Islamfeindliche „Großdemonstration“: christliche Fundamentalisten, Rechte, rassistische Rechtspopulisten und migrantische Gruppen orientalischer Christen in Frankfurt

Etwa 300 DemonstrantInnen der Frankfurter Veranstaltung gegen Christenverfolgungen in „islamischen Ländern“ setzten sich am heutigen 12. März mit knapp einstündiger Verspätung vom Frankfurter Hauptbahnhof aus in Bewegung. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe: PI-Ortsgruppen aus München, Stuttgart und Frankfurt, Grüppchen der „Bürgerbewegung Pax Europa“, fundamentalistische Christen aus verschiedenen Städten, Anhänger der Frankfurter „Freien Wähler“ und Gruppen der Jungen Aramäischen Union und der Kopten – Gruppierungen, die ansonsten wenig miteinander zu tun haben dürften. In einem Punkt aber waren sie sich einig: in ihrem Haß auf den Islam, dem sie unterwegs, in Diskussionsbeiträgen am Rand der Veranstaltung, in Sprechchören und Reden während der Abschlußkundgebung an der Hauptwache freien Lauf ließen. „Scharia ist Völkermord“ wurde rosenkranzartig-monoton wieder und wieder skandiert, gruselige Fotos mit Kruzifixen und gefolterten Menschen geschwenkt, die an Bilder eines fehlgeschlagenen Exorzismus erinnerten, Transparente mit Bibelversen und zahlreiche zum Teil sehr seltsam ausgestaltete Kreuze mitgeführt. Eine Demonstration dieser bizarren Art dürfte bisher eine Seltenheit in Frankfurt gewesen sein – ein Treffen von antiislamischen Rassisten, Rechtspopulisten und reaktionären religiösen Fanatikern.
Auf der Hauptwache war die Demonstration inzwischen auf ca. 700 Personen angewachsen. Während der Abschlußkundgebung wurden diverse Grußworte verlesen, so zum Beispiel, um den politischen Standort der Aktion eindeutig zu machen, eines von Erika Steinbach (CDU, BdV), sowie von verschiedenen religiösen Führern orientalischer Kirchen in Deutschland, die die Verfolgung und Diskriminierung ihrer Kirchen in ihren jeweiligen Heimatländern anprangerten.
In der Organisationsleitung wirkten mit den Herren Müller und Hübner zwei Repräsentanten der Freien Wähler Frankfurt, denen für ihre Unterstützung auch herzlicher Dank gesagt wurde. Angehörige anderer politischer Parteien wurden weder erwähnt noch kamen sie zu Wort – am Rande der Kundgebung demonstrierte aber auch ein Wahlkampfstand der CDU / Jungen Union Präsenz, von denen einige Aktivisten zumindest in Diskussionen am Rande deutlich Partei für die Kundgebung und deren seltsames politisches Spektrum ergriff.

Die etwa fünfzig anwesenden AntifaschistInnen aus verschiedenen Gruppen (Jusos, Grüne, LINKE, Antifa, ANK) demonstrierten mit Spruchbändern, Plakaten und Flugblättern während des Auftakts, der Demonstration und  der Abschlußkundgebung für die Unteilbarkeit des demokratischen Grundrechts auf negative und positive Religionsfreiheit überall sowie gegen Rassismus.
Der Hass der uns hier  von einzelnen entgegenschlug kann nur als pathologisch eingeordnet werden: offenbar ist das oben skizzierte Sammelbecken auch ein Ort für Sonderlinge aller Art. So wurden wir zB. immer wieder geradezu geifernd als „islamische Kommunisten“ bezeichnet. Was auch immer das sei – der Vorwurf des „jüdische Bolschewismus“ ist da nicht weit. Martin Hohmann läßt grüßen.

Im Gegenatz zu irreführenden Presseberichten (FR) hatten wir im Vorfeld bekannt gegeben, mit dieser Veranstaltung keine direkte Konfrontation zu suchen, um die anwesenden MigrantInnenorganisationen nicht noch weiter in die Arme der Rechen zu treiben.
Es ist die Frage, ob dieses Herangehen nicht ein Fehler war: die Gruppierungen von Armeniern und Kopten machten durchaus den Eindruck, ganz genau zu wissen, mit wem sie da demonstrieren.
Offenbar wollen sie sich im Spektrum der deutschen Gesellschaft ganz bewußt am äußeren rechten Rand verorten – dementsprechend sollten sie dann auch von uns eingeordnet werden.
Im Fall der Jungen Aramäischen Union (JAU) ist das ganz deutlich zu sehen: ein Schreiben an die Adresse von Antifa und ANK, mit dem sich diese Gruppe einige Tage vor der Demonstration dafür entschuldigt hatte, AntifaschistInnen mit NS-Antisemiten verglichen zu haben, war einen Tag vor der Demo plötzlich von der Homepage verschwunden, ist allerdings in einem Posting der ANK für die Nachwelt dokumentiert.  Der dort Unterzeichnende tat sich heute am Mikrofon als besonders lautstarker „Islamkritiker“ hervor.

