Komplett-Desaster der NPD in Friedberg und Nidda

Wie schon der vorangegangene Erlebnisbericht aus Friedberg zeigt: in dieser Stadt bekamen die Nazis der NPD keinen Fuß auf den Boden. Angetreten, etwas gegen die halluzinierte „Islamisierung Deutschlands“ zu tun, kamen sie in Friedberg noch nicht einmal 200 m weit. Danach, weit entfernt vom Ziel ihres Hasses, der Ayasofya-Moschee, wurden sie von zeitweise bis zu 500 AntifaschistInnen auf ihrer Route blockiert und mussten nach etwa 2 Stunden in den von Seiten des RMV mal wieder zur Verfügung gestellten Sonderzug nach Nidda steigen.

Dort empfingen sie auf dem Bahnhofsvorplatz ca. 200 Antifas, angesichts derer die Polizei sich weigerte, den Platz zu für die Nazis zu räumen. Zurück ging es etwas später, wieder im Zug, nach Ranstadt. Aber als  die Faschos dort aussteigen und eine „Spontandemo“ veranstalten wollten, platzte selbst den polizeilichen VertreterInnen der Staatsmacht der Kragen und es wurde den Nazis klargemacht: heute wird nicht demonstriert.
[Update:  In Ranstadt hat es im Gegensatz zu einer Fehlinformation, die wir zuvor erhalten hatten, eine kurze, wahrscheinlich von Mario Matthes angemeldete Spontandemonstration unter dem Motto „Demonstrationsrecht auch für Deutsche“ (!!)  gegeben. Augenzeugen sprechen von etwa 80 Faschisten, die für relativ kurze Zeit durch den Ort gezogen seien, andere berichten von erheblich mehr. Zu einer genaueren Schilderung der Situation in Ranstadt bis ca. 19:00 Uhr sowie zum Verhalten von Polizei und Nazis dort vgl. die Berichte im Kommentarbereich unten, am Schluß dieses Artikels]

Bericht Hessenschau
Bericht ARD-Tagesschau
Bericht FR
Sammlung weiterer Links: newstin
Eie Einschätzung des EA liegt noch nicht vor. Sie wird hier verlinkt, sobald wir sie haben.
Kurze Einschätzung der ANK (eine gesonderte Einschätzung zur Frage des polizeilichen Verhaltens am 1. August folgt in Kürze):
Eine herausragende Rolle für diesen großen Erfolg spielte das breite Bündnis gegen die NPD in Friedberg, das sich in wochenlanger Vorarbeit herausgebildet hatte. Etwa 500 AntifaschistInnen aus fast 80 unterschiedlichsten Gruppen und Organisationen, darunter Stadtverordnete aller Parteien, führende Gewerkschaftsfunktionäre und VerteterInnen der Kirchen und vieler Organisationen vom mainstream bis zur Antifa weigerten sich von 10:30 bis 14:00 Uhr in der Blockade auf der NPD-Route, der polizeilichen Aufforderung zu gehorchen, der NPD Platz zu machen. Die Polizei schien zu diesem Zeitpunkt nicht mehr völlig Herr der Lage zu sein, denn hier standen ältere Menschen und Kinder, Männer und Frauen, Leute aus verschiedensten politischen Lagern, Parteien und Organisationen direkt nebeneinander gegen die Nazis und verweigerten den x-fachen polizeilichen Räumungsaufforderungen den Gehorsam. Hervorragend in dieser Situation wieder einmal die konsequente und klare Ansage an die Polizei vom Lautsprecherwagen mit dem bewährten und allseits bekannten Team, das auch durch seine Musikauswahl (fast) jeden geschmakc erfreute. Außerdem gabs eine Super-Trommelgruppe der Clownsarmee, eine Darbietung der „Front Deutscher Äpfel“ und spontane Akrobatik-Einlagen. So blieb die Stimmung stundenlang gut.

