Wer heutzutage ausgerechnet Cihad heißt…

… hat nach Ansicht einer deutschen Zahnärztin mit offenbar gesundem Volksempfinden kein Anrecht auf eine Behandlung.
Gehört nach ihrer Ansicht ein solches Subjekt nicht zur deutschen Volksgemeinschaft und darf deswegen nicht behandelt werden? Wir wissen es nicht.
In der FR von heute wird ein entsprechender Fall dargestellt. Der Berliner Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz sieht, ähnlich wie vor einigen Tagen bereits Micha Brumlik, in solchen Vorgängen strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Antisemitismus und anti-islamischem Rassismus.
Benz: „Das ist eine praktische Wirkung, da wird einem Menschen, der einen bestimmten Namen hat, von dem man auf seine kulturelle Zugehörigkeit schließt, die ärztliche Behandlung verweigert. Ich bin entsetzt.
Richtig. Aber: eine praktische Wirkung wovon?
Von mainstreamiger Islamhetze à la Broder und PI, von Nazis und Neuen Rechten, des „war on terror“ von der „coalition of the willing“, Somalia, Afghanistan und Ghaza, von der Schikane in Behörden, „Einbürgerungstests“, Moschee-, Minarett- und Burkaverboten bis, wer weiß, demnächst zum bewaffneten „Menschenrechtseinsatz“ gegen Iran. Die Welt ist groß und es gibt viele Terroristen und des Terror Verdächtige wie Cihad.
Micha Brumlik im oben genannten Interview mit dem Deutschlandfunk: „Bei Antisemitismus und Islamfeindlichkeit ist es immer so, dass partielle Tatsachen mit generalisierenden Vorurteilen vermischt werden. Die Nationalsozialisten zum Beispiel haben gesagt, was völlig richtig ist, dass ein großer Teil der Führung der Bolschewiki Juden gewesen sind. Überhaupt kein Zweifel! Frühe Antisemiten haben beklagt, dass die Rothschilds als Könige der Epoche zu großen Einfluss gehabt hätten, also das Problem liegt genau darin, dass vereinzelte Wahrnehmungen, vereinzelte, vermeintliche Tatsachen zu einem generalisierenden Verdacht über eine ganze Bevölkerungs- und Religionsgruppe aufgeblasen werden.“
Der Fall mit Cihad ereignete sich in Baden-Württemberg.
Der Zahnspangenträger, der auf Grund seines undeutschen Vornamens als behandlungsunwürdig eingestuft wurde, ist ein Jugendlicher.

Andererseits: die Ärztin hatte sicher ihre Gründe. Ausgerechnet Cihad – warum muß er auch so heißen?
Solange jemand, der zB. Joseph Ratzinger oder Wolfgang Bosbach oder Kristina Köhler heißt, in Mekka nicht zum Zahnarzt gehen kann …
Oder?

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Ein Gedanke zu “Wer heutzutage ausgerechnet Cihad heißt…

  1. Hallo!

    Das ist offenbar kein Einzelfall, die Frau hat es nur offen geäußert. In einem rechten Forum, das von einem Zahnarzt namens Wolfgang Wüst aus Frankfurt betrieben wird (www.politikforen.net) erzählt dieser Zahnarzt ganz offen, daß er keine „Zigeuner“ behandelt. Türken sind für diesen Menschen „Biomüll“.

    Wer mir schreiben will für nähere Infos: Leroy@afropoets.com

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