„Thomas Occupy“ / Frankfurt: drei Klicks bis zur „Thule-Gesellschaft“ und den Freien Wählern Hans Olaf Henkels?

Das Frankfurter Occupy-Camp wird medial und in Bündnissen häufig von einem engagierten  jungen Mann repräsentiert, der sich „Thomas Occupy“ nennen läßt und seine zahlreichen Mails „mit okkupierenden Grüßen“ unterzeichnet. Während des Ostermarschabschlusses am vergangenen Ostermontag trat er als Redner für das Frankfurter No-Troika-Bündnis in Erscheinung.

Am Ende all seiner Mails, die er über verschiedene Verteiler schickt, stellt er regelmäßig unter „Kleine Info am Rande“ eine Reihe von Links zur Verfügung, so zuletzt geschehen in einer Mail dieses Occupy-Aktivisten vom 17. April, 16:03 Uhr.

Der immer gleiche Anhang seiner Mails sah da wie folgt aus:

— Zitat ——————————————————————————–

Kleine Info am Rande:

Eine Datenbank für alle Occupy-Links:
http://occupyuniverse.weebly.com/

Ein Titanpad für politische Termine aus Frankfurt und Umgebung:
http://aktivist.titanpad.com/1

Eine Webseite für Links um Researchzeiten zu verkürzen:
http://occupyknowledge.weebly.com/

Bunte Informationen auf Facebook:
http://www.facebook.com/pages/Occupy-Universe/236714156424160#

—- Zitat Ende —————————————————————————

Der dritte dieser Links führt auf eine „Occupy-Knowledge-Base„. Klickt man dort auf den Menupunkt „Geschichte“, landet man auf der Seite V-22.de, auf der unter der Überschrift „Erkenne die Wahrheit. Informationen über Geheimbünde, kuriose Verschwörungstheorien und Paranormales“  unter anderem über die präfaschistische Thule-Gesellschaft berichtet (http://www.v-22.de/wissen/13-geheimb/47-thule-gesellschaft.html) und ihr Emblem gezeigt wird (http://www.v-22.de/wissen/13-geheimb/47-thule-gesellschaft.html).
Indem  diese bekannte völkische  Organisation  unter dem Oberbegriff „Verschwörungstheorien“ gehandelt wird, wird die durchaus  reale historische Rolle dieser rechten Terrorgruppe relativiert, deren Mitglieder die Novemberrevolution bekämpften und Kurt Eisner ermorden ließen sowie sich später größtenteils in der NSDAP wiedertrafen.
Eine „Weltkarte der Verschwörungstheorien“ (http://www.v-22.de/weltkarte-vs-theorien-mainmenu-48.html) listet alles mögliche und unmögliche nebeneinander auf:  von den Kreuzzügen über die Mafia bis zu Jack the Ripper.
Ferner kann man sich auf der Seite V-22.de in einem Forum über allerlei Themen von „CIA-MK-Ultra-Programmierung“ über islamfeindliche Schriften zur „Psychopathografie des Propheten Mohammed“ bis zum 11. September 2001 informieren (http://www.v-22.de/forum.html) und sieht sich bald danach mit Propaganda der „Freien Wähler“ Hans Olaf Henkels konfrontiert  (http://www.freiewelt.net/nachricht-9421/hubert-aiwanger-fordert-ein-%22zur%FCck-zur-vernunft%22.html).

(Nur spekulieren kann man darüber, was „V22“ bedeuten soll. Unter anderem hieß ein Schnellbomber der faschistischen Luftwaffe aus dem Hause Focke-Wulf so [http://de.wikipedia.org/wiki/Focke-Wulf_Ta_154]).

Nun kann man sich zwar wundern, weshalb das einzig wissenswerte zum Thema Geschichte von „Occupy:Knowledge“  ausgerechnet in einer Auflistung von Verschwörungstheorien bestehen soll, zu der angeblich auch die Thule-Gesellschaft gehört, aber das fiele ja gegebenenfalls noch unter das Label bedenklicher persönlicher Bizarrerie.

„Thomas Occupy“ wurde aber verschiedentlich auf diese mehr als befremdliche Verortung des NS-Faschismus im Anhang jeder seiner Mails angesprochen. Seine Reaktion soll in einem Fall in dem bonmot bestanden haben, er sei eben  „so rechts, daß er links wieder herauskomme“.