Diese Mischung und die Menge von zeitweise bis zu 500 Menschen direkt zu Beginn der behördlich genehmigten Route war es, die es der Polzei unmöglich erscheinen ließ, einfach so für die Nazis zu räumen. Es hätte sehr lange dauern können, uns alle wegzutragen, wenn wir uns zB. gesetzt und eingehakt hätten.
Ob es im Hintergrund dessen auch noch andere polizeilich Überlegungen gab und wie die aussahen, wissen wir nicht – und ist uns auch egal. Entscheidend ist: das Konzept, sich wirklich und nicht nur verbal in den Weg zu stellen, hat funktioniert. Die vielen, die das mitermöglicht und -erlebt haben, werden es nicht so schnell vergessen, und vielleicht ja auch in ganz anderen politischen Situationen als Erfahrung wieder abrufen können.

Das Stadtbild in Friedberg entlang der NPD-Route war geprägt von Schildern und Transparenten gegen die Nazis. Aber schon am Blockadepunkt Hanauer Straße / Karlsbader Straße war Schluß – entgegen der zwei Tage zuvor im Rahmen eines Kooperationsgespräches  gemachten martialischen Ankündigung des polizeilischen Einsatzleiters, König,  das „Demonstrationsrecht“ der Nazis werde auf jeden Fall durchgesetzt.

Das Friedberger Bündnis in seiner heutigen Form war ein gutes Beispiel für das Konzept „Masse und Entschlossenheit„.  Es hat sich bewährt.
Schlimm, daß ein solches Vorgehen und ein solches Bündnis in Frankfurt derzeit undenkbar ist. Städtische Gremien und RepräsentantInnen, Kirchen- und DGB-Führungen, die Frankfurter Medien, die Eliten der Frankfurter Zivilgesellschaft wären derzeit zu einem Vorgehen, wie es heute in Friedberg zu sehen war, nicht in der Lage und teilweise auch nicht bereit. Wir werden uns bemühen, unseren Beitrag dazu zu leisten, das zu ändern.

Advertisements

22 Gedanken zu “Komplett-Desaster der NPD in Friedberg und Nidda

  1. In Ranstadt konnten ca. 80 Nazis leider marschieren. Ich weiß nicht, wie lange sie durch das Dorf gelaufen sind, da sie schon unterwegs waren, als wir ankamen.

    Anschließend fand noch eine Abschlusskundgebung am Bahnhofsvorplatz statt.

    Euer Bericht ist dahingehend leider falsch.

    Ansonsten war der gestrige Tag auf jeden Fall wieder ein Erfolg. :)

    Alerta

  2. Wir haben das inzwischen auch gehört. Es gab vorher anderslautende Berichte, die anscheinend falsch waren (?). Wir werden das aber noch herausfinden.

  3. Ach du Sch…. – sorry, eine andere Vokabel fällt mir gerade nicht ein – die Menschen in- und um Randstadt waren doch wohl in keiner Weise vorbereitet, welcher Dreck sich über ihre Idylle ergießt an einem sommerlichen Samstag Abend.

  4. Wir sind bei der Rückfahrt von Nidda durch Ranstadt gekommen und haben aufgrund des großen Polizeiaufgebotes am Bahnhofsbereich schon so etwas vermutet. Es gab ja schon in Nidda die Meldung, das so was mit der Polizei ausgehandelt werden sollte. Damit wäre auch erklärt warum die Polizei „fluchtartig“, nachdem die Faschos in den Zug gestiegen sind, den Ort verlassen haben. Diese Aktion war genau geplant. Anwohner sagten uns, als der Zug in Ranstadt einfuhr, wurden sie von der Polizei empfangen und sofort auf einer Route durch den Ort geführt. Als wir nach Ranstadt kamen waren die schon unterwegs. Einige anwesende Ranstädter BürgerInnen waren sehr aufgebracht, weil ihnen ohne Vorabkündigung 100 Nazis im Ort abgeladen werden, durch den Ort ziehen dürfen und am Bahnhof eine Abschlußkundgebung abhalten konnten. Sie hätten keine Chance gehabt sich auf so einen Aufmarsch vorzubereiten und, wie in Friedberg und Nidda, zu wehren.
    Das dieser Ablauf so geplant war bestätigt auch die Aussage der Polizeieinsatzleitung, als die Nazis nach ihrem Marsch wieder am Bahnhof ankamen, „So, sie sollten jetzt wie vereinbart hier Ihre Abschlußkundgebung abhalten“.

