Schaeffler KG – ein deutsches Unternehmen mit Tradition

Vermutlich haben viele das Bild mit Maria-Elisabeth Schaeffler, Matriarchin des im Familienbesitz befindlichen Autozulieferers Schaeffler KG, privat sechsfache Euro-Milliardärin, gesehen, wie sie mit IG Metall-Chef Berthold Huber vor den Kameras der Medien um Staatsknete für ihr verpatztes Spekulationsgeschäft bittet, bei Conti voll einzusteigen.

Das wie immer außerordentlich lesenswerte Info-Portal German Foreign Policy hat sich auf die Spur der Geschichte des Unternehmens gesetzt: bei Schaeffler handelt es sich demzufolge um einen vermutlich 1940 „arisierten“ Textilbetrieb ehemals jüdischer Eigentümer, der nach seiner „Arisierung“ voll ins Rüstungsgeschäft einstieg, auf die Produktion von Panzerketten spezialisiert war, aber anscheinend auch Menschenhaar „verwertete“, dessen Herkunft aus faschistischen Vernichtungslagern mehr als wahrscheinlich ist.  Damit wäre Schaffler geradezu ein Musterbeispiel der Verwicklung deutschen Finanz- und vor allem Rüstungskapitals in die antisemitische Vernichtungsgeschichte des Nazireiches und seiner imperialistischen Eroberungskriege – aber auch ihrer Macht- und Einflußkontinuität bis heute.  Wir dokumentieren zwei darauf bezogene Artikel „Vom Ursprung deutschen Reichtums I und II“ im Folgenden:

Vom Ursprung deutschen Reichtums I
HERZOGENAURACH/KIETRZ (Eigener Bericht) – Kriegsgeschäfte der deutschen Unternehmerfamilie Schaeffler aus den frühen 1940er Jahren sorgen für Debatten im südlichen Polen. Die Gründer der Firma, die sich derzeit um staatliche Milliardenbürgschaften bemüht, begannen ihre unternehmerischen Aktivitäten entgegen offiziellen Angaben nicht erst 1946. Vielmehr nutzten sie für ihren Nachkriegs-Start Know-How und Gerät einer ehemals jüdischen Fabrik in Kietrz nahe der polnisch-tschechischen Grenze, die sie sich bald nach Kriegsbeginn angeeignet hatten. Der kurzerhand in „Schaeffler AG“ umbenannte Betrieb stellte bis 1944 Textilien und Panzerteile für die Wehrmacht her; Maschinen und Fachpersonal wurden Anfang 1945 in den Westen verbracht und ermöglichten der Schaeffler-Firmengruppe ihren schnellen Aufstieg. Hinweise von Historikern führen zu Geschäftsbeziehungen der Unternehmensgründer mit der Abteilung Menschenverwertung im Vernichtungslager Auschwitz.
Die Geschichte der deutschen Firmengruppe Schaeffler sorgt bereits seit dem vergangenen Sommer für Debatten im südlichen Polen. Dort war das Familienunternehmen bis Kriegsende angesiedelt. Im Juli 2008 machte Schaeffler mit Aktivitäten zur Übernahme des prominenten Automobilzulieferers Continental internationale Schlagzeilen und muss sich jetzt wegen mangelnder Liquidität um eine staatliche Bürgschaft in Milliardenhöhe bemühen. Wie Beobachter aus dem polnisch-tschechischen Grenzgebiet meinen, basierte der schnelle Aufstieg der Firma nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Kriegsgeschäften im südpolnischen Kietrz, das damals Katscher hieß und zur preußischen Provinz Oberschlesien des Deutschen Reichs gehörte. Recherchen dieser Redaktion zufolge profitierten die Eigentümer in der NS-Zeit von den kriminellen Machenschaften der deutschen Expansions- und Rassepolitik.

