PEGIDA und „Michael Mannheimer“: geordneter Rückzug dank Polizei

PEGIDA Frankfurt um Heidi Mund aka „Freie Bürger für Deutschland“ haben gestern (27.4.) erneut ein 35 Personen starkes bizarres Gastspiel auf dem Rossmarkt abgeliefert. Tragende Rollen dabei spielten der faschistoide Rassist Karl-Michael Merkle alias „Michael Mannheimer“, die Münchner BAGIDA-Aktivistin Esther Seitz sowie – im Grunde in der Hauptrolle – die Frankfurter Polizei. Umringt wurden die PEGIDAzis erneut durch etwa 300 – 400 Antifaschistinnen.
Eingeleitet und beendet wurde das Ganze erneut durch Heidi Munds geradezu liturgische Rahmenbeiträge, unter denen einmal mehr ihre Gesangsdarbietung des Deutschlandliedes hervorragte – irgendwas zwischen singender Säge und Heintje.
Esther Seitz aus München hat in den vergangenen Tagen für Wirbel durch die Anmeldung eines rassistischen Großevents auf dem Rossmarkt gesorgt: am 20.6. sollen dort 1000 Nazis des „Widerstands West“ unter ihrem Kommando antanzen. Nun korrigierte sie kleinlaut und vollmundig zugleich: gemeint sei nicht der allseits bekannte gewalttätige „Widerstand West“, sondern der unter ihrer Ägide überhaupt erst zu gründende „Widerstand Ost/West“, mit dem sie in Frankfurt das Abendland gegen das Morgenland verteidigen will. Mit tausend Personen.
Ansonsten rief sie mit schriller Stimme erneut allerlei unzusammenhängende und schmähende Behauptungen gegen Koran, Mohammed, Islam in die Gegend.
„Michael Mannheimer“ hat noch am 26.3. die Erkenntnisse der Weltöffentlichkeit über den Germanwings-Absturz in den französischen Seealpen durch die gesicherte Erkenntnis bereichert, der Verursacher der Katastrophe sei der zuvor heimlich zum Islam konvertierte Copilot. Es handele sich um ein Selbstmordattentat, direkt angeleitet aus dem die Weltherrschaft anstrebenden islamischen Kalifat, Zweigstelle Bremen. War nicht auch Twin-Towers-Terror-Pilot Mohammed (!) Atta längere Zeit in Hamburg aktiv? Nun habe auch Deutschland sein 9/11! Es werde jetzt endlich Zeit, „den Islam“ samt „Terrorhandbuch“ Koran als terroristische Vereinigung zu verbieten und zu verfolgen. Auch wenn Merkle diesen psychopathischen Irrsinn inzwischen dann doch lieber von seinem Blog gelöscht hat ist er natürlich dennoch im Internet an verschiedenen Stellen und in deutsch und englisch aufzufinden. Seine zentrale These zur Notwendigkeit einer Strafverfolgung von Millionen in der BRD lebenden Muslimen aufgrund § 129 StGB wiederholte er aber auf dem Frankfurter Rossmarkt, also in unmittelbarer Nähe von Geburtshaus und Denkmal Johann Wolfgang von Goethes, der bekanntlich ein großer Verehrer von Koran und Islam war.
Seine weiteren Ausführungen waren von den aus seinem Mund bereits bekannten wahnhaften und hasserfüllten Konstruktionen geprägt:
sich und die Seinen hält er für die einzig wahren deutschen Patrioten und Kämpfer für die deutsche und abendländische Kultur, die demnächst in einem islamisierten Chaos unterzugehen droht.
Antifaschistinnen sind die Nazis und Faschisten von heute, er und die Seinen repräsentieren den antifaschistischen Widerstand gegen den Islamfaschismus.
Der Nazifaschismus war in Wahrheit eine Form des Sozialismus und eine linke Bewegung, deren Nachfolger nicht nur die heutige Antifa ist. Vielmehr ist die gesamte derzeitige deutsche Gesellschaft vom Sozialismus infiziert, sind „die Politiker“ und die „rotversiffte Lügenpresse“ allesamt Linke und die BRD ist ein „sozialistischer Staat“.
Gleichzeitig behauptet „Mannheimer“, er sei ein Sprecher „des Volkswohls“ und der erdrückenden Mehrheit des (bio)deutschen Volkes. Er phantasiert sich öffentlich als mutigen Wahrheitskünder einer kleinen wachsamen Minderheit, die gleichzeitig die Mehrheit repräsentiert. Aus diesem religionsähnlichen, offenkundig narzistischen Größenwahn (der mit Munds fundamentalistisch-neopfingstlerischen Missionseifer formal durchaus harmoniert, obwohl er inhaltlich erkennbar etwas ganz anderes will), leitet Mannheimer seit 2011 wieder und wieder seine Berechtigung ab, das „deutsche Volk“ unter Berufung auf Art. 20 (4) des Grundgesetzes zu den Waffen eines Bürgerkriegs gegen den Islam aufzurufen. Dies alles in einer Gestik, Körpersprache und quäkenden Stimmlage, die bei Beobachterinnen fast automatisch zum inneren Bild eines gummiballartig auf- und niederhüpfenden Giftzwergs oder „biodeutschen“ Rumpelstilzchen führen muss. Es ist nicht erstaunlich, daß sich verschiedentlich islamische PassantInnen erschreckt bis empört zu dem gewaltverherrlichenden Unsinn des Herrn M. äußerten – ihnn kann man künftig Märchen von „Willkommenskultur“ und „Weltoffenheit“ nicht mehr erzählen.