    Aber noch ein lustiges Ereignis am Rand, das zeigt, das auch die Polizei nach diesem langen Tag Erholung nötig hatte, den die Nerven lagen auch untereinander blank.
    Wir (ca. 10 Leute) wollten vom Bahnhof Richtung Ortsmitte laufen. Als uns 10 schwarze BFE-Polizisten anmaulten, wir hätten hier nicht zu suchen und sollten zum Bahnhof zurück. Nachdem wir langsam umdrehten und wie von der Staatsmacht gefordet zurück gingen, kamen von oben grün gekleidete Polizisten, die uns in gleicher Weise anblöckten, wir sollen nach unten gehen. Also was nun, fragten wir uns und die grünen und schwarzen Ordnungshüten. Die darauf untereinander in einen lautstarken Streit gerieten (und wir standen sozusagen schlichten mittendrin) und nach einer Weile damit endete, das beide Gruppen ankündigten jetzt Ihren Chef anzufunken. Dies war aber dann nicht mehr nötig, den von unten näherte sich inzwischen der Naziaufzug.
    Und somit war auch klar, die „Scwarzen“ hatten den polizeiinternen Machtkampf gewonnen, denn sie hatten recht. Was dann einen „Grünen“ zur hämischen Aussage nötigte, „Die Schwarzen haben halt immer recht“.

    Tja, schön zu sehen das die Ordnungshüter sich so gut verstehen.

  5. In Ranstadt konnten die Nazis marschieren.
    Eine Runde von ca. 1,5 km um den Kirchturm und zum Bahnhof zurück unter die Dorflinde. Dort war die Abschlusskundgebung. Jörg Krebs machte die Einführung anschließend sprach Udo Voigt.
    Ein weiterer hat dann die Kundgebung beendet, wahrscheinlich Mario Matthes. Beide wurden durch einzelne Pfiffe gestört, so dass Ihre Reden keine rhetorischen Glanzleistungen waren.
    Zu Beginn waren es ca. 30 AntifaschistInnen, am Ende der offiziellen Kundgebung um ca. 19.00 Uhr waren noch ca. 15 antifaschistische Einheimische da. Die Hälfte der Nazis fuhr dann nach einer halben Stunde mit dem Zug Richtung Nidda/Gießen.
    Die andere Hälfte wartete noch, bis ein Bus aus Nürtingen bei Stuttgart die Hälfte des verbliebenen Restes abholte (30 Leute).
    Dann hat ein Auto aus Mosbach 3 Nazis mitgenommen. Die anderen 30 Nazis (mit Krebs und Lachmann) verzogen sich nach einer halben Stunde Warten ins Gewerbegebiet zu einem Getränkemarkt und ersäuften ihren Frust. Um 20.00 Uhr fuhr Lachmann mit 3 weiteren Nazis weg, die anderen Nazis lungerten noch am Getränkemarkt herum. Dann bin ich auch weg.

    Für die Nazis war auch Ranstadt kein Erfolgserlebnis: eine Kundgebung mit ihrem Parteivorsitzenden auf einer Bushaltestelle neben Bahngleisen und unter einer Dorflinde. Selbst in diesem Dorf, in das sie kurz vorher eingefallen waren, haben sie gespürt, dass sie nicht erwünscht waren.

    Für die Einwohner von Ranstadt muss es wohl gespenstisch gewesen sein: Nazis fallen ein, marschieren durch ihr Wohngebiet, die Kirchenglocken läuten. Massive Polizeipräsenz vor Ort, die den Verkehr behindert. Die lokalen Honoratioren kamen nicht vor Ort unter die Dorlinde, um sich über die Situation zu informieren, sondern saßen irgendwo bei einem Weinfest.

