Nazis in der Wetterau

In der Wetterau existiert nach Angaben des dortigen Polizeidirektors auch nach dem Abgang von Marcel Wöll eine aktive Nazi-Szene, deren Größe mit über hundert Personen angegeben wird.  Dies hänge nicht etwa mit den gesellschaftlich-politischen Verhältnissen in der Wetterau zusammen, sondern, so der Polizeidirektor, „mit der Durchgangslage des Kreises. Hier blieben immer wieder Rechte hängen und nisteten sich ein„. Schuld sind also aus, wie es wörtlich heißt, „übergeordneter Sicht“ die von Außerhalb. Kevin Schnippkoweit, der inzwischen wieder in Butzbach lebt, stelle keine Gefahr dar. Vielmehr sei er höchstens selber ein mögliches Opfer: „Er hoffe nur nicht, so König, dass die Polizei sich irgendwann genötigt sehe, den ehemaligen Butzbacher schützen zu müssen. Denn die Nachricht von seinem Aufenthalt in Freiheit habe im Internet und in der Presse bereits für Schlagzeilen gesorgt.

Hier geht’s zum ganzen Artikel über die Sitaution in der Wetterau:

Noch drei eng vernetzte NPD-Zentren im Kreis
Wetterauer Zeitung, 11.03
Butzbach (bd). Der Rechtsextremismus stellt im Moment aus übergeordneter Sicht kein akutes Problem in Hessen dar. Aber wenn es in einer Organisation verfestigte Strukturen wie in der NPD gebe, sei dies im Wetteraukreis der Fall. Das erklärte der Wetterauer Polizeidirektor Alexander König in einer Veranstaltung des Butzbacher Bündnisses für Demokratie und Toleranz am Montagabend in der Weidigschule, wo König über rechte Tendenzen in Butzbach und Umgebung sprach.
Die Strukturen hingen zusammen mit dem herrschenden System der Rechtspartei, das man im Wetteraukreis habe, aber auch mit der Durchgangslage des Kreises. Hier blieben immer wieder Rechte hängen und nisteten sich ein. In drei eng vernetzten Zentren sei die NPD besonders aktiv: Wölfersheim, Wohnbach und Ortenberg. Jedes Zentrum verfüge über 70 bis 100 Leute.

Aktivitäten seien feststellbar: Am 10. Januar ein hessenweites Treffen mit dem Bundesvorsitzende Udo Vogt in Wohnbach, vor kurzem eine Veranstaltung mit dem Titel »2000 Jahre germanischer Kampf« mit etwa 80 Teilnehmern (darunter der stellvertretende Bundesvorsitzende), ferner ein erweiterter Landesparteitag in Ortenberg, der als Klausurtagung getarnt gewesen sei.

Die Polizei habe Präsenz gezeigt, beobachtet und kontrolliert, man habe außerdem eine verantwortungsvolle und öffentliche Aufklärung betrieben und mit den Teilnehmern gesprochen.

Letztlich habe sich aber das Nachlassen der NPD-Aktivitäten im Wetteraukreis fortgesetzt, bemerkte König, speziell seit Mitte 2008. Das stehe im Zusammenhang mit dem Wegzug des früheren hessischen Landesvorsitzenden Marcel Wöll von Hoch-Weisel nach Thüringen.

An besonderen Vorfällen nannte König körperliche Auseinandersetzungen zwischen NPD-Leuten und Sympathisanten des linken Spektrums in Friedberg. In Butzbach habe es eine Sachbeschädigung gegenüber einer Person gegeben, die sich in einem Aussteigerprogramm befinde.

Die Wetterauer Polizei wolle mit ihrer Präsenz zeigen, dass sie »mit beiden Augen hinschaue«. Das sollten auch die Bürger tun, etwa wenn Rechte versuchten, Lokalitäten für Veranstaltungen anzumieten. Im Zweifelsfall sollten die Vereine und Wirte mit der nächsten Polizeistation Kontakt aufnehmen.

Butzbach sei in dieser Beziehung eine aufmerksame und engagierte Stadt. Auch seine Gemeinde sei in dieser Hinsicht sehr wachsam, stellte Bürgermeister Sigbert Steffens (Ober-Mörlen) fest, der wie sein Kollege Manfred Wetz (Rockenberg) gekommen war.

Für die Stadt Butzbach erklärte Jürgen Eheim vom Ordnungsamt, dass man in letzter Zeit mit der Polizeidirektion in Friedberg eng und gut zusammenarbeite, gerade auch wegen »Wöll und Co.« und wegen der Sonnwendfeiern. Eheim: »Gerade bei denen schrillen bei uns die Alarmglocken.«

In Hoch-Weisel, so König weiter, lebten auch nach Wölls Wegzu Menschen, die rechtem Gedankengut nachhingen. Es stehe jedoch nicht fest, ob sie konkrete rechtsextreme Ideologien verkörperten. Es gebe auch NPD-Mitglieder und Angehörige von rechten Jugendbünden, die Ferienlager für Jugendliche veranstalteten. Man habe im Norden Deutschlands auch eine Person aus Butzbach registriert, als die Polizei ein solches Lager aufgelöst habe. Aber niemand gehöre zum Führungskreis dieser Organisationen. Gleichwohl lebten in Butzbach Leute, die zum »erweiterten Kern« der NPD gehörten. Das habe man bei den Kontrollen vor den Veranstaltungen der Rechten festgestellt.

Auch der 19-Jährige, der im Juli bei einem Überfall auf ein linkes Zeltlager in Nordhessen ein 13-jähriges Mädchen schwer verletzt hatte, stamme aus Butzbach. Zwar sei er zu zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden, doch habe sein Anwalt Dirk Waldschmidt Revision gegen das Urteil eingelegt, sodass der 19-Jährige auf freiem Fuß bleibe, bis das Urteil Rechtskraft erlangt habe. Der junge Neonazi, so König, habe die Auflage erhalten, sich wöchentlich polizeilich zu melden. Es gebe keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass er in seiner Zeit außerhalb der Gefängnismauern anderen Menschen gefährlich werde. Er hoffe nur nicht, so König, dass die Polizei sich irgendwann genötigt sehe, den ehemaligen Butzbacher schützen zu müssen. Denn die Nachricht von seinem Aufenthalt in Freiheit habe im Internet und in der Presse bereits für Schlagzeilen gesorgt.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Nazis in der Wetterau

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s