Hooligans, „Fußballpatriotismus“ und die extreme Rechte: Bilanz nach der WM 2010

Deutsche Fußballfans im Frankfurter Waldstadion „CommerzbankArena“ am 3. Juli 2010. Quelle: Peter Jülich / apabiz e.V.

„Public Viewing“ ist nach der Auskunft kundiger native-speaker des amerikanischen Englisch der dortige Fachausdruck für die öffentliche Aufbahrung einer Leiche. Entsprechend viele Zombies waren in den vergangenen Wochen auf Plätzen und Strassen der Nation zu bewundern, so zB. auf dem nebenstehenden Bild einer Szene vom 3. Juli im Frankfurter Stadion, das bekanntlich seit einiger Zeit nach der Bank mit den engen Beziehungen zum „Celler Trialog“ benannt ist. (Links zu ähnlichen Vorkommnissen auch in anderen Städten s.u., vgl. auch: „Bilanz der Nationalismus-Party“ auf German Foreign Policy).

apabiz e.V. berichtet in einer Presse-Erklärung vom 6. Juli:
„Beim „Public Viewing“ am Samstag, dem 3. Juli, anlässlich des WM-Spiels Argentinien gegen Deutschland trat in der Frankfurter Commerzbank-Arena eine Gruppe von jungen Erwachsenen auf, die sich durch Sprüche und Gesten eindeutig als Neonazis zu erkennen gab. Personen dieser Gruppe salutierten mit dem Hitlergruß inmitten von 25.000 Feiernden, ohne dass dies irgendwelche Konsequenzen wie Ansprachen oder Platzverweise nach sich zog. (siehe Bild).
Bereits beim „Public Viewing“ auf dem Frankfurter Rossmarkt bei einem vorangegangenen Deutschland-Spiel wurde nach Auskunft eines Polizisten ein Mann festgenommen, der sich ein großes Hakenkreuz auf den Körper gemalt hatte. Die Polizei war nach eigenen Angaben von einem Pressevertreter darauf aufmerksam gemacht worden, niemand der Feiernden hatte auf das Zeigen des Nazisymbols reagiert bzw. war dagegen eingeschritten.
Offen auftretende Neonazis waren auf diesen Events eine kleine Minderheit. Erschreckend ist jedoch, dass deren Auftreten von einer breiten Masse geduldet wurde – in keinem der beiden genannten Fälle sah sich irgendjemand der Feiernden veranlasst, gegen sie zu protestieren, sie des Platzes zu verweisen oder Polizei und Sicherheitsdienst zu informieren.
Noch im Jahr 2006 bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland existierte wenigstens in Teilen der Öffentlichkeit eine Sensibilität gegen einen allzu offen auftretenden Nationalismus. Davon scheint im Jahr 2010 kaum etwas geblieben. Selbst unübersehbare neonazistische Gesten und Symbolen scheinen zum akzeptierten Bestandteil der schwarz-rot-goldenen Mega-Partys zu werden. Auch in der selbsternannten Multi-Kulti-Metropole Frankfurt am Main.

Ähnliche Berichte finden sich auf NPD-Blog.info zu Vorkommnissen in Hamburg, Magdeburg, Regensburg, Düsseldorf, Freiburg, Berlin und anderen Orten

Dazu heißt es in einem Kommentar bei NPD-Blog.info:

„In der Magdeburger Innenstadt randalieren nach der deutschen Niederlage rund 200 Neonazis. Sie skandieren faschistische Parolen, setzen Mülltonnen in Brand und greifen die anrückende Feuerwehr an. Die Polizei nimmt rund 80 Personen in Gewahrsam, gegen ein Dutzend von ihnen wird Strafanzeige erstattet.
Quelle: Stern.de

In Regensburg (Bayern) zieht eine Gruppe Skinheads Naziparolen rufend durch die Innenstadt. Anschließend randalieren sie in einer Gaststätte und schlagen den Barkeeper zusammen. Die herbeigerufene Polizei nimmt fünf Verdächtige fest, von denen einer bei der Festnahme unablässig “Heil Hitler!” brüllt.
Quelle: “Abendzeitung”, Radio IN

In Düsseldorf werden feiernde Spanier mit dem Ruf “Raus aus Deutschland!” angepöbelt. Bereits vor dem Spiel Spanien-Deutschland greifen rund 50 Neonazis die Bewohner des Bauwagenplatzes Kommando Rhino in Freiburg mit Faustschlägen, Flaschen- und Steinwürfen an. Dabei skandieren sie nationalistische und homophobe Sprechchöre.
Quelle: Autonome Antifa Freiburg

In der Frankfurter Commerzbank-Arena zeigt eine Gruppe offen auftretender Neonazis beim “Public Viewing” während des Spiels Argentinien-Deutschland den Hitlergruß. Die Polizei schreitet nicht ein. Bereits beim “Public Viewing” auf dem Frankfurter Rossmarkt bei einem vorangegangenen Deutschland-Spiel wurde nach Auskunft eines Polizisten ein Mann festgenommen, der sich ein großes Hakenkreuz auf den Körper gemalt hatte. Die Polizei war nach eigenen Angaben von einem Pressevertreter darauf aufmerksam gemacht worden, niemand der Feiernden hatte auf das Zeigen des Nazisymbols reagiert beziehungsweise war dagegen eingeschritten.
Quelle: Störungsmelder

Vor dem Spiel Ghana-BRD greifen in Berlin zwei Deutsche gezielt einen Schwarzen in einer U-Bahn an, prügeln auf ihn ein und beleidigen ihn rassistisch, nachdem sie sich über das anstehende Spiel ebenfalls rassistisch unterhalten haben. Sie fügen dem 31jährigen eine Platzwunde im Gesicht und Prellungen am Kiefer zu, bis er sich mit einer zerbrochenen Flasche zur Wehr setzt. Die herbeigerufene Polizei leitet nicht nur Ermittlungen gegen die Angreifer ein, sondern auch gegen das Opfer.
Quelle: “Tagesspiegel”

Vier deutsche Fußballfans greifen in Saarbrücken eine Gruppe Schwarzer an, nachdem sie eine überdimensionale Deutschlandfahne über die Gruppe ziehen. Auf den Protest der Schwarzen hin zieht einer der Deutschen ein Messer und sticht auf drei Männer ein. Er verletzt sie leicht und flüchtet mit seinen Kameraden.
Quelle: DDP

Weil der BRD-Nationalspieler Ballack sich bei einem Foul von dem Schwarzen Fußballer Kevin Boateng massiv verletzte, wird er in TV und Printmedien rassistisch angegriffen. Sein Bruder Jerome Boateng, beklagt sich über rassistische E-Mails und Kommentare in Internetforen: “Es kann nicht sein, dass so viele Menschen im Internet Seiten gründen und rassistisch werden. Was meinen Sie, wie viele E-Mails mein Berater erhalten hat, deren Inhalt gegen mich gerichtet ist und rein nichts mit Fußball zu tun hat”, sagte Jerome Boateng, “das kann ich nicht verstehen, da werde auch ich wütend”.
Quelle: “Die Zeit”, Laut gegen Nazis …

und zahlreiche weitere Gewalttaten von “nur” patriotischen Deutschen, die nicht offen als Nazis benannt werden hier:
http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=a1″

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