    Presse war nicht vor Ort.

    Solidarische Grüße,
    VVN

  6. Wie ist so etwas denn möglich? Dafür muss doch irgend jemand die offizielle Erlaubnis erteilt haben, und das am Samstag Abend. Die Einsatzleitung der Ordnungskräfte kann doch nicht eigenmächtig entscheiden, dass die Neonazis dort aufmarschieren dürfen, oder?

  7. Schöner Mist, das mit Ranstadt.

    Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass so eine Spontandemo auch ohen Anmeldung stattfinden darf.
    Wenn ich mir aber vorstelle, wie es den Bürgern da ging. Plötzlich eine Nazi Horde im Ort? Nein Danke.

    Das sollte aber unser gutes Gefühl, dass wir nach Friedberg/Nidda hatten, nicht mindern.

    Wenn diese Prankken merken, dass nichts von dem, was die so planen, noch Erfolg hat, dann lassen sie irgendwann auch diese unseeligen Demos bleiben.

    Ich bin, immer wieder, schwer beeindruckt, von dem bunten Bild, dass unsere Seite auszeichnet. Wenn alte Menschen und Kranke, Junge und Gesunde, Punks, Rentner, Türken, Afrikaner, Deutsche und Inder. Wenn Rocker und Arbeiter, Angestellte und Kinder, wenn einfach ALLE, zusammen stehen und dieses Pack aufhält. So sieht das Land aus, in dem ich leben möchte. Schade, dass es nur funktioniert, wenn es gegen „Braune“ geht!

  8. Demonstrationen müssen(!) bei der Stadt (Bürgermeister, Ordnungsamt) spätestens 48 Std. vorher angemeldet werden. Die Stadt kann dann die Demo gewähren lassen oder sie verbieten.
    Die Polizei hat gar keine Befugnis irgendwelche Demos zu erlauben oder zu organisieren…..
    Man müsste deshalb am Montag einfach mal in Ranstadt im Rathaus anrufen und fragen, was es mit der NPD-Demo vom Samstag auf sich hatte.

  9. Hey,
    wir waren in Friedberg und Nidda dabei…zufällig haben wir auf der zügigen Rückfahrt mit viel Poliziei im Verkehr mitbekommen, dass da in Ranstadt was nicht stimmte- stehen geblieben- zum Bahnhof gelatscht – geguckt – Überraschung – „Spontandemo“!!! Wie jetzt?!?! Das war erschreckend – zu diesem Zeitpunkt konnte man die NPD-Gegener nicht mal an zwei Händen abzählen, deutliche Minderheit -da am Bahnhof in diesem kleinen Ort-(ein paar der NPD-Amhänger sind im Zug sitzen geblieben und weiter gefahren, hatten wohl kein Bock mehr!!!Ausgestiegen sind nach meiner Schätzung deutlich mehr als 80!). Nach ca. 10min. sind die dann doch tatsächlich im Schutze der Polizei (was auch immer in deren Köpfen vorgegangen sein mag) los marschiert und wir haben von unserem Standpunkt aus natürlich dagegen demonstriert- Als aber der NPD-Marsch an uns vorbei war, sind wir mit Bauchschmerzen schnell weggefahren…ja, das tat weh und gibt mir sehr zu denken!!!

  10. Meine Gedanken gehen kreuz und quer durch dieses Thema / diesen vergangenen Samstag.

    Ein schöner Nebeneffekt ist ja, dass gerade durch zunehmende Durchmischung der „unbelehrbaren Gutmenschen“ (so nennen sie uns ja angelegentlich – womit der Begriff Gutmensch zum Schimpfwort mutiert) der Dialog der Nationen gefördert wird. Da sehe ich es doch glatt ein wenig lockerer, wenn von meinen bezahlten Steuern der Schutz solcher Aufmärsche mitfinanziert wird.

    Laut offizieller Aussage der NPD (auf deren Seite) hat Matthes erst im Zug die weitere Kundgebung/Demo angemeldet. Wen erreicht man denn an einem Samstag nachmittag, der/die das genehmigen kann/darf?!?!

