denen ich mich bis vor wenigen Tagen ziemlich befreundet fühlte, plötzlich nicht mehr. Sowas grenzt in meinen Augen an Kindergarten oder auch mir unbekannte Bräuche eines fernen Indianerstammes, sorry for that.

    In diesem Sinne beste Grüße, X!

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