Arisiert
Laut Angaben der Schaeffler Gruppe beginnt ihre Firmengeschichte erst in der Nachkriegszeit. Demnach gründeten die Brüder Wilhelm und Georg Schaeffler 1946 im fränkischen Herzogenaurach die INA KG, den Kern des heutigen Familienunternehmens. Tatsächlich hatten sich die Brüder Schaeffler bereits kurz nach Kriegsbeginn die Textilfirma „Davistan Krümmer-, Plüsch- und Teppichfabriken AG“ in Katscher angeeignet. Die einst bedeutende Fabrik hatte zu ihren Hochzeiten mehr als 1.500 Menschen beschäftigt; sie gehörte bis 1933 einem jüdischen Besitzer, der bald nach der Machtübertragung an die NSDAP sein Eigentum verlor.[1] Wilhelm Schaeffler, im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit bei der Dresdner Bank reichsweit mit „Wirtschaftlichkeitsprüfungen“ befasst, war 1939 auf den unter der Aufsicht eines Bankenkonsortiums stehenden Betrieb aufmerksam geworden und hatte seine Übernahme in die Wege geleitet. Die kurzerhand in „Schaeffler AG“ umbenannte Firma produzierte schon wenig später nicht nur Textilien – wie es in Berichten heißt, unter anderem für die Wehrmacht -, sondern erweiterte ihre Palette mitten im Krieg auf die Herstellung sogenannter Nadellager.

Für Panzerketten
Die Nadellager bildeten bald den eigentlichen Schwerpunkt des Betriebs. Die Schaeffler AG lieferte „Großserien von Nadellagern für Panzerketten“, heißt es in einem Text zum ehrenden Gedenken an Wilhelm Schaeffler, der im Amtsblatt der Stadt Herzogenaurach veröffentlicht wurde; dort hat das Familienunternehmen heute seinen Sitz.[2] Katscher galt für die Rüstungsindustrie als günstig, weil die schlesische Gemeinde außerhalb der Reichweite alliierter Flugzeuge lag. Erst als sich Anfang 1945 die Rote Armee dem Gebiet näherte, stoppte die Firma die Produktion – und verbrachte einen Teil ihrer Maschinen und Rohstoffe samt mehreren hundert Angestellten nach Westen.

Ursprung in Kietrz
Maschinen und Know-How aus Katscher, dem heutigen Kietrz, bildeten die Grundlage für den raschen Nachkriegserfolg der Schaefflers. Mit der Neugründung ihrer Firma unter dem Namen INA im Jahr 1946 stiegen sie erneut in die Nadellagerproduktion ein – und belieferten neben der US Army bald auch die deutsche Automobilindustrie. Ihre heutige Stellung verdankt die Schaeffler Gruppe, deren rund 66.000 Mitarbeiter 2007 an mehr als 180 Standorten weltweit einen Umsatz von fast neun Milliarden Euro erwirtschafteten [3], maßgeblich der Nadel- bzw. Wälzlagerproduktion und deren Ursprung in Kietrz. Das gilt auch für den legendären Reichtum der Familie, die zuletzt auf der Rangliste der wohlhabendsten Menschen der Welt Rang 104 einnahm. Die Schaeffler’sche Textilsparte, die ebenfalls ihren Ursprung zu Kriegszeiten hat und in den 1950er Jahren zu den größten deutschen Firmen der Branche gehörte, wurde anders als die Wälzlagerproduktion Ende der 1980er Jahre stillgelegt.

Menschenhaar
Auf die Textilsparte der damaligen Schaeffler AG richtet sich das Interesse polnischer Historiker, die möglichen Geschäftskontakten des Unternehmens zum Vernichtungslager Auschwitz nachgehen. Die Hinweise betreffen die Verwertung von Menschenhaar in Betrieben der deutschen Textilindustrie. Wie der Historiker Andrzej Strzelecki schreibt, der am Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau (Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau) tätig ist, wurden nach dem Abzug der Deutschen aus Kietrz 1945 große Mengen Menschenhaar in einer dortigen Fabrik gefunden. Laut Strzelecki handelte es sich um die „Teppichfabrik G. Schoffler AG“.[4] Derselbe Befund ist einer Veröffentlichung des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau zu entnehmen; dort ist von einer „Teppichfabrik G. Schoeffler AG“ die Rede.[5] Der Name „Schoffler“ ist für Katscher ebensowenig belegt wie „Schoeffler“; dies gilt nicht zuletzt für umfangreiche Bestandslisten aus dem Milieu der deutschen Vertriebenen, in denen die ab 1945 aus Katscher geflohenen oder umgesiedelten Personen verzeichnet sind.[6] Vielfältig belegt ist hingegen der Name „Schaeffler“.