    Was mich in Friedberg sehr beeindruckt hat war, dass die versprengten Grüppchen NeuNazis, die versuchten durch die Sperren zu ihren „Helden“ zu gelangen – vergeblich – in Ruhe gelassen wurden. Sie irrten in die Menge zurück um es an einem andren Punkt erneut zu versuchen und wurden wieder „freundlich lächelnd“ abgewiesen. Etliche Leute bekamen diese Versuche mit und man erzählte sich belustigt davon. Wo man doch man von den bösen Linken doch erwartet hätte, hat sie keiner angefasst. Ich wage zu behaupten, dass uns das Pluspunkte eingebracht hat. Hoffentlich nachhaltig.

  11. Ich frage mich bei solchen Veranstaltungen immer, ob es nicht sinnvoller wäre den rechten Demozug unter Polizeibegleitung laufen zu lassen und die Bevölkerung zu bitten sich fern zu halten und keine Notiz zu nehmen.

    Durch die Gegendemos erreichen die Rechten ihr Ziel doch viel leichter: Sie erhalten die gewünschte Aufmerksamkeit der Medien und können sich durch Ihre (meist) zahlenmäßige Unterlegenheit auch noch als die schwächeren und „schützenswerten“ darstellen.

    Wie am Samstag in Ranstadt gesehen läßt sich eine Demonstration ohnehin nicht völlig verhindern. Um weitere Eskalation und Unruhen bis in die Nacht zu verhindern, war es sinnvoll die (nur wenig beachtete) Kurzdemo stattfinden zu lassen.

  12. Es gibt heute in allen Wetterauer Lokalzeitungen eine umfangreiche Berichterstattung auch über den angeblichen „NPD-Spontan-Aufmarsch“ in Ranstadt, der dort auf breite Ablehnung stieß, obwohl man sich nicht darauf einstellen konnte. Der katholische Pfarrer, an dessen Kirche die Nazis vorbei marschierten, ließ die Glocken Sturm läuten, aus den Fenstern der Häuser entlang der von der Polizei „spontan“ erlaubten Route gab es „Nazis raus“-Rufe. Es herrscht jedenfalls im Ort immer noch große Empörung darüber, dass die Polizei die Nazis durch Ranstadt laufen ließ.

  13. Hallo luckforward,

    ich bin keineswegs Deiner Meinung.
    Es ist das Ziel der Nazis, sich auf unterschiedlichen Wegen als Teil des „normalen“ gesellschaftlichen Diskurses zu etablieren: als die netten Nachbarn, durch Mitarbeit in Vereinen, als unterschiedliche Gruppierungen und Parteien, die angeblich (und gegen den Wortlaut von Art. 139 GG) das Recht auf Meinungsfreiheit und andere Grundrechte in Anspruch nehmen können, vgl. dazu den Aufsatz von Lars Winkler und den Beitrag von Otto Köhler.
    Ich möchte darauf hinweisen, daß Nazis und RassistInnen von 1989 bis heute in diesem Land 139 Menschen ermordet haben.
    Auf diesem Hintergrund wäre es ein völlig falsches Entgegenkommen für Nazis, wenn man sie nicht wo es nur geht ausgrenzt und ächtet.

  14. Spontandemos sind auf jeden Fall erlaubt. Dieses wichtige Recht machen wir uns ja auch zu Nutze, wenn nötig.
    Ich zitiere mal Wikipedia (Versammlungsrecht):

    Versammlungen unter freiem Himmel, die nicht auf Grund dieser Einschränkungen verboten sind, müssen vom Veranstalter 48 Stunden vor Bekanntgabe angemeldet werden, es ist ferner für eine ausreichende Zahl von Ordnern zu sorgen. Eine Ausnahme hiervon gilt nach Rechtsprechung des Bundesverfassungsgericht für sogenannte „Spontan-Demonstrationen“. Unter Spontanversammlungen versteht man Versammlungen, die sich aus aktuellem Anlass ohne vorherige Organisation bilden. In verfassungskonformer Auslegung des § 14 Abs. 1 VersG besteht für diese Versammlungen keine Anmeldepflicht, da es zum einen keinen „Leiter“ iSv. § 14 Abs. 2 VersG gibt, zum anderen das Grundrecht aus Art. 8 Abs. 1 GG für Spontanversammlungen sonst leerliefe (BVerfGE 69, 315, 350 f. – Brokdorf).

