SS, Fußball, DFB. Das „Todesspiel“ in Kiew, 9. August 1942, die Prioritäten von Oliver Bierhoff und die BRD-Justiz

Vor wenigen Wochen gaben die Gewaltigen des DFB zu Protokoll, ein Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz sei der deutschen Nationalmannschaft anlässlich der bevorstehenden EM in Polen und der Ukraine nicht zuzumuten.
Da gebe es andere Prioritäten, stimmt der Chor der Medien zu.
Die „Holocaust-Thematik“ werde „schon aufgegriffen“, meinte Oliver Bierhoff, ganz wertfrei.
Die FAZ aber meinte, für „solche Ausflüge“ sei einfach keine Zeit. Was ist schon Auschwitz gegen eine Fußball-EM.
In seinem Beitrag „Spiel um Leben und Tod“ erinnert Klaus Huhn an jene perversen und von der SS erzwungenen fußballerischen Begegnungen zwischen deutschen Wehrmachtsangehörigen und Kriegsgefangenen des ehemaligen Klubs Dynamo Kiew im August 1942. Sportlich wie sie nun mal waren, ließen die deutschen Verlierer mehrer Begegnungen die überlegenen Kicker aus Kiew anschließend aus Rache umbringen. Die deutsche Justiz der BRD sekundierte noch Jahrzehnte später und ließ einen Prozeß zur Aufklärung der damaligen Sachverhalte im Sand verlaufen (Klaus Huhn, „Spiel um Leben und Tod“).
Man darf gespannt sein, ob und wie sich die bundesdeutschen Kicker in einem eventuellen Spiel in Kiew zu dieser historischen Last verhalten werden.
Daß der deutsche Fußball-Nationalismus auch heute gern zu eindeutigen Gesten neigt, war zB. 2010 auch in Frankfurt zu beobachten.

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7 Gedanken zu “SS, Fußball, DFB. Das „Todesspiel“ in Kiew, 9. August 1942, die Prioritäten von Oliver Bierhoff und die BRD-Justiz

  1. Das glaub ich gern, daß das Netzwerk Ost-Bericherstattung dazu anderer Auffassung ist. Anderer Auffassung nicht nur, als es die sowjetische und die DDR-Forschung darstellt. Das sind die Verlierer der Geschichte und haben schon deshalb Unrecht in den Augen der zeitweiligen Sieger.
    Anders aber auch, als es Andy Dougan in „Defending the Honour of Kiev“ herausgearbeitet hat.
    In der Ukraine Juschtschenkos sind heutigen Tags die Kollaborateure der Nazifaschisten nationale Helden (bis auf die Ausnahme der Feierlichkeiten des 9. Mai), vg. den Leserbrief „Banderas Erben“ (http://www.jungewelt.de/2012/03-19/001.php). Dazu passt der obige Link.
    Der kampf um die Werung historischer Ereignisse hat verdammt viel mit den politischen Optionen der Gegenwart zu tun. Und da ist die Ukraine, seit Ende des 19. Jahrhunderts im Visier des deutschen Imperialismus, endlich zum Greifen nah.

  2. Die in Benni’s Betrag u. Link vertretene Meinung ist die allgemein historisch anerkannte.

    Die ANK hat da, wie so oft, eine (mal zurückhaltend ausgedrückt) exclusive Realitätswahrrnehmung.

  3. Ja natürlich haben wir eine Realitätswahrnehmung, die sich von der „allgemein historisch anerkannten“ ziemlich unterscheidet. Die findet ja heutzutage auch noch ganz andere Dinge „allgemein anerkannt“, etwa, daß der Reichtstagsbrand 1933 von einem kommunistischen Einzeltäter gelegt worden sei (so die Herren Göring und Goebbels, nur nunaciert etwas anders Kellerhoff und Lammert). Die etwas andere Realitätswahrnehmung damals hatte Georgi Dimitroff – nicht ganz erfolgslos, wie man sich erinnert.
    So etwas wundert nur den, der sich zu mainstream und der herrschenden Meinung so affirmativ verhält, wie der Kommentator oben. Vielleicht würde es sich aber doch schon lohnen, den als „exclusiv“ inkriminierten Artikel erst mal zu lesen und dann im Detail zu kritisieren?

  4. Ich wollte nur klarstellen, dass ich mit meinem Link-Hinweis keine „Meinung“ vertreten wollte, dazu kenne ich die Debatte zu wenig. Ich fände es nur hilfreich, wenn man denn eine vom Mainstream abweichende historische Meinung vertritt (was jedem unbenommen ist), dass auch als solches kenntlich zu machen. Sonst sieht man sich hier als Leser in der Lage, alle Angaben erst mal recherchieren zu müssen um sie einordnen zu können, was sicher die wenigsten leisten können.

  5. Hallo Benni, ich fürchte, aus dieser „Lage“ kann Dich nichts und niemand je befreien. „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.“
    Aufklärerische Grüße…

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