Ein Aktivist des Frankfurter No-Troika-Bündnis hat „Thomas Occupy“ vorgestern (18. April)  auf die oben geschilderten Sachverhalte angesprochen. Der leugnete sie gar nicht, und erklärte, alles sei ein großes Mißverständnis: seine Verlinkung sei nicht etwa als knallrechte Relativierung einer faschistoiden Gruppe, sondern vielmehr als eine Art abschreckendes Beispiel für die schlimme Wirkung von Verschwörungstheorien gemeint. Verstehe das wer will. Sein Gesprächspartner, der ihn aus intensiver Zusammenarbeit kennt, nahm ihm das jedenfalls ab.

„Thomas Occupy“ ist sicherlich kein Faschist, aber die politischen Positionen, die er seit Wochen jeder seiner vielen Mails als Leseempfehlung anhängt, sind, da sie nach seiner Auskunft nicht als rechte Propaganda gemeint sein sollen, mindestens ein Zeichen großer Verwirrung: wieso ist für Occupy Frankfurt die mehr als fragwürdige Seite v-22.de mit ihren fragwürdigen Inhalten einzige, per Link überallhin versandte inhaltliche Referenz?
Thomas spielt eine aktive Rolle in den Vorbereitungsgruppen für die im Mai bevorstehenden Aktionen gegen das Frankfurter Bankenviertel und vertritt das Frankfurter Occupy-Camp und anscheinend auch, so beim Ostermarsch, „No-Troika Frankfurt“ in diversen Bündnisgesprächen und Arbeitsgruppen. Laut der oben zuerst verlinkten Adresse „occupyuniverse“ ist er „Hauptansprechpartner“ verschiedener Arbeitskreise von Occupy Frankfurt sowie auch des Links „Occupy:knowledge“.

Das paßt perfekt zu der immer wieder geäußerten politischen Selbstverortung der Occupy“-Bewegung, „weder rechts noch links“ zu sein, sondern eben 99%, was auch immer das heißt.

Unter „Antikapitalismus“ und „Kapitalismuskritik“ kann man eben leider sehr viel verschiedenes verstehen. Schon deshalb sind diese unscharfen Begrifflichkeiten mit Vorsicht zu genießen.

Das Occupy-Camp Frankfurt duldete nach seiner Gründung im Oktober 2011 monatelang einen bekannten Rechten, damals Mitglied und Funktionsträger der rassistischen Sarrazin-Fans von den Frankfurter „Freien Wählern“ Wolfgang Hübners, in führender Funktion für Medienarbeit und „Ordnungsdienst“. Obwohl auf dessen Positionen mehrfach öffentlich und auf verschiedenen Asembleas hingewiesen wurde, konnte diese Person über längere Zeit zB. Schulklassen über das Occupy-Gelände führen und dort „Fragen beantworten“.

Occupy Frankfurt ist dringend  zur Klärung der Rolle von „Thomas Occupy“, des geschilderten Sachverhalts und seiner politischen Positionen aufgefordert.

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2 Gedanken zu “„Thomas Occupy“ / Frankfurt: drei Klicks bis zur „Thule-Gesellschaft“ und den Freien Wählern Hans Olaf Henkels?

  1. Was ich zu sagen habe steht auf der Webseite.
    Bevor man so etwas auf die Seite setzt sollte man wenigsten mir die Gelegenheit zur Stellungnahme geben.
    Oder hattet Ihr Angst vor der Antwort?

  2. Leider ist das, was seit gestern auf der Webseite von Occupy Frankfurt dazu steht, keine inhaltliche Stellungnahme. Im Grunde wird damit sogar der seltsame Inhalt des von Occupy Frankfurt anscheinend für sehr wichtig gehaltenen Links der seltsamen Seite v-22.de unter „Geschichte“ noch einmal ausdrücklich bestätigt und soll nur vorübergehend „unsichtbar“ sein, damit Kritiker, die von Occupy Frankfurt anscheinend als denkunfähig angesehen werden, diesen Link nicht „mißverstehen“. Auch eine Reaktion. Im Übrigen ist es nicht richtig, daß Du nicht auf den Link angesprochen worden seist. Du hast ja auch durchaus darauf reagiert – nämlich so, wie man es bei Occupy Frankfurt nun nachlesen kann: unter Vermeidung einer inhaltlichen Stellungnahme.

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