    Wegen des notwendigen „aktuellen Anlasses“ war diese Demo dann ja auch vorgeblich unter dem Motto „Demonstrationsrecht auch für Deutsche“…
    Trotz des Wermutstropfens Ranstadt (und des suuuperseltsamen FR-Berichts!?) war der Samstag ein voller Erfolg. Die monatelange Vorarbeit hat sich voll ausgezahlt. Danke an alle, die da waren.

  15. hier noch eine weitere Einschätzung, die Hagen aus Hanau über den Mail-Verteiler der Rhein-Main-Plenums-Liste versandt hat:

    einige wenige ergänzungen zu dem, was ja auf untengenannten links der antinazikoordination schon treffend und (im hinblick auf ranstadt) aktualisiert zusammengefasst ist.
    „faschismus ist kein meinung sondern ein verbrechen“ war in friedberg als riesengroßes banner an einem kirchenhaus direkt gegenüber des friedberger bahnhofs aufgespannt. sicher auch ein deutlicher inhaltlicher ausdruck davon, dass es dort im breiten bündnis gelungen ist, die praktische verhinderung des nazi-aufmarsches zum gemeinsamen ziel zu machen und das auch gegen alle drohungen der polizeiführung zu halten. denn der einsatzleiter, könig, hatte im vorgespräch am mittwoch ausdrücklich betont: „alle reden vom „Mainzer-Modell“ für mich ist das kein Modell, sondern eine einmalige Situation, die sich nicht wiederholen wird.“ Nach weiteren Äußerungen von ihm sollten 2.000 Grün-Weißen eingesetzt werden, um die nazi-demo durchzusetzen.
    die polizeilichen vorbereitungen am samstag waren zwar nicht entsprechend martialisch, aber dennoch war es zweifellos der entschiedenheit des friedberger bündnisses und der guten lokalen wie regionalen mobilisierung geschuldet, dass die nazis nicht marschieren konnten. dekanin, gewerkschaftsführung bis zu autonomen antifas waren jedenfalls alle zusammen in der ersten reihe, als es um die blockierung der entscheidenden strasse ging. und wir haben bis zu 1000 leuten gezählt, die aus allen nebenstrassen zusammenkamen, als es ernster zu werden drohte und die polizei aufforderte, die strasse freizugeben. es schien jedenfalls so, als ob die polizeiführung immer wieder einzuschätzen versuchte, ob eine räumung möglich ist, aber ihre aufforderungen führten dann nur dazu – auch bestens moderiert durch das im ank-bericht schon erwähnte souveräne lautsprecherteam aus frankfurt/wiesbaden! – dass noch mehr leute auf die strasse kamen.
    insgesamt waren sicher 2000 antifaschistische gegendemonstrantInnen in friedberg unterwegs … und wäre zu hoffen, dass nun ein „friedberger modell“ schule macht.
    für nidda, wo auch einige hundert leute aus dem lokalen bündnis mobilisiert wurden, darunter übrigens viele menschen aus der ahmadiya- gemeinde, hatte die frische friedberger erfahrung offensichtlich gleich einen unmittelbaren nachahmeffekt. denn das dortige bündnis hatte – wohl auch wegen der polizeilichen drohungen – eine offensive verhinderung als gemeinsames ziel nicht aufrechterhalten, „nidda wendet sich ab“ war denn auch ein entsprechend defensiveres motto.
    aber vor ort und mit den erfolgreichen eindrücken aus friedberg waren es dann auch zumindest 2 bis 300 menschen, die sich querstellten und sich den aufforderungen der polizei konsequent verweigerten.
    auch wenn die nazis dann leider doch noch in ranstadt laufen konnten, auf der wetterauer mischung aus bunter „masse und entschlossenheit“ (wie ank treffend formuliert) werden künftige anzi- nazi-mobilisierungen in der region hoffentlich aufbauen können.
    großes kompliment und dankeschön jedenfalls nochmal an die wetterauer bündnis-aktivistInnen…
    beste grüße,
    hagen