Industrielle Verwertung
Wie es in der Publikation des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau heißt, konnten Wissenschaftler an den in Kietrz aufgefundenen Menschenhaaren Zyanwasserstoff nachweisen. Zyanwasserstoff war Bestandteil des Giftgases („Zyklon B“), mit dem die Nazis ihre Opfer in den Gaskammern ermordeten. In Kietrz wurden zudem mehrere Ballen Haargewebe sichergestellt [7], die die industrielle Verwertung menschlichen Haares belegen. Ähnliche Verwertungen fanden in verschiedenen Betrieben der deutschen Textilindustrie statt – Andrzej Strzelecki berichtet unter Berufung auf Archivquellen in Polen unter anderem von Produktionen für die Wehrmacht.[8] Das Gewicht der in Kietrz aufgefundenen Menschenhaare gibt Strzelecki mit 1.950 Kilogramm an. Angaben von Historikern zufolge entspricht dies dem Haar von rund 40.000 Menschen.

Nicht aufgeklärt
Dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau zufolge wurde die Textilfabrik, in der die Menschenhaare aus Auschwitz gefunden wurden, nach dem Krieg verstaatlicht.[9] Darüber, wie die Haare in die Textilfabrik gelangten, sind keinerlei Details bekannt. Quellen aus dem Polnischen Staatsarchiv in Opole behaupten, dass es sich bei dem nach dem Kriege verstaatlichten Werk um die Schaeffler’sche Textilfabrik gehandelt habe. Eine präzise Aufklärung steht bis heute aus.
[1] Schaeffler, Georg; Neue deutsche Biographie Band 22, Rohmer – Schinkel, Berlin 2005
[2] Ehrenbürger Dr. Wilhelm Schaeffler (1908 bis 1981). Zum 100. Geburtstag; Amtsblatt der Stadt Herzogenaurach 13/2008
[3] Schaeffler Gruppe; http://www.ina.de
[4] Andrzej Strzelecki: The Plunder of Victims and Their Corpses, in: Yisrael Gutman, Michael Berenbaum (Ed.): Anatomy of the Auschwitz Death Camp, Bloomington, 1994
[5] Auschwitz, 1940 – 1945 : Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz; Bd. II (Die Häftlinge – Existenzbedingungen, Arbeit und Tod); Verlag des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Oswiecim 1999
[6] Derartige Listen wurden gewöhnlich auch mit dem Gedanken erstellt, künftige Entschädigungsansprüche gegenüber den Herkunftsländern der Umgesiedelten vertreten zu können. Verzeichnet wurden deshalb alle, deren Flucht bzw. Umsiedlung in Erfahrung gebracht werden konnte. Dies galt auch für Persönlichkeiten, die aufgrund ihrer Stellung im Herkunftsort eine gewisse Prominenz besaßen.
[7] Auschwitz, 1940 – 1945 : Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz; Bd. II (Die Häftlinge – Existenzbedingungen, Arbeit und Tod); Verlag des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Oswiecim 1999
[8] Andrzej Strzelecki: The Plunder of Victims and Their Corpses, in: Yisrael Gutman, Michael Berenbaum (Ed.): Anatomy of the Auschwitz Death Camp, Bloomington, 1994
[9] Auschwitz, 1940 – 1945 : Studien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz; Bd. II (Die Häftlinge – Existenzbedingungen, Arbeit und Tod); Verlag des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, Oswiecim 1999

Vom Ursprung deutschen Reichtums II

Vom Ursprung deutschen Reichtums (II) 27.02.2009
HERZOGENAURACH/KIETRZ (Eigener Bericht) – Die Schaeffler Gruppe räumt bislang verschwiegene Kriegsgeschäfte ihrer Firmengründer im NS-Reich ein. Demnach geht der heutige Konzern nicht nur auf ein Vorgängerunternehmen zurück, das 1940 billig zu erwerben war, weil sein jüdischer Eigentümer hatte fliehen müssen. Die Maschinen, mit denen die Schaefflers nach Kriegsende ihre Unternehmertätigkeit fortführten, entstammten zudem der Rüstungsproduktion für die Wehrmacht. Während des Zweiten Weltkriegs beutete die Unternehmerfamilie schließlich auch polnische, sowjetische und französische Zwangsarbeiter aus. Dies ist einem Gutachten des Historikers Gregor Schöllgen zu entnehmen. Es bestätigt kürzlich publizierte Recherchen dieser Redaktion. Unklarheit herrscht nach wie vor über die Frage, ob Geschäftskontakte der früheren Schaeffler AG aus Katscher (heute Kietrz) zum Vernichtungslager Auschwitz bestanden. Während Schöllgen keine Belege dafür gefunden haben will, berichten polnische Historiker, nach dem Abzug der deutschen Truppen aus Katscher sei in einer dortigen „Schoeffler AG“ mit Giftgas kontaminiertes Menschenhaar sichergestellt worden. german-foreign-policy.com veröffentlicht Auszüge aus den Berichten.