Mund, Seitz und Merkle sind lebendige Beispiele des gegenwärtigen, geistig verwahrlosten und verrohten bildungsfernen deutschen Wut-Kleinbürgertums, wie allein schon aus Seitz‘ Fähigkeit hervorgeht, angesichts eines Denkmals, das den Schöpfer des „West-Östlichen Divans“ ehrt, zu einer gegen den Islam gerichteten Sprachschöpfung wie „Widerstand Ost/West“ fähig zu sein. Goethe oder Seitz/“Mannheimer“, abendländische Aufklärung und Kultur oder hasserfüllte sogenannte „Islamkritik“ – das sind einander ausschließende Alternativen.

So bizarr Mannheimer, Mund und Seit auftreten, so sehr sie an sich eher ein Fall für die Psychopathologie zu sein scheinen, so ernst und blutig sind die Konsequenzen dessen, wofür sie stehen. Bundesweit sind seit dem Auftreten der PEGIDA-Bewegung(en) die Zahlen von Anschlägen auf islamische Einrichtungen und Flüchtlingsunterkünfte selbst nach Angaben des BKA in die Höhe geschnellt. In Wuppertal stachen am 11.4. drei HoGeSa- / PEGIDA-Aktivisten vor dem Autonomen Zentrum auf einen türkischstämmigen Genossen ein, der bis heute im Koma liegt. Einer von ihnen gehörte zu den Orgaisatoren der Wuppertaler Demo, die PEGIDA großmäulig als „battle of the year“ angekündigt hatte, dann aber komplett in den Sand gesetzt hatte. Mit dabei aus Frankfurt: Heidi Mund. Die Kontaktwege von verbaler Hasspropaganda zu realer Mordlust sind sehr kurz.

Gäbe es nicht die hessische Polizei und das Frankfurter Ordnungsamt – Gestalten wie Mund, Seitz, Stürzenberger, „Mannheimer“ hätten keine Chance, in Frankfurt öffentlich ihren rassistischen und faschistischen Hass zu verbreiten. Aber die vornehmste Aufgabe der Sicherheitsbehörden in der Mainmetropole scheint seit Anfang des Jahres darin zu bestehen, sorgfältig dafür zu sorgen, daß Frankfurt nur ja seine allwöchentliche antiislamische Hassration abbekommt. Daran scheinen sich nicht viele weiter zu stören: Oberbürgermeister und Kirchen, Gewerkschaftsführung und die meisten Parteien, Kulturbetrieb und Bildungsinstitutionen überlassen in vornehmer Zurückhaltung das Geschäft, die nazikompatiblen Rassistinnen des PEGIDA-Spektrums tatkräftig und allwöchentlich in Schach zu halten, einigen Hundert Antifaschistinnen, die, wozu ebenfalls in aller Regel klammheimlich-dankbar geschwiegen wird, ihrerseits von gepanzerten Polizeistiefeln und -fäusten, „Mehrzweckeinsatzstöcken“ und Pfefferspray traktiert werden. Das offizielle Frankfurt, die Spitzen seiner „Zivilgesellschaft“ hat offenbar mit „Platz für Rassismus“, sofern dieser nur von der Behörde trotz volksverhetzenden Inhalts für unbedenklich erklärt und der Polizei gut gehegt wird, gar kein Problem. Das ist die Lage, seit Monaten.

Zum hierzu passenden Schluss kesselte darum die Polizei einen Teil der Antifaschistinnen auf der Kaiserstraße für etwa 40 Minuten ein und sicherte auf diese Weise PEGIDA und Co. zwar nicht die wieder mal angemeldete Demonstration, dafür aber einen einigermaßen sicheren Rückzug in die Taunusanlage. Auf dem Weg dorthin räumte die Polizei unter anfeuernden Rufen von etwa 40 PEGIDAZis („räumen, räumen!“) eine antifaschistische Blockade beiseite. Dies quittierte die rassistische Meute mit dem triumphierenden Ruf „Wir sind das Volk“ sowie dem sattsam bekannten Nazi-Slogan „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen!“ und stieg dann zu Füßen der Deutschen Bank, die Deutschland gewiss nicht verlässt, schnell in die S-Bahn.
Dem folgte eine etwa einstündige Spontandemonstration der Antifaschistinnen in Richtung Bahnhofsviertel und von dort zurück in die Innenstadt, der die Polizei über weite Strecken nicht folgen konnte.

Fazit: dies war (trotz eines Verhältnisses von 1:10 zwischen PEGIDA und uns) die am schlechtesten besuchte antifaschistische Gegenaktion zu PEGIDA. Sie war zudem schlecht organsiert.
So bedauerlich und zugleich verständlich das ist – wichtig ist auch: die Wut wächst. In vielen Gesprächen am Rande war das feststellbar. Es wird sich zeigen, wie dem künftig angemessen Ausdruck zu verleihen ist.

Für den kommenden 4. Mai müssen wir besser – und vor allem: viel mehr werden! An diesem Tag wollen PEGIDA-Nazis zeitgleich sowohl auf dem Römerberg als auch auf dem Rossmarkt demonstrieren. Wir bitten jetzt schon alle, sich ab sofort an der Mobilisierung massiv zu beteiligen, sich in Bezugsgruppen auf diesen Tag vorzubereiten und sich auf den üblichen Seiten  (ausser unserer Seite: nofragida, antifa-frankfurt.org) auf dem laufenden zu halten. Ein Aufruf der ANK für den 4.2. ist spätestens übermorgen online.

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