Der heilige Vater, die Piusbrüder und die Neue Rechte

Dieser Tage erscheint bei PapyRossa ein neues Buch von Gerhard Feldbauer, das dem theologisch-politischen Standort Joseph Ratzingers in seiner Eigenschaft als Papst Bendikt XVI. gewidmet ist. Einen Vorabdruck der wichtigsten Thesen gab es gestern in der täglichen Themenseite der „jungen Welt“ (pdf: Feldbauer über Ratzinger ).
Der Artikel geht von den Vorgängen der innerkirchlichen Rehabilitierung der hochgradig antisemitischen sowie die Ergebnisse der französischen Revolution bis heute nicht akzeptierenden Piusbruderschaft im vergangenen Jahr aus. Deren historische Wurzeln gehen auf enge Beziehungen zur extrem reaktionären und profaschistischen „Action francaise“ zurück. Sie ist heute klar zur Neuen Rechten zu zählen. Zu deren Publikationsorganen pflegte auch Joseph Ratzinger seine Kontakte. Seine Haltung zum Islam („Regensburger Rede„) schlug gleich zu Beginn seines Pontifikats hohe Wellen. Die Verbindung von Neuer Rechten, Antisemitismus und im Gestus „mutigen Tabubruchs“ vorgetragener sogenannter Islamkritik ist auch in Frankfurt an prominenten Orten zu finden. Lorenz Jäger (FAZ) bezeichnet sich zum Beispiel in der Widmung seines 2006 im knallrechten Wiener Karolinger-Verlag erschienenen  Buches „Das Hakenkreuz. Zeichen im Weltbürgerkrieg. Eine Kulturgeschichte“ selber als Schüler des Geschichtsrevisionisten Ernst Nolte und Freund des reaktionären Frankfurter Katholiken Martin Mosebach. Der ist allerdings zugleich auch Büchnerpreisträger (wenn auch eigentlich nur, so die Germanistin Sigrid Löffler, wegen seiner „reaktionären Gesinnung – das hat was Perverses„), stammt also wahrlich aus der Mitte jener Gesellschaft, deren mehr oder weniger geheime Konsensdiskurse er ausplaudert. Bei anderer Gelegenheit äußerte sich Lorenz Jäger auch über die „besondere Rolle“ von Juden im mittelalterlichen Sklavenhandel, was wiederum von Karlheinz Weissmann, Frontmann der Neuen Rechten in Deutschland und Gründer des auch häufig auch als „Instapo“ bezeichneten „Institut für Staatspolitik“ voll Sympathie und Interesse rezensiert wird. Wahrlich – ein schönes Gesamt-Sittengemälde von deutschnationalem Rechtskonservatismus, antikonziliarem Rechtskatholizismus, Antisemitismus und „Islamkritik“!

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