Ergänzungsbedürftig
Mit einer Stellungnahme vom Mittwoch dieser Woche reagiert die Schaeffler Gruppe auf kürzlich publizierte Recherchen dieser Redaktion.[1] Wegen angeblich „falscher Unterstellungen“ trete man nun mit ausführlichen Berichten über die Unternehmensgeschichte an die Öffentlichkeit, erklärt ein Firmensprecher.[2] Allgemein zugänglich ist jetzt eine vierseitige Studie des Historikers Gregor Schöllgen, die in der jüngsten Ausgabe einer Publikumszeitschrift erschienen ist.[3] Tatsächlich bestätigt die Studie weitestgehend die Recherchen von german-foreign-policy.com. Wie inzwischen aus Firmenkreisen verlautet, werde die Schaeffler Gruppe womöglich ihre offizielle Darstellung der Unternehmenshistorie um die Vorgeschichte in der NS-Zeit ergänzen müssen.[4]

Jüdisches Eigentum
Schöllgen bestätigt in seiner Studie die jüdische Vergangenheit der ehemaligen Schaeffler AG. Im Mittelpunkt steht die 1850 in Berlin gegründete Firma „David und Co.“, die 1907 im schlesischen Katscher (heute Kietrz) eine Teppichproduktion eröffnete und dort zwischen 1929 und 1931 mit mehreren Übernahmen expandierte. Der jüdische Firmenbesitzer Ernst Frank sah sich nach dem Beginn der NS-Herrschaft zur Flucht gezwungen. Seine Firma geriet unter dem Namen „Davistan AG“ unter die Kontrolle eines Bankenkonsortiums, darunter die Dresdner Bank, deren Angestellter Wilhelm Schaeffler sie im Oktober 1940 mit zunächst 67 Prozent der Anteile übernahm. Der Preis habe „gut 30 Prozent unter dem Nominalwert“ gelegen, schreibt Schöllgen.[5] Die Davistan AG wurde 1942 in „Schaeffler AG“ umbenannt.

Rüstungsproduktion
Schöllgen bestätigt weiter die umfangreiche Schaeffler’sche Rüstungsproduktion. Demnach erhielt die Unternehmerfamilie seit 1942 Aufträge von der Wehrmacht, die zunächst ein „Abwurfgerät“ für die Luftwaffe, später dann auch „Panzerkampfwagen und Sturmgeschütze“, „Flugzeugbomben und Behälter dazu“ und Maschinenteile in Katscher bestellte.[6] Wichtig wurden besonders Nadellager für Panzerketten, die auch anderweitig einsetzbar waren und für die Schaefflers zur Grundlage ihres Nachkriegserfolges wurden – dieser basierte auf Nadellagern für die deutsche Automobilindustrie, aber auch für die US-Streitkräfte. Schöllgen bestätigt die Einschätzung dieser Redaktion: „Grundlage für den Erfolg (der Schaeffler Gruppe nach dem Zweiten Weltkrieg, d. Red.) sind nicht zuletzt die aus Katscher geretteten Maschinen und Materialien, eine Reihe von Mitarbeitern, die den Schaefflers aus Oberschlesien gefolgt sind, und das Know-how in der Industrienadelfertigung.“

Zwangsarbeiter
Mit seiner Studie erweitert Schöllgen den bisherigen Kenntnisstand vor allem hinsichtlich der von den Schaefflers eingesetzten Zwangsarbeiter. Deren genaue Zahl und ihr Status ließen sich „trotz intensiver Recherchen nicht mehr ermitteln“, schreibt der Historiker: „Sicher“ sei jedoch, dass sich die Schaeffler’sche Rüstungsproduktion polnischer, französischer und sowjetischer Zwangsarbeiter bedient habe. Schöllgen hält es allerdings für „gesichert“, „dass sich Wilhelm Schaeffler gegenüber ‚Polen, Juden und Ausländern‘ stets ‚korrekt‘ verhalten“ habe.[7] Dies hätten „nach dem Krieg mehrere Betroffene (…) übereinstimmend zu Protokoll gegeben“.