  16. Ich finde es wichtig, nochmal einige Grundlagen für diesen Erfolg herauszustellen: Bereits zwei Monate vor Tag X wurde ein Bündnis gegründet, das von Anfang an das Ziel der Verhinderung hatte und möglichst viele Partner aus der Breite der Gesellschaft dafür gewann. Bald hing in den Schaukästen einiger Wetterauer Kirchen der Aufruf zur „Verhinderung“ der Demo. Bemerkenswert!
    Durch Schnelligkeit der Planung und Einbeziehung von wichtigen Partnern wurde die Möglichkeit einer „bürgerlichen“ Gegenmobilisierung fernab der Strecke vereitelt und mit der Anmeldung der Kundgebungen am Bahnhofsvorplatz, FH und in der Frd.-Ebert-Straße (und einigen anderen Orten, an denen kleine pro-forma-Kundgebungen stattfanden, solange taktisch sinnvoll) eine (zumindest diesmal) erfolgreiche Strategie gewählt.

    Dass die „große“ Kundgebung auf dem Bahnhofsplatz, auf der zuvor noch für den Normalbürger „vertrauensbildende“ Programme wie kirchliche Andacht, Bürgermeisterrede und Musikprogramm liefen, als es ernst wurde, unterbrochen wurde und später von der gleichen Stelle zur Verstärkung der Blockaden aufgerufen wurde, woraufhin 500 „bunte“ Menschen als Verstärkung rüberkamen, war sehr wichtig. Auch das im Vorfeld mobile Motivations-Elemente wie die Sambatruppe eingeplant wurden.
    An der Hauptbühne blieb nur noch ein strategischer Rest von ca. 100 Menschen zurück, der Rest wurde in die Blockaden geschickt. Dass soetwas gewünscht ist, muss in der Kundgebungsregie vorher Konsens sein und dahinter müssen Eitelkeiten von Rednern o.ä. zurückstecken.

  17. Anmerkung zu Solphos

    „Auch das im Vorfeld mobile Motivations-Elemente wie die Sambatruppe eingeplant wurden.“

    2 Dinge hierzu:

    Zum Einen sind Actionsambabands kein „Motivations-Element“. Du würdest doch wohl auch nicht GewerkschafterInnen als Fahnenwedel-Element oder Antifas als schwarzes Kapuzenelement bezeichnen. Wobei das mit dem Motivation verbreiten natürlich stimmt :)

    Des Weiteren wurde die Actionsambaband, die in Friedberg vor Ort war, wohl kaum „eingeplant“, so als ob eine Musikband gebucht wird. Es ist eine bewusste politische Entscheidung, ob eine Actionsambaband eine Aktion/Demonstration/… mit ihrer Aktionsform unterstützen will.

    Wer in Friedberg und Nidda war, wird wohl bemerkt haben, dass diese Sambaband auch mit einer eigenen politischen Aussage vor Ort war, nämlich der, dass es nicht reicht, sich an den Nazis abzuarbeiten, sondern auch die sonst überall in der Gesellschaft verbreiteten Einstellungen wie z.B. Rassismus, Sexismus und Nationalismus benannt und angegangen werden müssen. Nazis sind sind nur die -leider sehr gefährliche und widerliche- Bündelung solcher Weltanschauungen.

  18. Was hört man eigentlich vom Aufbegehren der NPD?? Sie bedienen sich der Gesetze und sehen ihren Aufzug als unrechtmäßig be- und verhindert. Sie wollen den Klageweg (nach dem kläglichen Weg) beschreiten.
    Hat jemand Infos ob und wie weit das gediehen ist??

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s