Am kommenden Donnerstag, 17.3.: Abschlußveranstaltung der „Freien Wähler“ im Südbahnhof
Treffpunkt für AntifaschistInnen: vor dem Südbahnhof, 18:30 Uhr

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6 Gedanken zu “Islamfeindliche „Großdemonstration“: christliche Fundamentalisten, Rechte, rassistische Rechtspopulisten und migrantische Gruppen orientalischer Christen in Frankfurt

  1. Es gibt also keine Verfolgung von Christen in mehrheitlich islamischen Ländern? Oder wie soll ich diesen Artikel verstehen? Dass da Instrumentalisierung stattfindet ist klar, aber wieso den Fakt als solchen nicht zur Kenntnis nehmen und so tun als gäbe es das nicht?

  2. Hallo Benni, wenn oben von den angeprangerten Diskriminierungen und Misshandlungen von Christen die Rede war, dann war das durchaus Ernst gemeint.
    Im Übrigen aber bin ich der Meinung, daß es sich bei der rassistischen Verfolgung und Diskriminierung von zu solchen allererst gemachten religiösen, ethnischen oder kulturellen Minderheiten eigentlich immer um den gesellschaftlichen Ausdruck tiefer liegender sozialer Konflikte handelt. Diese Ansicht wirst Du vermutlich nicht teilen, aber ich halte sie für unmgänglich. Andernfalls knstruiert man nämlich im eigenen Kopf substanzialistisch eine Art überhaupt „verfolgbarer“ gemeinsamer Eigenschaften von christlichen, jüdischen, islamischen Individuen mit und befindet sich damit bereits auf dem Rassistenpfad. Insofern kann von Christenverfolgungen nur in einem natürlich legitimen umgangssprachlich abgekürzten, nicht in einem kritischen Sinn des Wortes die Rede sein.

  3. Es überrascht mich, dass den Freien Wählern auf dieser Seite eine so große Aufmerksamkeit gewidmet wird, während die BIG-Partei, die Mitglieder / Sympathisanten der Grauen Wölfe, dem türkischen Äquivalent zur NPD, im Frankfurter Kommunalwahlkampf auf ihrer Liste kandidieren lässt, hier so gar keine Rolle spielt.

    Ganz abgesehen von der Groteske bei der Wahl zur KAV, bei der auch Menschen aus dem Dunstkreis der Grauen Wölfe kandidert haben, zudem noch unter dem Kürzel der türkischen Mutterpartei MHP. Ich denke, das sind sehr bedenkliche Entwicklungen, die auch hier nicht unbeachtet bleiben sollten.

    http://www.hr-online.de/website/rubriken/nachrichten/indexhessen34938.jsp?rubrik=36082&key=standard_document_40612075

  4. Aehm, Herr Verfasser, viel geantwortet haben sie, ohne inhaltlich irgendwas klarzustellen.

    Ich will klarstellen, dass meiner Meinung nach sie als Antifa-Clown genausogut in der SA/SS haetten mitmachen koennen. Ihr Artikel trifft nur so von spiessbuergerlichem Gedankengut, dass bei den Nazis und spaeter bei anderen totalitaeren Deutschen prima gefunzt hat. Menschen und Ansichten zu kategorisieren und abzuurteilen bereitet ihnen grosse Freude. Tun sie was sie nicht lassen koennen.

    Weiterhin will ich klarstellen, dass keine „rassistische Verfolgung und Diskriminierung“ stattfindet. Nichtmuslime, sei es Christen, Juden, Bahai, was auch immer, werden nicht gemordet sondern massakriert. Sie werden vergewaltigt und gedemuetigt. Die Haeme die sie diesen geschundenen Menschen gegenueberbringen zeigt ihren Charakter. Ein Menschenfreund, Antifaschist sind sie und die Antifa nicht. Es geht um Agitation und Zeitvertreib.

    Ich goenne euch Linksgruenen diesen Zeitvertreib, denn ihr wisst es nicht besser. Von der Realitat dieser Menschen habt ihr keine Ahnung, sonst waere auf die konkrete Frage Bennis eine konkrete Antwort gekommen. Stattdessen Platituden und talking points. Nicht geistreich.

  5. Hallo Hans Wurst, danke sehr für Ihren Kommentar, den wir hier ohne weitere Antwort unsererseits veröffentlichen. Das ist Strafe genug. Nomen est Omen!

  6. Sehr geehrter Herr Wahl

    Das dem Rassistenverein FW mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird könnte durchaus damit zusammenhängen das der im Gegensatz zu kleineren Splittergruppen, bei denen man MHP-Idioten natürlich durchaus entgegentreten sollte, eine dezent höhere Stimmenanzahl erwarten kann.
    Mir ist auch egal woher Idioten kommen, ob die in Bergen-Enkheim oder in einem Kaff in Anatolien geboren wurden. ob die christlich, muslimisch, jüdisch, hinduistisch. kotisch oder shintoistisch sind. Inhumane Rechte sind unakzeptabel. Überall. Punkt.

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