Menschenhaar
Während Schöllgen entlastenden Aussagen der ehemaligen Zwangsarbeiter große Bedeutung beimisst, fehlt eine Würdigung mancher belastender Augenzeugenberichte. Dabei geht es vor allem um die Frage möglicher Geschäftsbeziehungen der Schaefflers zum Vernichtungslager Auschwitz. Polnische Historiker berichten, dass nach dem Abzug der Wehrmacht aus Katscher in einer dortigen Fabrik große Mengen Menschenhaar gefunden wurden – ungefähr 1.950 Kilogramm. Dies entspricht laut Berechnungen von Wissenschaftlern dem Haar von 40.000 Menschen. An den in Kietrz sichergestellten Haaren konnten Wissenschaftler Spuren von Zyanwasserstoff nachweisen; Zyanwasserstoff war Bestandteil des Giftgases („Zyklon B“), mit dem die Nazis ihre Opfer in den Gaskammern ermordeten.[8]

Nicht geklärt
Das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau gibt den Namen des Betriebes, in dem das offenbar aus Auschwitz stammende Menschenhaar gefunden wurde, mit „Teppichfabrik G. Schoeffler AG“ an. Eine „Schoeffler AG“ ist für Katscher nicht belegt, sehr wohl jedoch die Schaeffler AG. Einen Hinweis darauf, dass die „Schoeffler AG“ mit der Schaeffler AG identisch sein könnte, liefern Angaben über die Verstaatlichung der Textilindustrie in Kietrz. Sowohl für die vermeintliche „Schoeffler AG“ als auch für die „Schaeffler AG“ wird als Nachkriegsname „Śląskie Zakłady Pluszu i Dywanow“ angegeben. Eine präzise Aufklärung zu dieser Frage bleibt Schöllgen nicht nur schuldig, er behauptet sogar, es gebe „keine Belege“ für den Verdacht: „Vor allem hat sich bislang in keinem der systematisch durchforsteten deutschen Archive im Zusammenhang mit der Firma Schaeffler auch nur ein Hinweis auf Auschwitz oder gar auf Lieferungen von Haarballen gefunden. Das gilt sowohl für das Firmenarchiv als auch für das Archiv der Dresdner Bank oder das Bundesarchiv“.[9] Ein Blick in die einschlägige Fachliteratur über Menschenverwertung in Auschwitz hätte dabei schon genügt, um Hinweise zu finden; german-foreign-policy.com dokumentiert Quellen.[10]

Nicht erzählt
Unklar bleibt auch, welcher Vergehen sich Firmengründer Wilhelm Schaeffler bei seiner sonstigen Tätigkeit im besetzten Polen schuldig gemacht hat. Wie Schöllgen berichtet, war Schaeffler vom 22. November 1946 bis zum 23. Juli 1951 in Polen in Haft. Die polnische Justiz warf ihm vor, „zugunsten des Deutschen Reiches“ und „im Auftrag der deutschen Regierung“ an der „Liquidierung des dem polnischen Staat und den polnischen Bürgern gehörenden Besitzes“ beteiligt gewesen zu sein; später hieß es, dies habe auch „jüdisches Eigentum“ betroffen. „Dieser Ereignisstrang (…) ist erforscht, wenn auch nicht in allen Aspekten rekonstruierbar, und bildet eine eigene Geschichte“, schreibt Schöllgen.[11] Diese Geschichte aber erzählt er nicht.
[1] s. dazu Vom Ursprung deutschen Reichtums
[2] Kriegsprofiteur. Schaeffler legt Nazi-Vergangenheit offen; Welt online 25.02.2009
[3] Gregor Schöllgen: Schaefflers dunkler Schatten; Cicero, März 2009
[4] Kriegsprofiteur. Schaeffler legt Nazi-Vergangenheit offen; Welt online 25.02.2009
[5], [6], [7] Gregor Schöllgen: Schaefflers dunkler Schatten; Cicero, März 2009
[8] s. dazu Vom Ursprung deutschen Reichtums
[9] Gregor Schöllgen: Schaefflers dunkler Schatten; Cicero, März 2009
[10] s. dazu Indizien
[11] Gregor Schöllgen: Schaefflers dunkler Schatten; Cicero, März 2009

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