Rechte Hassparolen, Porno, Drogen – Jugendschutz bei „SchülerVZ“?

Unter dem Titel „Porno, Drogen, rechte Parolen – Wie Jugendschutz bei „SchülerVZ“ funktioniert“ hat 3sat-Kulturzeit über das „soziale Netzwerk“, ähnlich wie Facebook aufgebaut, berichtet (Wdh. des ARD Monitor-Beitrags vom 12.03.*). SchülerVZ, ‚für Jugendliche von 12 bis 21 Jahren‘, mit immerhin knapp 5 Mio NutzerInnen, gehört zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. In der Selbstbeschreibung heißt es, „die Jugendlichen können hier ihr persönliches Profil gestalten, sich mit ihren Freunden vernetzen, Fotos hochladen, Diskussionsgruppen gründen und ihnen beitreten, sich Nachrichten schreiben, Pinnwandeinträge verfassen und über den ‚Plauderkasten‘ miteinander chatten. […] Die Jugendlichen melden sich mit ihrem echten Namen an und verstecken sich nicht hinter anonymen Spitznamen.“ und am 11. März bei SchülerVZ, „Eines der wichtigsten Themen in unserer alltäglichen Arbeit mit und für schülerVZ ist es, … alles für ein möglichst hohes Jugendschutzniveau zu tun.
Doch genau das sieht 3sat-Kulturzeit (bzw. Monitor) anders:

„Wir finden bei der Recherche in dieser Parallelwelt Propaganda für die Jugendorganisation der NPD, einen Klick weiter rechte Hassparolen gegen Ausländer, unzählige Sexbilder, Stellungskunde und Links zu Seiten mit Porno-Videos, detaillierte Drogenrezepte, kinderleicht nachgemacht, und natürlich Mobbing. All das auf einer Seite für Kinder ab zwölf Jahren. „SchülerVZ“ gehört der renommierten Holtzbrinck-Verlagsgruppe, wie das „Handelsblatt“, „Die Zeit“, Rowohlt und der Fischer-Verlag. Jugendgefährdende Inhalte auf einer Schülerseite?“ […]
„Kinder sind ja genauso aktiv und in unserer Gesellschaft wie auch wir Erwachsene“, so der Geschäftsführer von „SchülerVZ“. „Das heißt, die Kinder müssen Ihnen dann melden, dass auf Ihrer Seite Hakenkreuze und Schlagringe auftauchen?“, haken wir nach. Schüler, die sich selbst kontrollieren, sind sicherlich billiger als Filter, neue Server und mehr Personal. Kinder sehen sich gefährliche Inhalte an und sollen sie melden. So funktioniert Jugendschutz bei „SchülerVZ“.

„Wer sich etwa für Schlagringe interessiert, dem wird auch der passende Werbelink geliefert. Ein Klick und Kinder können den eigenen Schlagring bestellen – Werbung, mit der „SchülerVZ“ Geld verdient.
[…]
Halten wir fest: Keine Filter, Kinder als Netzpolizei, jugendgefährdende Inhalte. So kommen Pornobilder und Drogentipps direkt zum Schüler. Wer aber kontrolliert diese Plattform? Bundesfamilienministerin von der Leyen, gerne beim Thema Kinderpornografie aktiv, ist hier doch nicht zuständig. Ihr Ministerium verweist uns an die Kommission für Jugendmedienschutz. Die könne gegen Internetbetreiber Bußgelder verhängen. Aber auch sie sind nicht zuständig.
[…]
Ein rechtsfreier Raum und niemand ist zuständig für diese Parallelwelt im Kinderzimmer. Den Betreibern ist Jugendschutz offenbar zu aufwändig.“

Die Vorwürfe über rechte Propaganda und den laxen Umgang mit dem Jugendschutz bei SchülerVZ scheinen nicht neu zu sein, wie z.B. ein Artikel aus dem Jahr 2007 auf stern.de zeigt:

Vater zeigt SchülerVZ an
„Schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Online-Netzwerkes SchülerVZ und den Verlag Holtzbrinck: Beide wurden angezeigt wegen der Verbreitung pornographischen Materials und wegen Volksverhetzung. Das bestätigte die Kriminalpolizei in Schwetzingen, bei der die Anzeige einging, stern.de.“

Sowie der Beitrag von Malte Arnsperger „Neonazis und Fremdenhass auf SchülerVZ“ aus dem Jahr 2008 auf www.mut-gegen-rechte-gewalt.de

„Eine Recherche von stern.de: Zum wiederholten Mal sind beim Online-Netzwerk SchülerVZ Nazi-Symbole aufgetaucht. So haben Mitglieder ihre persönlichen Seiten mit Hakenkreuzen illustriert und dort fremdenfeindliche Äußerungen verbreitet. Gleichgesinnte vernetzen sich hier miteinander. Jugendschutzexperten sind besorgt, SchülerVZ weist Kritik jedoch zurück. Doch wer sucht, wird leicht fündig…“

Zusätzliche Brisanz gewinnt der Beitrag über den Jugendschutz auf SchülerVZ durch die gerade veröffentlichte Studie über Jugendgewalt, „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“.

Anmerkung:
* Monitor-Sendungsbeitrag als Manuskript (PDF)

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3 Gedanken zu “Rechte Hassparolen, Porno, Drogen – Jugendschutz bei „SchülerVZ“?

  1. ich finde das schuelervz seh gut :)

    ………………………….

    @rosi kreisberg
    Hallo Rosi aus der Geschwister-Scholl-Schule Gütersloh, es geht nicht um das Grundprinzip, das hinter sozialen Netzwerken wie dem SchülerVZ steht, es geht um die Nazi-Inhalte u.a.

  2. Wie steht es hierbei um links-extremistisches Gedankengut, dass sich in jener Plattform ebenfalls zu Hauf zu finden ist?

  3. Hubert –
    definiere doch mal bitte: was ist für Dich „Linksextremismus“?

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